Ich bin mit Morten Dibbert verabredet. In der Geschäftsstelle der SG Flensburg-Handewitt. Um 12 Uhr mittags. Und, ich sag mal so: Ich bin pünktlich. Deswegen sehe ich Morten dann auch irgendwann von oben durchs Fenster über die Straße rennen. Eine Minute später sitzen wir im Konferenzraum. Es kann losgehen.
Na Morten, war das ne lange Nacht?
Oh, ja. Wir haben ja gestern in Gummersbach gespielt, und ich war erst um halb sechs im Bett.
So spät? Wie kommt das denn?
Na, wir sind noch recht lange dort gewesen. Viktor Szilagy hat uns besucht, da haben wir dann noch geschnackt.
Und, wie geht es Viktor?
Ganz gut! Sportlich läuft es bei seinem neuen Verein ja. Der Bergische HC ist auf dem ersten Platz in der zweiten Liga. Und Viktor sagt, dass er es ganz schön findet, dass er jetzt nicht mehr ganz so viele Spiele hat.
Okay, Viktor genießt also seinen Vorruhestand. Du freust dich über was ganz anderes, stimmt’s? Das war gestern dein erster Bundesligatreffer?
Ja, genau!
Und, jetzt bist Du fällig?
Genau. Ich muss ne Kiste Bier ausgeben.
Gab es die nicht gleich auf der Fahrt?
Nee, da krieg ich noch ein Zeichen von unserem Bierwart, wann das sein soll.
Wer ist euer Bierwart?
Das ist Maik Machulla.
Hast Du auch ein Amt?
Ja, ich bin DVD-Wart. Ich leih vor jeder Fahrt zehn DVDs aus und die können wir dann im Bus gucken.
Wie läuft denn so eine Fahrt? Was machst Du so? Und die anderen?
Also, ich sitz eigentlich immer mit Malte Voigt zusammen. Wir teilen uns auch die Hotelzimmer. Naja, wir schnacken halt, viele haben Laptops dabei, gucken dann DVDs, die gehen dann Reih’ rum, manche spielen Playstation, vor allem Fußball wird gezockt.
Und wer sind die Cracks?
Das weiß ich gar nicht. Ich spiel da nicht mit Bei mir is das mal so, mal so. Ich schlaf auch ganz gerne auf der Fahrt, aber es gibt nichts, was ich immer mache.
Wie is denn die Situation für dich im Moment? Ich meine, Du bist grad 21 geworden, bist seit ein paar Monaten Handballprofi, bist Rendsburger, kommst also aus der Region und ein Blick in unser Zeitungsarchiv zeigt, dass Du sowohl in deinen Jugendmannschaften von der HSG Schülp/Westerrönfeld, als auch in der zweiten Mannschaft der SG immer Führungsspieler warst. In Spielen um Nordostdeutsche Jugendmeisterschaften hast Du bis zu 21 Tore geworfen. Wie ist es, vom Leistungsträger zum Wasserträger zu werden?
Ha! Naja, das kann man vielleicht so sagen! Aber das stimmt, ich hatte in der Jugend diese Rolle und ich habe sie mir auch bei der Zweiten wieder erarbeitet. Aber ich hab auch überhaupt kein Problem damit, dass ich mich jetzt hinten einsortieren muss. Die SG Flensburg-Handewitt ist ja nicht irgendein Verein, sondern einer der besten Europas.
Und wie ist es, viel zu trainieren, aber fast gar nicht zu spielen?
Das ist eigentlich ganz lustig, weil ich weniger trainiere, als im letzten Jahr. Da habe ich bis zu dreimal am Tag trainiert, weil ich bei der Ersten und bei der Zweiten trainiert habe. Das ging auch nur ein halbes Jahr gut, dann hab ich gemerkt, dass das zu anstrengend wurde. Jetzt sind es maximal zwei Trainingseinheiten am Tag, je nachdem, wie wir spielen. Und ich darf ja spielen. Ich halte mich in jedem Spiel bereit. Man kann ja auch einen Spielverlauf einschätzen. Gummersbach zum Beispiel hat sich am Schluss ja kaum noch gewehrt, das Spiel war entscheiden. Das sind die Momente, wo ich weiß, dass Ljubomir Vranjes mir ein Zeichen geben kann, und dann hab ich noch eins, zwei Angriffe zum Vorbereiten und dann geht es los.
Du glaubst also, dass dich nicht das gleiche Schicksal ereilt wie Lars Bastian? Der Rechtsaußen gehörte im vergangenen Jahr ja auch in den Profikader, spielte aber so gut wie gar nicht. Jetzt spielt er in der zweiten Liga bei Henstedt-Ulzburg.
Schwierig. Ich weiß nicht genau, wie das mit Lars war. Aber wenn ich das richtig mitbekommen habe, hatte Lars gesundheitliche Probleme, mit der Leiste. Er konnte sich deswegen nie richtig anbieten. Und dann ist der Profisport gnadenlos. Man sieht, dass es nur um Leistung geht, wie in einem Unternehmen.
Und Du hast keine gesundheitlichen Probleme?
Nein, bis jetzt nicht. Und ich versuche mich zu präsentieren. Wofür das dann am Ende reicht, weiß ich nicht.
Wie wär’s mit einem Kreisläufer-Duo Heinl/Dibbert bei der SG, wenn Knudsen sich verabschiedet?
Ich hätte nichts dagegen! Aber vielleicht wird es für mich auch noch ein ganz anderer Verein – wir werden es sehen!
Wieso bist Du denn eigentlich inzwischen Kreisläufer, Du warst ja immer Rückraumspieler.
Das war erstmal Zufall. Letztes Jahr in der Vorbereitung musste ich da mal einspringen, und habe das wohl ganz ordentlich gemacht. Aber Ljubomir Vranjes hat mir auch gesagt, dass es für ganz oben im Rückraum einfach nicht reichen wird.
Woran liegt es?
Dafür bin ich leider einen Tick zu unbeweglich. Zu langsam auf den ersten ein, zwei Schritten.
Und am Kreis, wie läuft es da? Was musst Du noch lernen?
Tobias Karlsson spricht viel mit mir. Zum Beispiel wie man in der Abwehr am besten um den Kreisläufer rumkommt, um Anspiele zu verhindern. Im Angriff bekomme ich immer gesagt, dass ich mir mehr Zeit lassen soll, wenn ich den Ball habe. Nicht sofort abschließen, sondern hoch springen, den Ball lange halten und den Torwart ausgucken. Das ist auch schon besser geworden.
Und, machst Du eigentlich noch eine Ausbildung oder bist Du jetzt nur noch Handballprofi?
Ich bin Student. Hier in Flensburg. Ich studiere Maschinenbau. Allerdings funktioniert das mit unseren Trainingszeiten gerade nicht, deswegen liegt das so ein bisschen auf Eis.
Und was ist sonst so bei dir los? Hobbies, Freundin…?
Ich treffe mich natürlich gerne mit Freunden und ich hab auch eine Freundin. Sie heißt Swantje. Wir sind seit vier Monaten zusammen. Kennen gelernt haben wir uns in Sankt-Peter-Ording als Besucher der Kitesurf-Trophy. Kiten ist zum Beispiel eine Sache, die ich gerne ausprobieren würde. Aber bis jetzt hatte ich nicht die Zeit dazu. Es würde sich nicht lohnen, eine Ausrüstung anzuschaffen. Im Sommer bin ich ansonsten gerne am Strand, vor allem in Flensburg und Eckernförde, aber manchmal auch auf Sylt. Im Moment nutze ich freie Zeit auch gerne für zusätzliches Krafttraining. Ich will noch ein paar Kilo zulegen.
Du bist 1,95 Meter groß – welches Kampfgewicht schwebt dir vor?
100 Kilo. Oder 101.
Steffen Kahl



