SG will den Pokal – vor zehn Jahren

Der Kämpfer: “Traktor” Joachim Boldsen. Foto: shz.

Im vierten Anlauf soll es klappen: Nach drei Endspielniederlagen wollen die Handballer der SG Flensburg-Handewitt dieses Wochenende beim „Final Four“ in Hamburg den Fluch des „ewigen Zweiten“ ablegen   und mit dem Gewinn des DHB-Pokals ihren ersten nationalen Titel feiern. „Wir sind einfach mal dran“, sagt SG-Geschäftsführer Thorsten Storm, dessen Team im Halbfinale am Sonnabend (15 Uhr) auf Frisch Auf Göppingen trifft. Zuvor ermitteln TuSEM Essen, mit zuletzt neun Bundesliga-Siegen in Folge die „Mannschaft der Stunde“, und die SG Wallau-Massenheim (13 Uhr) den ersten Teilnehmer für das Finale  am Sonntag (14.15 Uhr/alle Spiele live auf N3).

Essen ist der Favorit

Den Flensburgern kommt es ganz gelegen, dass sie die Favoritenbürde für die Jubiläumsveranstaltung — das „Final Four“ gastiert zum zehnten Mal in der Hansestadt, aber erstmalig in der Color Line Arena — an die Essener nach deren jüngster Erfolgsserie weitergeben durften. „Mit dieser Rollenverteilung können wir gut leben“, so Storm.
Unbestritten ist allerdings dass die SG,  die in der mit 13.000 Zuschauern ausverkauften Color Line Arena von etwa 2600 Fans aus Flensburg unterstützt wird,   als hoher Favorit ins Halbfinale gegen Göppingen geht. „Frisch Auf hat überhaupt nichts zu verlieren“, sagt Erik Veje Rasmussen, der nur zu gerne seine letzte Saison als SG-Trainer mit einem nationalen Titel krönen möchte. „Wenn wir den Pokal holen, war die Saison ein Erfolg. Wenn nicht, ist sie nur eine gute Basis für die nächste.“

SG Favorit im Halbfinal-Duell mit Göppingen

Aber auch der Außenseiter aus Baden-Württemberg meldet seine Ansprüche an. „Wir gehen davon aus, dass  wir in Hamburg zwei Spiele bestreiten werden“, verkündet  Christian Fitzek vollmundig. Seinen Optimismus zieht der Göppingener Coach aus der Tatsache, dass sein Team am Mittwoch gegen Nordhorn in der ersten Halbzeit (16:12) „die beste Angriffsleistung in dieser Saison“ zeigte und ganz befreit aufspielen kann.
Ohne jeglichen Druck kommt allerdings keine der vier teilnehmenden Mannschaften aus. Schließlich steht neben  den Prämien in Höhe von 50000 bis 80000 Euro auch ein begehrter Europapokal-Platz auf dem Spiel.

Insbesondere die Essener sind ganz heiß auf den vierten Pokalgewinn ihrer Vereinsgeschichte. Der Erfolg am Mittwoch über Meister THW Kiel und die damit erhaltene Chance, Meisterschafts-Dritter zu werden und sich für die Champions League zu qualifizieren, geben dem Tabellenvierten Gelassenheit und Zuversicht. „Wir sind gut drauf“, konstatierte Trainer Juri Schewzow kurz und bündig. Sein Manager Klaus Schorn fügte an: „Bei unserer Zielsetzung in Liga und Pokal befinden wir uns voll auf Kurs. Wenn wir in Hamburg dabei sind, wollen wir den Pokal auch holen.“

Diesem Vorhaben will die SG Wallau einen Strich durch die Rechnung machen — trotz des Ausfalls von Nationalspieler Pascal Hens (Ellenbogenfraktur). „Mit einer optimalen Leistung können wir auch den Favoriten Essen knacken“, glaubt Coach Martin Schwalb.

Holger Lose

 

 

Vor zehn Jahren: Schnell zurück zur Tagesordnung

Durchsetzungsvermögen: Der Flensburger Joachim Boldsen erzielte neun Treffer. Foto: Grätsch

Flensburg Am Tag danach war alles wie immer. Die Überraschung nach der Ankündigung von Erik Veje Rasmussen, nach dem Saisonende die Trainerbank bei der SG Flensburg-Handewitt für einen Neuen freizumachen, hatte sich schnell wieder gelegt. Die Spieler des Tabellenzweiten der Handball-Bundesliga gingen gelassen und geschäftsmäßig wieder zur Tagesordnung über, schickten den Aufsteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke mit einer 25:34-Packung auf die Heimreise. „Für uns hat sich durch Eriks Entscheidung ja auch nichts geändert“, erklärte Mannschaftskapitän Jan Fegter. „Er bleibt bis zum Saisonende unser Trainer.“ Jan Holpert sieht es genauso. „Ich glaube nicht, dass es durch Erik Entschluss, uns zum Saisonende zu verlassen, einen Bruch geben wird. Wir haben weiterhin gemeinschaftliche Ziele, und die werden wir bis zum Saisonende durchziehen.“ Diese Aussage unterstrich der Nationaltorhüter drei Tage vor seinem Comeback in der DHB-Auswahl nach über zweijähriger Pause  gegen Nettelstedt mit einer Klasse-Leistung. Der 34-Jährige, der am Freitag wegen einer Magen-Darm-Grippe nicht hatte trainieren können und erst am Abend von der Rasmussen-Entscheidung erfahren hatte, war in der 15. Minute für den glücklosen Frode Scheie zwischen die Pfosten gegangen und hatte innerhalb von elf Minuten mit sechs Glanzparaden die Weichen auf Sieg gestellt. Aus einem 7:8 machte die SG in dieser Zeit ein 15:10. Insgesamt wehrte Holpert an diesem Abend 26 Würfe ab und zog damit dem Aufsteiger fast im Alleingang den Nerv. „Jan hat einfach großartig gehalten“, lobte Erik Veje Rasmussen, der nach der Bekanntgabe seiner Entscheidung wesentlich entspannter und entkrampfter wirkte als in den Wochen zuvor. „Wir haben zwar 60 Minuten gekämpft, aber wir haben keine Chance gehabt“, musste TuS-Trainer Robert Hedin eingestehen. Drei Tage zuvor hatte der Neuling gegen den TBV Lemgo nach einer großen kämpferischen Leistung mit 22:28 verloren. „Ich habe bis heute gedacht, dass Lemgo stärker ist als Flensburg. Das muss ich jetzt zurücknehmen“, sagte Hedin. „Die SG spielt schneller, mit mehr Druck und macht weniger Fehler als Lemgo. Sie kann es in diesem Jahr packen.“ Doch erst am 18. Dezember kommt es zum ersten Showdown der beiden Bundesliga-Spitzenteams in der Lemgoer Lipperlandhalle. Bis dahin hat die SG noch zwei wichtige Spiele beim HSV Hamburg und gegen den TV Großwallstadt auf dem Zettel — und nach Meinung ihres Trainers weiter an der Konzentration zu arbeiten. „Denn wir kriegen es einfach nicht hin, einen Gegner richtig zu erwürgen, wenn wir bereits früh hoch führen“, meinte Erik Veje Rasmussen. In der Tat hätten die Flensburger die Ostwestfalen mit einer richtigen Klatsche nach Hause schicken können. „Durch die Wechselei nach der Pause ist der Spielfluss etwas verloren gegangen. Zudem haben wir einige unserer Konter nicht genutzt“, analysierte Fegter, der selbst zwei Gegenstöße vergeben hatte. Insgesamt habe das Team vom Auftreten und Engagement her jedoch eine ansprechende Leistung geboten. „Wenn wir denn eine kleine Krise hatten, dann haben wir sie überwunden“, meinte der Mannschaftskapitän. Die Gastgeber hatten auch durch den Ausfall von Regisseur Christian Berge ihre spielerische Linie nicht verloren. Der Norweger war nach der Halbzeit wegen einer Ansatzreizung im Adduktorenbereich auf der Bank geblieben und wurde dort intensiv behandelt. Ob der 29-Jährige am Sonnabend in Hamburg wieder dabei sein kann, ist noch nicht sicher. Für Berge sprang Joachim Boldsen als Spielmacher und Torschütze in die Bresche. Sieben Tore erzielte der Däne aus dem Spiel heraus und traf zweimal vom Siebenmeterpunkt. Auch Lars Christiansen und Linkshänder Marcin Lijewski verdienten sich im Angriff gute Noten. In der 5:1-Abwehr harmonierte das Duo Dragunski-Fegter wie schon in Schutterwald hervorragend. „Sie haben ihre Aufgabe genial gelöst“, befand Rasmussen. Und was dennoch durch die Deckung kam, wurde meist eine sichere Beute von Jan Holpert.

Hans-Werner Klünner

SG Flensburg-Handewitt: Scheie, Holpert (ab 15. Minute) — Schröder, Dragunski (3), Fegter (2), Runge (1), Kunze (1), Christiansen (9/3), Klimovets (1), Stryger (2), Lijewski (4), Boldsen (9/2), Berge (2). TuS N.-Lübbecke: Lawrow, Cazal (ab 24.) — Fölser (2), Lakenmacher (3), Schwank, Hammarstrand (5), Willgerodt (4), Vanek, Bertow (2), Johnson (4/3), Radoncic (5). Schiedsrichter: Klinkermann/Lutze (Göttingen). Zeitstrafen: 4:7. — Siebenmeter: 4:8. Zuschauer: 4700.

Bei der Geburt getrennt?

 

 

 

 

 

 

 

Ist Joachim Boldsen ist zurück? Vom Traktor zum X-Factor? Gitarre statt Handball?

Die Ähnlichkeit von Joachim Boldsen und Björn Paulsen ist verblüffend. Die Karrieren aber sehr unterschiedlich. Joachim Boldsen hat viele Jahre für die SG Flensburg-Handewitt gespielt und gehörte definitiv in die Kategorie Spieler, die die Fans begeistern und  wegen denen man in die Halle kommt. Er war und ist als Handballer in vielerlei Hinsicht begnadet, wenn auch nicht in Sachen Kondition.

Gut durchgehalten hat hingegen Björn Paulsen. Der Junge aus Niebüll ist in der TV-Show “X-Factor” auf Vox im Finale und auf dem besten Weg, sich einen Plattenvertrag zu erkämpfen. Viel Erfolg dabei!