Kaufmann und die dicken Fische

SG-Rückraumspieler tankt beim Angeln auf für den Kraft zehrenden Alltag in der Bundesliga und der Champions-League

glücksburg „Dieser Moment, wenn der Fisch beißt –  ein unbeschreiblicher Nervenkitzel“, sagt Lars Kaufmann. Ein Mann bleibt eben ein Mann, und am Jagdtrieb hat sich seit Urzeiten   wenig verändert. So erklärt sich der Modellathlet der SG Flensburg-Handewitt selbst seine große Leidenschaft fürs Angeln. Wie auf dem Spielfeld fordert Lars Kaufmann auch bei seinem Hobby von sich, alles zu geben, „den Kampf  anzunehmen, der nötig ist, um auch einen großen Fisch an Land zu ziehen“.  Schon ein kurzer Blick auf das fast zwei Meter große und über  100 Kilo schwere Kraftpaket macht deutlich, dass    es sich  um wahrlich kapitale Fänge handeln muss,  wenn dieser Kerl  denn kämpfen muss. In der Flensburger Förde sind Kaufmann  schon einige  prächtige Dorsche an den Haken gegangen. „Die filetiere ich deutlich besser, seit ich in Flensburg bin“, sagt der gebürtige Görlitzer. Am Angeln liebt der  30-Jährige auch die Ruhe und Naturverbundenheit,  durch die  er Energie tankt für den  Kraft zehrenden Alltag in Bundesliga, Champions-League und Länderspielen. „Wenn die Sonne aufgeht,   Nebelschwaden übers Wasser ziehen – solch wunderbare Augenblicke bleiben vielen verborgen“, sagt  der SG-Profi. Seinen athletischen Körper hat er sich in frühen Jahren hart  erarbeitet. Heute verbringt er aber nicht mehr Zeit als seine Team-Kollegen im Kraftraum.   „Ich achte auf mein  Aussehen und bin schon modebewusst“, sagt der blonde Hüne, der aber nicht auf sein Äußeres reduziert werden möchte. Denn   auf dem Spielfeld und im Alltag punktet er auch durch charakterliche  Vorzüge wie Teamgeist, Hilfsbereitschaft, Humor  und Ehrlichkeit. So gesteht Kaufmann: „Eigentlich darf ein Mann ja nicht zugeben, dass er romantisch ist, dennoch hatte ich einen Sommer mit einigen  Erlebnissen, die mir sehr zu Herzen gegangen sind.“ Gemeint ist die Hochzeit mit Anna-Lena – ganz in Weiß, mit einer großen Gesellschaft im märchenhaften Wasserschloss in Glücksburg. „Als wir aus der Kapelle kamen, strahlte auch die Sonne“, erinnert sich Kaufmann, der mit seinen Gästen nach der Trauung das  425 Jahre alte Schloss so „richtig gerockt“ hat. Seit es ihn vor  anderthalb Jahren von Göppingen nach Flensburg zog, hat sich noch weit mehr  getan im Leben des  Weltmeisters von 2007. Töchterchen Laurine kam zur Welt und führt seitdem zuhause das Kommando. „Die Spontaneität geht ziemlich verloren, dennoch ist sie unser Sonnenschein“, strahlt Lars Kaufmann. Für ihr Zuhause hat es die  Kaufmanns weder ins Handball-Dorf Handewitt noch in die große SG-Gemeinschaft Twedter Feld gezogen. Zunächst haben sie einen Traumblick auf die Förde in der Marina Sonwik genossen.  Den für ihr Kind gewünschten Garten gibt es nun in Glücksburg. „Wir wollten gerne in Wassernähe bleiben.“ Klar, schon wegen des Angelns. Dafür  streift der Natur verbundene junge Papa gerne  die rustikale Wathose über. Dafür ist Lars Kaufmann zusammen mit Jacob Heinl auch auf der Suche nach einem Motorboot. Es gibt also noch einen großen Angler im SG-Team? „Nein“, schmunzelt Kaufmann, „Jacob will auf dem Wasser chillen – und ich angeln.“

Anja Werner