SG im Winterschlaf

Lange gab es nicht mehr so viel Begeisterung um die SG Flensburg-Handewitt. Das gewonnene Derby gegen den THW Kiel war wie ein Vulkanausbruch. Fans, Spieler, Trainer, Verantwortliche, Helfer und Medien kamen mehr als nur auf ihre Kosten. So viel gäbe es zu diesem Spiel zu erzählen, aus jedem der Beteiligten würden seine ganz persönlichen Eindrücke wohl nur so heraussprudeln. Das einzige Problem: Es ist keiner mehr da.

Mannschaftsbetreuer Kay Bendixen habe ich gerade noch ans Telefon bekommen – er befindet sich allerdings auf dem Weg in den Skiurlaub. Dierk Schmäschke wird es ihm morgen nachtun. Und Ljubomir Vranjes landet in diesen Minuten in New York, wo er am Allstar-Game teilnimmt. Steffen Weinhold hat den Flug nach Baden-Baden sicher schon hinter sich und kann das Nationalmannschaftstraining in Steinbach aufnehmen. Lasse Svan und Anders Eggert reisen in diesen Stunden nach Kopenhagen, und Olafur Gustafson “muss auch irgendwann irgendwo sein”, ist sich Kay sicher. Er nimmt schließlich auch an der WM in Spanien teil. Die anderen Spieler sind entweder schon aus der Stadt oder auf dem besten Wege in die Sonne – “Gran Canaria oder irgendwo im Süden”, verrät Kay.

Mit der SG geht auch SG Inside in den Winterschlaf. Bis zum ersten Training am 14. Januar bleiben daher alle Fragen offen. Wie genau war die Taktik gegen Kiel? Wie sah die Siegesfeier aus? Wie findet die Mannschaft die Pfiffe gegen Djordjic? Wie ernst sind die Sorgen des Managers, dass sich auch im Handball ein Gewaltproblem entwickeln könnte? Wie sehen die neuen Trikots aus? Und so weiter und so weiter…

SG Inside freut sich auf jeden Fall, dass dieser Blog und unsere zusätzliche Berichterstattung in den Zeitungen des sh:z so positive Reaktionen bei den Fans und den Spielern und Verantwortlichen der SG Flensburg-Handewitt gebracht hat. Für 2013 nehem wir uns daher gerne vor, noch mehr und noch besser über die SG zu berichten.

Bis dahin wünschen wir unserer wachsenden Fan-Gemeinde einen guten Rutsch und einen erholsamen Winterschlaf!

Steffen Kahl

Schmäschke: “Gucken, was geht!”

Der Sieg in Essen hat nochmal gut getan, sagt Geschäftsführer Dierk Schmäschke dreieinhalb Stunden vor dem Spiel gegen den THW Kiel. Seine jüngsten Trainingseindrücke sind gut: “Alle, die können, haben gestern gut trainiert. Wofür es heute reicht, müsen wir gucken.” Neue Verletzte gibt es nicht, überraschende Comebacks wird es ebenfalls nicht geben.

“Frei” sei die Mannschaft aber vor dem Derby, weil sie sich außer um Verletzungen keine Sorgen machen muss. “Ich habe das Gefühl, dass das Spiel nachher eine richtig gute Sache wird, weil die Halle hundertprozentig hinter der Mannschaft stehen wird. Das ist gut, und das haben sich die Jungs auch lange hart erarbeitet.”

 

Hoffen auf ein Wunder

Die Zeit, in der die SG Flensburg-Handewitt in Heimspiele gegen den THW als Favorit oder zumindest gleichwertiger Gegner gehen konnte, sind vorbei. Vielleicht war diese Zeit auch gar nicht lang. Aber vielleicht wäre es aber auch in diesem Jahr alles ganz anders, wenn Ljubomir Vranjes mit Lars Kaufmann und Pear Djordjic die etatmäßigen Halblinken zur Verfügung stünden. Tun sie aber nicht. Und Arnor Atlason auch nicht. Und Olafur Gustafsson ist nach wie vor gehandicapt.

Genau einen Rückraumspieler, der sich ohne Verletzungen, zumindest ohne welche, die bekannt sind, herumschlägt, gibt es daher auf Seiten der SG: Thomas Mogensen. Holger Glandorf, Maik Machulla, Steffen Weinhold: alle angeschlagen.Und dazu kommen ja noch die oben genannten Ausfälle.

Auf Seite der Kieler klagen zwar Jicha und Palmarsson aktuell oder immer mal wieder über Zipperlein, aber was ist das, wenn die gesunden Zeitz, Vujin, Narcisse und Ilic noch dazukommen? Wohl Luxusprobleme.

Von daher bleibt heute nur, auf ein Wunder zu hoffen. Und darauf, dass im nächsten Derby die Angst vor einer “Klatsche” der ehrlich gefühlten Chance auf einen Sieg weicht.

In diesem Sinne: Viel Spaß heute in der Halle! Oder auch vor dem Fernseher…

Steffen Kahl

Kleine Presseschau zum Essen-Spiel

Die Vorberichte zum Spiel der SG Flensburg-Handewitt in Essen haben eine kuriose Note. In Essen meint man erkannt zu haben, dass sich die SG “vor allem in den letzten zwei Jahren zu einem Spitzenteam entwickelt”  hat. Aber waren die Jahre von 2003 bis 2005 nicht auch ganz schön erfolgreich? Und die davor? Und die danach?

Gut, der zitierte TUSEM-Trainer Christian Prokop ist jung, morgen wird ”das Christkind” 35. Und möglicherweise reichte sein Handball-Horizont noch nicht über die nordrhein-westfälischen Landesgrenzen hinaus, als die SG Meister, Pokal- und Europacupsieger wurde. Ganz zu schweigen von den beiden Championsleague-Finals 2004 und 2007 – lezteres bekanntermaßen ein Spiel, in dem der THW Kiel der SG nur ganz knapp den Schneid abkaufte.

Aber, liebe Nordhrein-Westfalen: Wer zum Henker ist Petar Djuric?

Wer in die Tiefen der westdeutschen  Vorberichterstattung eintauchen möchte, wird hier glücklich: http://www.derwesten.de/sport/handball/tusem-essen-trifft-am-sonntag-auf-flensburg-handewitt-id7418520.html und www.tusemessen.de erklärt diese Frage.

Steffen Kahl

 

Vor zehn Jahren: Essen prallt an Flensburgs Abwehr ab

Das vermeintliche Schlagerspiel der Handball-Bundesliga verlief unerwartet einseitig. Mit einem 26:18 (10:7)-Erfolg über TuSEM Essen untermauerte die SG Flensburg-Handewitt den zweiten Tabellenplatz. „Es war ganz wichtig, dass wir nach Lemgo so ein Erfolgserlebnis hatten. Ich bin doch überrascht, dass es gegen Essen so deutlich wurde. Eigentlich ist das doch eine Spitzenmannschaft“, sagte SG-Rechtsaußen Sören Stryger.

Doch nur eine Halbzeit lang hielten sich die Gäste leidlich, vornehmlich deren Torhüter Chrischa Hannawald. Nach der Pause brach der TuSEM eindrucksvoll auseinander, zermürbt von einer glänzenden Defensiv-Leistung der SG, bei der sich vor allem  Andrej Klimovets als unermüdlicher Rackerer und Torhüter Jan Holpert (18 Bälle gehalten, darunter drei Siebenmeter) auszeichneten.  „Ich hoffe, dass es nicht zu einem Fehler wird, dass Bundestrainer Heiner Brand bei der WM auf Jan  Holpert verzichtet. Er war wieder große Klasse“, kommentierte  SG-Manager Thorsten Storm.

Vor allem in der ersten Hälfte hielt Holpert seinem Angriff den Rücken frei. Die Schwächen im Abschluss ließen nur deshalb keine ernsten Sorgen aufkommen, weil es den Essenern in dieser Hinsicht noch viel schlechter ging. Die Stars Oleg Velyky und Patrick Cazal probierten es gar nicht erst und überließen es den Mitspielern, an SG-Block und Holpert zu verzweifeln. Trotz Essens enttäuschendem Auftritt wollten sich die SG-Spieler jedoch nicht ihren eigenen Anteil am Kantersieg nehmen lassen. „Die  haben den Mut verloren, aber das war unser Verdienst. Essens Schwäche entstand aus unserer Stärke“, sagte Stryger.

Nach der Pause lief es dann auch im Angriff: Binnen neun Minuten war die Sache entschieden, nach dem 16:8 (39.) konnte sich SG-Trainer Erik Veje Rasmussen entspannt zurücklehnen. „Hut ab, wie Erik die Mannschaft nach der Niederlage in Lemgo wieder in Gang bekommen hat“, lobte  Storm seinen Leitenden Angestellten. Über die Feiertage ist weiterhin  Fithalten angesagt, schließlich wollen sich die Flensburger den Jahresabschluss nicht verderben: „Das Auswärtsspiel am Sonnabend in Wetzlar müssen wir noch überstehen, dann hätten wir mit sechs Minuspunkten aus 18 Spielen ein sehr ordentliches Ergebnis abgeliefert“, sagte Rasmussen.

Jan Wrege

SG Flensburg-Handewitt: Holpert, Scheie (n.e.) — Schröder, Dragunski, Fegter, Runge, Kunze, Christiansen (7/3), Klimovets (2), Stryger (5/3), Jeppesen (4), Lijewski (5), Boldsen (2), Berge (1). TuSEM Essen: Hannawald, Larsson — Velyky (2/1), Roggisch, Johannesson (1), Schmetz (7/3), Lauritzen (2), Sigurdsson, Torgowanow (2), Haaß, Cazal (1), Szilagyi (3), Krebietke. Schiedsrichter: Lemme/Ullrich (Magdeburg). Zeitstrafen: 4:6. — Siebenmeter: 7:7. Zuschauer: 6000 (ausverkauft).

Volle Konzentration

Michael Knudsen ballt die Faust, schlägt sich mit Tobias Karlsson ab. Ein Angriff von Team “Grüne Leibchen” haben sie erfolgreich abgewehrt. Der neue, alte Deckungsblock ist im Abschlusstraining vor dem morgigen Spiel in Essen konzentriert bei der Arbeit und funktioniert wie geschmiert. Später haben vor allem Lasse Svan mit starken Würfen und fast perfekter Trefferquote und Maik Machulla mit einem No-Look-Pass an den Kreis Aktionen zum Mit-der-Zunge-schnalzen.

Es scheint keine Frage zu sein, das vermeintlich leichte Spiel beim Tabellenschlusslicht TUSEM Essen wird von der SG Flensburg-Handewitt hoch konzentriert angegangen. Sorgen darum, dass das „Weihnachts-Essen“ anbrennt, muss sich niemand machen.

Und am Schluss wird es doch noch kurz lustig: Zehn  Fahrradmäntel liegen so in zwei Bahnen, dass die Spieler mit schnellen Bewegungen auf den Fußballen durch sie durchrennen sollen. Danach noch ein kurzer Antritt zur Mittellinie. Der erste Durchgang läuft so gut, dass Ljubomir Vranjes fast die Worte fehlen: „Jungs, super. Sonst rennt ihr immer alles über den Haufen und ich darf es wieder aufbauen.“

Aber dann: Erst „reißt“ Maik Machulla zur Freude von Jakob Heinl, der das vorhergesagt hatte. Dann setzt sich Machulla vor dem nächsten Durchgang selbst unter Druck, so nach dem Motto: „Wenn das jetzt nicht klappt, flieg ich aus dem Kader …“ Was passiert? Klar, zehn Sekunden später hängen die Fahrradmäntel an seinen Beinen, wie die Kugeln am Weihnachtsbaum. Und Maik hat eine Vorwärtsrolle und mehrere Drehungen auf dem Hallenboden um die eigene Längsachse hinter sich. Das Gelächter ist groß – und von einer erneuten Verletzung gottseidank bisher nichts bekannt.

Florian von Gruchalla hat übrigens auch nicht mehr als die anderen Spieler von dem Trip nach Essen. Obwohl sein Heimatort nur rund 40 Kilometer von Essen entfernt liegt. Florian: „Das Spiel hat für mich nur den Vorteil, dass meine Eltern, Freundin und Freunde zugucken können. Und wir können Geschenke austauschen. Aber dann fahre ich ganz normal mit den anderen zurück nach Flensburg. Am ersten Weihnachtsfeiertag ist ja Training.“

 Steffen Kahl

 

 

 

 

Auf der Suche nach Perfektion

„Ich rede nicht gerne über mich“, sagt Mattias Andersson. Deshalb ist der  zu Saisonbeginn auszufüllende Fragebogen zur Vorstellung der SG-Spieler für die Nummer eins im Tor der SG Flensburg-Handewitt  ein Graus.

Doch auch ohne Worte wird deutlich, was für ein ehrgeiziger Kämpfer und außergewöhnlicher Mensch im Tor die Knochen für sein Team hinhält. Dutzende   hammerharte Würfe  schnellen bei jedem Spiel auf sein Tor. Jeder Ball, der gegen  Anderssons Hände schmettert,  wird in der Halle bejubelt.  Tun diese Würfe nicht weh? „Verdammt weh, jeder Finger schmerzt, noch lange nach dem Spiel, besonders wenn es so wenig Zeit zur Regeneration gibt wie derzeit“, sagt  Andersson. Doch der 34-jährige Schwede hatte keine Wahl,  schon  Vater Thomas stand im Tor – für die schwedische Nationalmannschaft wie auch der Sohn. Eine herausfordernde Position, die  besonders  tief ins Privatleben greift. Intensiver als jeder Feldspieler studiert der  Keeper die Gegner, besonders ihre Schützen.  Andersson lässt sich für jedes Spiel eigene Videos  zusammen schneiden, auch von den Teams, die er   blind kennt. „Ich will mich immer bestmöglich vorbereiten, das erwarte ich von mir“, sagt der  Schwede, der nie ganz zufrieden mit sich ist. Das bedeutet viele Stunden Heimarbeit – zu Lasten von Ehefrau Anna und den Kindern Elis und Livia. „Für die Zuschauer ist es toll, dass es auch zu Weihnachten so viel Handball gibt. Für meine Familie tut es mir  leid“, sagt Andersson mit Blick auf die Spiele am 23. Dezember in Essen und am 26. Dezember gegen Kiel.  Obwohl Anna den Bungalow  in Handewitt  mit großen weißen Sternen und anderen Advents-Accessoires  geschmückt hat, hat  ihr Gatte  nicht wirklich bemerkt, dass Weihnachtszeit ist. Bei zwei Spielen pro Woche gilt die volle Konzentration dem Handball. „Irgendwann ist aber auch dieser Dezember vorbei“, sagt der passionierte Kaffeetrinker, der von sich selbst sagt, dass er    noch zu oft  zu viel nachdenkt. Doch die Fokussierung auf das Wesentliche gelingt einem der derzeit besten Keeper der Liga immer besser – dank seines schwedischen Mental-Trainers, mit dem er sich mehrmals pro Jahr  trifft und jede Woche telefoniert. „Sich ganz  auf eine Sache einlassen zu können, kann auch  privat ein entscheidender Vorteil sein“, hat der SG-Profi festgestellt, der selbst bei der besten Abstimmung mit der Abwehr ein Einzelkämpfer bleibt. „Schlimm finde ich,  dass ein  Torwart nicht zeigen kann, dass er  sich zurück ins Spiel kämpfen will.“ Der private Andersson ist kein Einzelkämpfer, sondern  ein auffallend sozialer, hilfsbereiter Typ, der ganz selbstverständlich sogar sein Auto verleiht. „Das, was mir selbst gut tut, gebe ich  gerne zurück“, sagt der  Schwede, der es vorzieht, wichtige Dinge direkt anzusprechen.  Familie steht in der Freizeit an erster Stelle. Doch Andersson  schätzt auch das Alleinsein, wie an einem Champions-League-Wochenende, an dem seine Familie zu den Großeltern nach Stockholm gereist ist. „Dann kann ich mich ganz auf meinen Job konzentrieren und  auch mal kurz total  entspannen.“ Oder seine Leidenschaft für Manchester United pflegen – dem Fußballclub, für den Andersson seit  vielen Jahren schwärmt, besonders für  Ryan Giggs, der mit  den Red Devils zwölf englische Meisterschaften gewann. Schon als kleiner Junge saß Andersson in Malmö  sonnabends gebannt vor dem Fernseher, wenn die Manchester-Spiele  übertragen wurden. Weihnachten beschert  Andersson ein besonderes Spiel, denn  sieben Jahre stand er selbst im Tor des THW Kiel. „Jedes Spiel ist wichtig. Doch zwischen Kiel und Flensburg – das ist schon eine außergewöhnliche Rivalität, die jeder Spieler spürt.“ Auch in Spanien, bei den Königlichen vom FC Barcelona, hat der Nationalkeeper  gespielt. „Das Klima dort war sehr  angenehm“, schwärmt Andersson, der keine Probleme hat, sich in einem neuen Land zurecht zu finden. Denn: „Sprachen haben mir schon immer gelegen.“  Doch über seine weiteren Stärken und Schwächen sollen andere urteilen, sagt der Mann, der nicht gerne über sich  spricht.

Anja Werner

Trainingseindrücke

Es geht voran mit den Verletzten, hier: Olafur Gustafsson.

Die Spieler im Kreis, der Trainer in der Mitte, Mannschaftseinteilung fürs Aufwärmspiel Basketball. “Ich probier’s heute”, meldet sich Maik Machulla in das Mannschaftstraining zurück. Ljubomir Vranjes greift den Scherz auf, geht die Rund durch: “Probiert’s, probiert’s, probiert’s, probiert’s, probiert’s …” – es sind halt fast alle Spieler angeschlagen. Aber bis auf Petar Djordjic und Arnor Atlason trainieren alle zusammen.

Lars Kaufmann noch sehr dosiert und vorsichtig. Und Olafur Gustaffson hat zwischendurch ein längeres “Stelldichein” bei Krankengymnastin Jana, um auf einem speziellen Gerät  seinen Muskeln, Bändern und Nerven im lädierten Fußgelenk Gutes zu tun. Er muss dabei die Bewegungen der Platte, auf der er steht ausgleichen und kommt bei diesem Balancieren ganz schön in Wallungen. “PropriozeptivesTraining ist das”, erklärt Physiotherapeutin Jana. Das ist gut für die Heilung des gerissenen Außenbandes im Fußgelenk und für die Vermeidung ähnlicher Verletzungen an gleicher Stelle. “Oli” hat übrigens schon ganz gut Deutsch gelernt, antwortet schon in einem Sprachmix: “I feel good in Flensburg, nur dass ich habe … Verletzung!” Weiter so!

Krafttraining heißt es ansonsten für die Jungs. Große und kleine Medizinbälle sind im Einsatz, Kästen, Springseile, Hantelstangen, Gewichte und Bleiwesten. Tobias Karlsson ist Zaungast, konzentriert sich darauf, sich mit Kaffee und die Anderen mit lauter Charts-Musik zu versorgen. Mit Musik geht halt alles besser, auch Krafttraining.

Besonders unter die Lupe genommen werden heute übrigens Lasse Svan und Anders Eggert. Extra wegen ihnen ist das dänische Fernsehen angereist. Für ein Porträt der WM-Reisenden. Das, erzählen die Kollegen, läuft auf TV2. Entweder heute um sechs oder zehn Uhr abends oder morgen um sechs.  

Steffen Kahl

Weinhold: “WM ist besser als Skifahren!”

In Gedanken ist Steffen Weinhold noch voll und ganz in Flensburg. “Die Nominierung für die WM habe ich mitbekommen, aber mehr auch noch nicht”, sagt der einzige deutsche Teilnehmer von der SG Flensburg-Handewitt bei der Weltmeisterschaft im Januar in Spanien am Telefon. Nur die Spiele in Essen und gegen Kiel zählen im Moment.  Aber er ergänzt: “Es ist natürlich schön, bei der WM dabei zu sein!”

Völlig ohne Überraschung ist die Nominierung in der Form nicht. Erklärung: Zusammen mit Adrian Pfahl bildet Weinhold den rechten Rückraum, Michael Haaß und Martin Strobel sind die Mittelmänner. Stefan Kneer, Steffen Fäth und Sven-Sören Christophersen den linken Rückraum. Der starke Michael Müller, ebenfalls Halbrechter, ist nicht nominiert.

Steffen Weinhold: “Das ist schade für Michi, er hätte der Mannschaft sicherlich gut getan. Wenn wir alle drei aus dem rechten Rückraum dabei gewesen wären, hätte ich auch auf Mitte spielen können und einer der Mittelmänner auf Halblinks aushelfen können. Aber dadurch, dass sowohl Stefan Kneer als auch Sven-Sören Christophersen angeschlagen sind, hat sich der Bundestrainer vermutlich für einen dritten Halblinken entschieden. Warum er mich Michael Müller vorzieht, weiß ich nicht genau. Aber vielleicht sind wir als Duo insgesamt vielseitiger als das Duo Pfahl/Müller.”

Noch drei Fragen: Wäre er im Winter nicht lieber Ski gefahren? Was sagt die Nase? Und: Als Spieler der SG Flensburg-Handewitt einfach so bei einer WM teilnehmen – das geht wirklich? “Ich fahre gerne Ski, ich wäre auch gerne in diesem Winer Ski gefahren, aber ich habe mir die Zeit nicht umsonst freigehalten. Eine Handball-Weltmeisterschaft ist noch besser als Skiurlaub! Und was die Nase angeht: Gestern hatte ich Glück, zwei drei Wochen muss ich meine Nase noch aus dem Gröbsten raushalten, sonst ist das Thema WM auch schnell wieder erledigt. Ich kann ansonsten das, was Dierk Schmäschke gesagt hat, nur bestätigen: Es gibt hier in Flensburg keinen Druck, nicht an internationalen Großturnieren teilzunehmen. Und was Holger angeht: Mit seiner Absage geht der Mannschaft Qualität verloren. Aber ich habe absoluten Respekt vor seiner Entscheidung!”

Das deutsche 17er-Aufgebot für die WM-Vorbereitung:

Tor: Martin Ziemer (TSV Hannover-Burgdorf, 10 / -), Silvio Heinevetter (Füchse Berlin, 81 / -), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo, 155 / 1) Rückraum Mitte: Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen, 95 / 145), Martin Strobel (TBV Lemgo, 66 / 80) Rückraum links: Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin, 80 / 135), Stefan Kneer (SC Magdeburg, 25 / 39), Steffen Fäth (HSG Wetzlar, 2 / 2) Rückraum rechts: Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt, 31 / 53), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach, 42 / 118) Linksaußen: Dominik Klein (THW Kiel, 153 / 289), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar, – / -) Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen, 38 / 80), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar, 6 / 20) Kreis: Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen, 180 / 35), Patrick Wiencek (THW Kiel, 27 / 41), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten, 41 / 85)

Beim Lehrgang in Steinbach wird auch der 23-jährige Balinger Linkshänder Kai Häfner teilnehmen, um mittelfristig weiter an die A-Mannschaft heranzurücken.

Quelle: dhb.de

Steffen Kahl

 

Nachlese: Nettelstedt, WM-Absage, Pokalauslosung

Da waren einige Aussagen dabei, die richtig saßen. Im Sport1-Interview vor der Übertragung der Partie Tus Nettellstedt-Lübbecke gegen die SG Flensburg-Handewitt. Er habe schließlich nicht nur einen Knochenbruch, sondern Probleme mit dem Herzen, verteidigte Holger Glandorf seine Absage an Bundestrainer Martin Heuberger für die WM-Absage.

Geschäftsführer Dierk Schmäschke stellte klar, dass sich die SG – entgegen der nur teilweise zurückgenommenen, öffentlich verbreiteten Einschätzung des Fernseh-Experten Stefan Kretschmar – nicht grundsätzlich gegen Einsätze ihrer Spieler für Nationalteams wehre. Eggert, Svan-Hansen, Gustaffson, Weinhold werden die WM schließlich spielen. Nominierungen vorausgesetzt. Das grundsätzliche Problem sei, dass die Fülle an Pflichtspielen für Spieler, die Bundesliga, Pokal, Champions League und Nationalmannschaft spielen, ungesunde Ausmaße habe.

Stefan Kretschmar mochte zwar – auch während der Kommentierung des Spiels - nicht ganz aufhören zu stänkern, pflichtete Dierk Schmäschke aber bei. Und dann ging er einen interessanten Schritt weiter: Wenn alles Reden nichts nutze, müssten die Bundesliga und der DHB eben mal eine Saison alle internationalen Wettbewerbe boykottieren. Solidarität war für Kretschmar das Stichwort, die hätten so gewaltige Einflussmöglichkeiten.

Heute sagte Dierk Schmäschke dazu: “Die Idee eines Boykotts kommentiere ich nicht. Aber ich denke, dass es höchste Zeit ist, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Vereine, Bundesliga, EHF, IHF. Die Termine müssen reduziert werden. Das heißt, die großen internationalen Wettbewerbe Europameisterschaft und Weltmeisterschaft, aber auch vielleicht auch die Bundesliga. Wir spielen in Deutschland mehr Spiele als andere Ligen.”

Wichtig war ihm, noch ein Mal klarzustellen, dass der öffentliche Vorwurf, die SG verbietet Spielern für ihre Nationalmannschaften zu spielen, nicht stimmt. “Das haben wir ncoh nie gemacht. Die Spieler - auch Michael Knudsen und Thomas Mogensen – entscheiden selbst, ob sie diese Einsätze auf sich nehmen.” Ansonsten, so Schmäschke, sei zu dem Thema WM-Absagen mittlerweile alles gesagt.

Das Pokal-Los findet er positiv: “Gegen die Rhein-Neckar-Löwen wird es schwer. Aber ich denke, wir haben dann eine volle Halle – und die werden wir auch brauchen, die Unterstützung von den Fans.” Auch einen Tag nach dem Spiel im Münsterland ist der Geschäftsführer von der Leistung der Mannschaft begeistert: “Das ist nach wie vor großartig, wie die Mannschaft sich durch die schwierige Zeit durchkämpft. Eine glatte Eins!”

Steffen Kahl