Vor zehn Jahren: “Das kann ich nicht akzeptieren”

Energischer Trainer: Erik Veje Rasmussen fordert von seiner Mannschaft in Schutterwald einen Sieg.

Flensburg Auch zwei Tage nach dem enttäuschenden Ausscheiden aus dem EHF-Pokal war bei Thorsten Storm der Zorn noch nicht verraucht. „Die Leistung gegen Altea  kann ich so nicht akzeptieren, dazu muss noch etwas gesagt werden, und das werde ich vor dem Spiel gegen Willstätt/Schutterwald tun“, sagte der SG-Geschäftsführer. Heute um 19.30 Uhr gastiert die SG Flensburg-Handewitt in der Handball-Bundesliga beim Tabellendreizehnten, der in eigener Halle von fünf Spielen (drei Siege, zwei Unentschieden) noch keines verloren hat. Eine unangenehme Aufgabe also, die nur mit der nötigen Einstellung zu lösen sein wird.

Apropos Einstellung: Die hatte der neue Geschäftsführer im Drittrunden-Rückspiel des EHF-Pokals gegen die Spanier schmerzlich vermisst. „Auch wenn man einmal nicht gut drauf ist, muss jeder Mitarbeiter in einer Firma ein gewisses Niveau erreichen“, zog Storm den Vergleich mit der freien Wirtschaft. „Wir müssen nicht jedes Spiel mit zehn Toren gewinnen. Aber wir müssen in der Lage sein, eine Mannschaft wie Altea zu schlagen — zum Beispiel mit einer knallharten Abwehr, wenn es nicht läuft. Aber bei uns hat sich am Sonntag das Niveau nicht auf 50 Prozent eingependelt. Es ist gleich unter Null gesunken. Ich habe den absoluten Siegeswillen vermisst und mich für die Leistungsbereitschaft der Mannschaft geschämt.“

Kettenreaktion: Enttäuschung, Schock, Angst

Auch der Trainer war von seiner Mannschaft maßlos enttäuscht. „Auch wenn man einen schlechten Tag erwischt hat, muss man in der Lage sein, ein gewisses Maß zu erreichen“, meinte Erik Veje Rasmussen. Der 43-jährige Däne führte am Montag Einzelgespräche mit seinen Spielern und glaubt die Ursachen, für das kollektive Versagen heraus gefiltert zu haben. „Jeder war fest davon überzeugt, zu gewinnen. Und wenn diese Erwartung nicht eintrifft, kommt der Schock und danach die Angst zu verlieren.“ Deshalb habe es in der zweiten Hälfte vor allem in der Abwehr so eine Fülle von „persönlichen Fehlern“ gegeben.

Der Trainer und die Geschäftsführung sind sich klar darüber, dass die SG durch das vorzeitige Ausscheiden aus dem internationalen Wettbewerb einen erheblichen Imageschaden erlitten hat. Gleichwohl hat das Europapokal-Aus auch eine positive Seite. Die SG kann sich jetzt voll und ganz auf den DHB-Pokal und die Bundesliga konzentrieren. Immerhin haben die Flensburger im Vergleich zu den vergangenen Jahren jetzt acht Pflichtspiele weniger als die anderen Spitzenklubs, die sich noch international tummeln. „Das kann ein Vorteil sein, weil wir jetzt wieder in einen normalen Rhythmus kommen, nicht mehr so viele englische Wochen haben“, glaubt Schmäschke. „Das muss man als Chance sehen“, ergänzt der Trainer. „Wir haben mehr Zeit zur Vorbereitung  auf die Gegner und können ganz anders trainieren.“ Das frühe Ausscheiden hat bereits erste Auswirkungen auf den Terminkalender. Das Heimspiel gegen den TV Großwallstadt wird vom 4. Dezember (Mittwoch) auf den 7. Dezember (Sonnabend) zurückverlegt. „Weitere Spiele werden folgen“, sagt Schmäschke.

Chance zur Wiedergutmachung

Die Partie in Schutterwald ist laut Rasmussen für die Mannschaft die erste Möglichkeit zur Problembewältigung. Alle Spieler wissen, dass sie an der Ortenau in der Pflicht stehen. Denn dort hat die SG noch nie verloren. Der Trainer ist sicher, dass sein Team hochmotiviert auflaufen wird: „Die Spieler wollen allen zeigen, dass der Auftritt vom Sonntag eine Eintagsfliege war.“ Und wie sie die Partie erfolgreich gestalten können, weiß Rasmussen auch. „Die Kommunikation in der Abwehr muss 100 mal größer sein als zuletzt, wir müssen mit erheblich mehr Körper-Einsatz spielen und sehr beweglich sein. Und im Angriff müssen wir mehr Geduld aufbringen. Wir dürfen nicht so früh die Entscheidung suchen.“

Hans-Werner Klünner