Durchsetzungsvermögen: Der Flensburger Joachim Boldsen erzielte neun Treffer. Foto: Grätsch
Flensburg Am Tag danach war alles wie immer. Die Überraschung nach der Ankündigung von Erik Veje Rasmussen, nach dem Saisonende die Trainerbank bei der SG Flensburg-Handewitt für einen Neuen freizumachen, hatte sich schnell wieder gelegt. Die Spieler des Tabellenzweiten der Handball-Bundesliga gingen gelassen und geschäftsmäßig wieder zur Tagesordnung über, schickten den Aufsteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke mit einer 25:34-Packung auf die Heimreise. „Für uns hat sich durch Eriks Entscheidung ja auch nichts geändert“, erklärte Mannschaftskapitän Jan Fegter. „Er bleibt bis zum Saisonende unser Trainer.“ Jan Holpert sieht es genauso. „Ich glaube nicht, dass es durch Erik Entschluss, uns zum Saisonende zu verlassen, einen Bruch geben wird. Wir haben weiterhin gemeinschaftliche Ziele, und die werden wir bis zum Saisonende durchziehen.“ Diese Aussage unterstrich der Nationaltorhüter drei Tage vor seinem Comeback in der DHB-Auswahl nach über zweijähriger Pause gegen Nettelstedt mit einer Klasse-Leistung. Der 34-Jährige, der am Freitag wegen einer Magen-Darm-Grippe nicht hatte trainieren können und erst am Abend von der Rasmussen-Entscheidung erfahren hatte, war in der 15. Minute für den glücklosen Frode Scheie zwischen die Pfosten gegangen und hatte innerhalb von elf Minuten mit sechs Glanzparaden die Weichen auf Sieg gestellt. Aus einem 7:8 machte die SG in dieser Zeit ein 15:10. Insgesamt wehrte Holpert an diesem Abend 26 Würfe ab und zog damit dem Aufsteiger fast im Alleingang den Nerv. „Jan hat einfach großartig gehalten“, lobte Erik Veje Rasmussen, der nach der Bekanntgabe seiner Entscheidung wesentlich entspannter und entkrampfter wirkte als in den Wochen zuvor. „Wir haben zwar 60 Minuten gekämpft, aber wir haben keine Chance gehabt“, musste TuS-Trainer Robert Hedin eingestehen. Drei Tage zuvor hatte der Neuling gegen den TBV Lemgo nach einer großen kämpferischen Leistung mit 22:28 verloren. „Ich habe bis heute gedacht, dass Lemgo stärker ist als Flensburg. Das muss ich jetzt zurücknehmen“, sagte Hedin. „Die SG spielt schneller, mit mehr Druck und macht weniger Fehler als Lemgo. Sie kann es in diesem Jahr packen.“ Doch erst am 18. Dezember kommt es zum ersten Showdown der beiden Bundesliga-Spitzenteams in der Lemgoer Lipperlandhalle. Bis dahin hat die SG noch zwei wichtige Spiele beim HSV Hamburg und gegen den TV Großwallstadt auf dem Zettel — und nach Meinung ihres Trainers weiter an der Konzentration zu arbeiten. „Denn wir kriegen es einfach nicht hin, einen Gegner richtig zu erwürgen, wenn wir bereits früh hoch führen“, meinte Erik Veje Rasmussen. In der Tat hätten die Flensburger die Ostwestfalen mit einer richtigen Klatsche nach Hause schicken können. „Durch die Wechselei nach der Pause ist der Spielfluss etwas verloren gegangen. Zudem haben wir einige unserer Konter nicht genutzt“, analysierte Fegter, der selbst zwei Gegenstöße vergeben hatte. Insgesamt habe das Team vom Auftreten und Engagement her jedoch eine ansprechende Leistung geboten. „Wenn wir denn eine kleine Krise hatten, dann haben wir sie überwunden“, meinte der Mannschaftskapitän. Die Gastgeber hatten auch durch den Ausfall von Regisseur Christian Berge ihre spielerische Linie nicht verloren. Der Norweger war nach der Halbzeit wegen einer Ansatzreizung im Adduktorenbereich auf der Bank geblieben und wurde dort intensiv behandelt. Ob der 29-Jährige am Sonnabend in Hamburg wieder dabei sein kann, ist noch nicht sicher. Für Berge sprang Joachim Boldsen als Spielmacher und Torschütze in die Bresche. Sieben Tore erzielte der Däne aus dem Spiel heraus und traf zweimal vom Siebenmeterpunkt. Auch Lars Christiansen und Linkshänder Marcin Lijewski verdienten sich im Angriff gute Noten. In der 5:1-Abwehr harmonierte das Duo Dragunski-Fegter wie schon in Schutterwald hervorragend. „Sie haben ihre Aufgabe genial gelöst“, befand Rasmussen. Und was dennoch durch die Deckung kam, wurde meist eine sichere Beute von Jan Holpert.
Hans-Werner Klünner
SG Flensburg-Handewitt: Scheie, Holpert (ab 15. Minute) — Schröder, Dragunski (3), Fegter (2), Runge (1), Kunze (1), Christiansen (9/3), Klimovets (1), Stryger (2), Lijewski (4), Boldsen (9/2), Berge (2). TuS N.-Lübbecke: Lawrow, Cazal (ab 24.) — Fölser (2), Lakenmacher (3), Schwank, Hammarstrand (5), Willgerodt (4), Vanek, Bertow (2), Johnson (4/3), Radoncic (5). Schiedsrichter: Klinkermann/Lutze (Göttingen). Zeitstrafen: 4:7. — Siebenmeter: 4:8. Zuschauer: 4700.


