Die Operation von Arnor

Dr. Thorsten Lange ist Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie in der Diako. Er ist ebenfalls ausgebildeter Sportmediziner. Am Mittwoch hat er die gerissene Achillessehne von Arnor Atlason operiert. Grund genug für mich, bei ihm mal nachzufragen, was es mit Achillessehnen so auf sich hat.

 

 

 

Dr. Lange, wie sieht ihr Alltag  aus – OP-technisch?

Das geht von bis – von ganz jung bis ganz alt. Von Kindern mit Knochenbrüchen, schwer verletzten Motorradfahrern, Sportverletzungen bis zu künstlichen Gelenken.

Und wie viele Achillessehen operieren Sie im Durchschnitt?

Unterschiedlich, aber diese Woche waren es drei. Im Grunde ist das also Routine.

Und wie reißt eine Achillessehne?

Die Verletzung ist typisch für Männer zwischen 30 und 50 Jahren. Und sie ist eine typische Sportverletzung. Zum Beispiel beim Badminton oder Tennis. Wenn ein Sportler plötzlich startet, lastet großer Druck auf der Sehne, weil sie das Gewicht und die Kraft aus dem ganzen Körper vom Bein auf den Fuß überträgt. Aber die Achillessehne ist ja auch die dickste und stärkste Sehne des Menschen. Sie kann so dick sein wie der Mittelfinger.

Und wenn sie reißt, dann knallt’s?

Ja, die Patienten berichten meist davon, dass es geknallt hat und dass sie das Gefühl hatten, als hätte sie jemand von hinten gegen das Bein getreten. Die drehen sich dann empört um und gucken, wer das war.

Wie war das bei Arnor? Er hat ja am linken Bein eine Bandage gehabt, als er sich verletzte – war da schon was kaputt?

Nein. Das war nur ein Kompressionsstrumpf. Den tragen viele Sportler, das ist gut gegen Ermüdung der Muskulatur. Das tragen zum Beispiel auch viele Fußballer unter ihren Stutzen oder Läufer.

Ok. Und Arnor geht es jetzt gut?

Ja, die Operation am Mittwoch ist gut verlaufen. Das heißt, die beiden Enden der Sehne ließen sich gut vernähen. Das ist zwar der Normalfall, aber deswegen noch lange nicht selbstverständlich.

Was genau machen Sie bei so einer Operation?

Wir machen einen kurzen Schnitt neben der Stelle, wo die Sehne gerissen ist. Da sehen wir dann, ob die Enden beieinander liegen, oder ob das obere Ende in Richtung Kniekehle geschnellt ist. Dann müssten wir noch einen längeren Schnitt machen. Zum Nähen gehen wir dann an mehreren Stellen durch die Haut. Weil die Sehne ausfranst wie ein Tau, das man durchschneidet, müssen wir die Fäden mit einer bestimmten Technik über mehrere Zentimeter mit der Sehne verbinden, auch deutlich von dem Riss entfernt. So bekommen die Fäden halt und wir können sie und die Sehnenstücke zusammen ziehen. Die Sehnenenden liegen dann aneinander und können zusammenwachsen. Die Operation dauert eine halbe Stunde.

Der SG-Manager Dierk Schmäschke hat nach der erneuten Verletzung von einem seiner Spieler einen Zusammenhang von hoher, auch zu hoher, Belastung von Handballern und ihren Verletzungen hergestellt. Wie stellt sich das für Sie bei Atlason dar?

Grundsätzlich ist die Achillessehne bei Start-Stop-Sportarten hoch belastet und deswegen gefährdet. Längere Pausen und Zeit für Regeneration schützen den Körper. Aber man kann nicht sagen, dass Arnors Verletzung nicht passiert wäre, wenn er vorher mal ein Spiel ausgesetzt hätte. Dennoch: Statistische Werte ergeben, dass solche Verletzung unter Sportlern, besonders Profisportlern, häufiger ist, als in der Bevölkerung insgesamt.

Und für Arnor heißt es jetzt abwarten und Tee trinken?

Fast. Der Fuß von Arnor steckt jetzt sechs Wochen in einem Spezialschuh. Da drin ist der Fuß in einer Position, damit die Sehne nicht belastet wird. Nach sechs Wochen sind die Enden zusammengewachsen und der Schuh kommt ab. Nach acht Wochen ist die Sehne wieder stabil. Wettkampffähig ist  ein Sportler in der Regel nach sechs Monaten wieder. Zum Vergleich: Ein „normaler Mensch“ ist nach drei Monaten wieder fit für seinen Alltag, kann stehen und gehen. Aber es gibt für Arnor natürlich eine spezielle Behandlung und Rehamaßnahmen.

Wann darf der Gute denn nach Hause, zu seiner Frau und seinen Kindern?

Das durfte er heute schon, nach dem Frühstück.

Steffen Kahl