Besuch vom Handballgott

“Johnny”, “Johnny”, “Johnny” – alle kennen ihn noch, alle lieben ihn und ganz viele wollten ihm ganz nahe sein beim Heimspiel der SG Flensburg-Handewitt gegen den TV Neuhausen am Mittwoch. “Wie geht’s dir?”, “Was treibt dich hierher?” waren die ersten Fragen, dazu kamen diverse Schulterklopfer, Fotos von und mit Fans und immer wieder war ein Wort zu hören: “Handballgott”.

Johnny, wie geht es dir? Mir geht es sehr gut. Ich bin glücklich in Norwegen. Und ich hatte eine Knie-Operation, bei der vorher nicht klar war, ob das Knie wieder gut funktionieren wird, aber es ist alles gut geworden!

Sehr schön! Spielst Du denn noch Handball? Ja, ich lebe und spiele in Nøtterøy. Wir spielen in der ersten Liga.

Also alles gut? Ja, es gut für die Familie, das wir wieder in Norwegen sind. Besonders für meine Kinder. Meine Frau und ich vermissen Flensburg schon.

Wie kommt es, dass ihr heute zu Besuch seid? Das hat lange nicht geklappt. Ich bin vor drei Jahren aufgehört, für Flensburg Handball zu spielen und vor zweieinhalb Jahren war ich das letzte Mal da. Jetzt war einfach mal wieder genug Zeit für einen Besuch – wir spielen ja auch viel!

Wie sieht so ein Besuch aus, Du hast ja mit einigen Spielern aus der Mannschaft noch zusammen gespielt? Ja, ich habe so mit fünf oder sechs zusammen gespielt. Und heute habe ich zum Beispiel an aller Stelle ein bisschen trainiert, im Fördefitness. Und ich war Kaffeetrinken mit Ljubomir. Und jetzt bin ich hier und bleibe ja auch noch ein bisschen. Meine Frau wird noch ein bisschen Shoppen, da wird keinem langweilig.

Und was sagst Du zum Spiel? Naja, das ist nicht der Grund, warum ich hierher gekommen bin… Aber mein Tipp hat nicht funktioniert, ich habe höher getippt.

Dann ist unser Gespräch auch schon vorbei. Die Begeisterung für einen der großen Stars aus den besten Zeiten der SG aber noch lange nicht. Weit nach Spielschluss geht Johnny hinter der Nordtribüne entlang in Richtung Club 100 Lounge. Auf der ansonsten leeren Haupttribüne sitzen ein paar Dutzend in SG Farben gekleideter Fans. Klar, welchen Gesang sie anstimmen: “Johnny Jensen – Handballgott!”

 

 

Man of the match: Olafur Gustafsson

Es ist wieder sünde für Holger Glandorf. Er hat gestern gegen den TV Neuhausen ein Bomben-Spiel gemacht. Elf Tore gelangen ihm mit einer von Anfang an hoch engagierten Vorstellung. Das ist aller Ehren wert.

Aber gestern konnte man einfach nicht übersehen, das die fast 5000 Zuschauer auf den Auftritt von Neuverpflichtung Olafur Gustafsson ganz besonders neugierig waren. Gezeigt hat sich das besonders bei Olafurs erstem von zwei Toren zum 24:16: Da stand die Halle komplett auf und klatschte und schrie seinen Namen. Stehende Ovationen, die so viel sagten wie “Klasse Tor, super, dass Du da bist, schön, dass Du uns hilfst, die schwierige Situation mit den ganzen Verletzten zu meistern. Und: Willkommen in Flensburg!”

In der Pressekonferenz nach dem Spiel schwärmte Ljubomir Vranjes geradezu von Gustafssons Leistung: Das war doch super, wenn man bedenkt, dass er erst ein paar Tage in der Stadt ist, noch kein Deutsch spricht und effektiv nur eine Stunde zusammen mit uns Handball trainiert hat. Man hat gesehen, dass er uns helfen kann!”

Deswegen – sorry Holger - war Olafur gestern mein man of the match.

 

Was wird aus Petar Djordjic?

Böse, böse Hamburger! Größere Stadt, größere Halle und größerer Geldbeutel. Kann man die Spieler noch zählen, die es von der Förde an die Elbe, vom Holm zur Schanze, von der SG Flensburg-Handewitt zum HSV Hamburg zog? Stefan Schröder, Dan Beutler, Marcin Lijewski, Blazenko Lackovic, Oscar Carlen – schon heute ist es fasst  eine komplette Weltklassemannschaft, die man allein mit diesen Transfers aufstellen könnte. Die große Frage ist: Wird Petar Djordjic der nächste sein?

Die Fakten: Der Vertrag zwischen der SG Flensburg-Handewitt und Petar Djordjic endet im Sommer. Fakt ist auch das Interesse des HSV. Und: Der Draht von Petar und seinem Vater zum HSV ist gut. Offene Geheimnisse im Zusammenhang mit der Personalie Djordjic sind: Es gibt mehrere weitere interessierte Vereine. Die SG will Petar aber halten. Und der Verein würde sich finanziell sicherlich auch sehr strecken, um das möglich zu machen. Aber leider zeigt die Vergangenheit, dass das schon häufig nicht reichte.

Was könnte noch für einen Verbleib bei der SG sprechen? Vielleicht findet Petar die Vorstellung gut, sich in Flensburg noch eins, zwei Jahre in Ruhe weiter zu entwickeln. Ohne den Rummel am Medienstandort Hamburg. Auch Trainer Lubomir Vranjes könnte für die SG sprechen. Seine Arbeit wird von allen Experten und Spielern hoch geschätzt – kann Martin Schwalb da mithalten?

Manager Dierk Schmäschke sagte heute übrigens nur so viel: “Die Gespräche laufen, und solange sage ich nichts.”

Steffen Kahl

 

 

„Ich weiß nicht, ob ich das schaffe“

Ich bin mit Morten Dibbert verabredet. In der Geschäftsstelle der SG Flensburg-Handewitt. Um 12 Uhr mittags. Und, ich sag mal so: Ich bin pünktlich. Deswegen sehe ich Morten dann auch irgendwann von oben durchs Fenster über die Straße rennen. Eine Minute später sitzen wir im Konferenzraum. Es kann losgehen.

Na Morten, war das ne lange Nacht?  

Oh, ja. Wir haben ja gestern in Gummersbach gespielt, und ich war erst um halb sechs im Bett.

So spät? Wie kommt das denn?

Na, wir sind noch recht lange dort gewesen. Viktor Szilagy hat uns besucht, da haben wir dann noch geschnackt.

Und, wie geht es Viktor?

Ganz gut! Sportlich läuft es bei seinem neuen Verein ja. Der Bergische HC ist auf dem ersten Platz in der zweiten Liga. Und Viktor sagt, dass er es ganz schön findet, dass er jetzt nicht mehr ganz so viele Spiele hat.

Okay, Viktor genießt also seinen Vorruhestand. Du freust dich über was ganz anderes, stimmt’s? Das war gestern dein erster Bundesligatreffer?

Ja, genau!

Und, jetzt bist Du fällig?

Genau. Ich muss ne Kiste Bier ausgeben.

Gab es die nicht gleich auf der Fahrt?

Nee, da krieg ich noch ein Zeichen von unserem Bierwart, wann das sein soll.

Wer ist euer Bierwart?

Das ist Maik Machulla.

Hast Du auch ein Amt?

Ja, ich bin DVD-Wart. Ich leih vor jeder Fahrt zehn DVDs aus und die können wir dann im Bus gucken.

Wie läuft denn so eine Fahrt? Was machst Du so? Und die anderen?

Also, ich sitz eigentlich immer mit Malte Voigt zusammen. Wir teilen uns auch die Hotelzimmer. Naja, wir schnacken halt, viele haben Laptops dabei, gucken dann DVDs, die gehen dann Reih’ rum, manche spielen Playstation, vor allem Fußball wird gezockt.

Und wer sind die Cracks?

Das weiß ich gar nicht. Ich spiel da nicht mit Bei mir is das mal so, mal so. Ich schlaf auch ganz gerne auf der Fahrt, aber es gibt nichts, was ich immer mache.

Wie is denn die Situation für dich im Moment? Ich meine, Du bist grad 21 geworden, bist seit ein paar Monaten Handballprofi, bist Rendsburger, kommst also aus der Region und ein Blick in unser Zeitungsarchiv zeigt, dass Du sowohl in deinen Jugendmannschaften von der HSG Schülp/Westerrönfeld, als auch in der zweiten Mannschaft der SG immer Führungsspieler warst. In Spielen um Nordostdeutsche Jugendmeisterschaften hast Du bis zu 21 Tore geworfen. Wie ist es, vom Leistungsträger zum Wasserträger zu werden?

Ha! Naja, das kann man vielleicht so sagen! Aber das stimmt, ich hatte in der Jugend diese Rolle und ich habe sie mir auch bei der Zweiten wieder erarbeitet. Aber ich hab auch überhaupt kein Problem damit, dass ich mich jetzt hinten einsortieren muss. Die SG Flensburg-Handewitt ist ja nicht irgendein Verein, sondern einer der besten Europas.

Und wie ist es, viel zu trainieren, aber fast gar nicht zu spielen?

Das ist eigentlich ganz lustig, weil ich weniger trainiere, als im letzten Jahr. Da habe ich bis zu dreimal am Tag trainiert, weil ich bei der Ersten und bei der Zweiten trainiert habe. Das ging auch nur ein halbes Jahr gut, dann hab ich gemerkt, dass das zu anstrengend wurde. Jetzt sind es maximal zwei Trainingseinheiten am Tag, je nachdem, wie wir spielen. Und ich darf ja spielen. Ich halte mich in jedem Spiel bereit. Man kann ja auch einen Spielverlauf einschätzen. Gummersbach zum Beispiel hat sich am Schluss ja kaum noch gewehrt, das Spiel war entscheiden. Das sind die Momente, wo ich weiß, dass Ljubomir Vranjes mir ein Zeichen geben kann, und dann hab ich noch eins, zwei Angriffe zum Vorbereiten und dann geht es los.

Du glaubst also, dass dich nicht das gleiche Schicksal ereilt wie Lars Bastian? Der Rechtsaußen gehörte im vergangenen Jahr ja auch in den Profikader, spielte aber  so gut wie gar nicht. Jetzt spielt er in der zweiten Liga bei Henstedt-Ulzburg.

Schwierig. Ich weiß nicht genau, wie das mit Lars war. Aber wenn ich das richtig mitbekommen habe, hatte Lars gesundheitliche Probleme, mit der Leiste. Er konnte sich deswegen nie richtig anbieten. Und dann ist der Profisport gnadenlos. Man sieht, dass es nur um Leistung geht, wie in einem Unternehmen.

Und Du hast keine gesundheitlichen Probleme?

Nein, bis jetzt nicht.  Und ich versuche mich zu präsentieren. Wofür das dann am Ende reicht, weiß ich nicht.

Wie wär’s mit einem Kreisläufer-Duo Heinl/Dibbert bei der SG, wenn Knudsen sich verabschiedet?

Ich hätte nichts dagegen! Aber vielleicht wird es für mich auch noch ein ganz anderer Verein – wir werden es sehen!

Wieso bist Du denn eigentlich inzwischen Kreisläufer, Du warst ja immer Rückraumspieler.

Das war erstmal Zufall. Letztes Jahr in der Vorbereitung musste ich da mal einspringen, und habe das wohl ganz ordentlich gemacht. Aber Ljubomir Vranjes hat mir auch gesagt, dass es für ganz oben im Rückraum einfach nicht reichen wird.

Woran liegt es?

Dafür bin ich leider einen Tick zu unbeweglich. Zu langsam auf den ersten ein, zwei Schritten.

Und am Kreis, wie läuft es da? Was musst Du noch lernen?

Tobias Karlsson spricht viel mit mir. Zum Beispiel wie man in der Abwehr am besten um den Kreisläufer rumkommt, um Anspiele zu verhindern. Im Angriff bekomme ich immer gesagt, dass ich mir mehr Zeit lassen soll, wenn ich den Ball habe. Nicht sofort abschließen, sondern hoch springen, den Ball lange halten und den Torwart ausgucken. Das ist auch schon besser geworden.

Und, machst  Du eigentlich noch eine Ausbildung oder bist Du jetzt nur noch Handballprofi?

Ich bin Student. Hier in Flensburg. Ich studiere Maschinenbau. Allerdings funktioniert das mit unseren Trainingszeiten gerade nicht, deswegen liegt das so ein bisschen auf Eis.

Und was ist sonst so bei dir los? Hobbies, Freundin…?

Ich treffe mich natürlich gerne mit Freunden und ich hab auch eine Freundin. Sie heißt Swantje. Wir sind seit vier Monaten  zusammen. Kennen gelernt haben wir uns in Sankt-Peter-Ording als Besucher der Kitesurf-Trophy. Kiten ist zum Beispiel eine Sache, die ich gerne ausprobieren würde. Aber bis jetzt hatte ich nicht die Zeit dazu. Es würde sich nicht lohnen, eine Ausrüstung anzuschaffen. Im Sommer bin ich ansonsten gerne am Strand, vor allem in Flensburg und Eckernförde, aber manchmal auch auf Sylt. Im Moment nutze ich freie Zeit auch gerne für zusätzliches Krafttraining. Ich will noch ein paar Kilo zulegen.

Du bist 1,95 Meter groß – welches Kampfgewicht schwebt dir vor?

100 Kilo. Oder 101.

 Steffen Kahl

Der Kreisläufer und das Meer

Flensburg Er gehört zu Flensburg wie der Strand zum Meer. „Ein Leben ohne Wasser kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Jacob Heinl. Schon deshalb ist die SG seit Mitte der 90er Jahre die erste Wahl des Kreisläufers.  So lange trägt der 26-Jährige schon ein   Flensburg-Handewitter Trikot. Ein waschechter Flensburger ist der 1,93 Meter große Profi allerdings nicht, die ersten knapp zwei Jahre seines Lebens fanden in Hamburg statt. „Daran habe ich aber keine Erinnerung. Flensburg ist  meine Stadt,  ich genieße die Lebensqualität in der kleinen, schönen City und an den Stränden.“ Wie in Solitüde, wo der Wasserfan gerne in die Förde abtaucht. „Ist die Luft warm, kann das Wasser ruhig auch kälter sein“, sagt Heinl, der in diesem Sommer aber   mehr  Strandtage in wärmeren Gefilden  genossen hat – in Spanien und auf Bali. Am Wasser tankt der Profi Kraft für einen Job, der für einen jungen Menschen auch Verzicht bedeutet. „Klar kann ich mit meinen Freunden nur  sehr selten am Wochenende abends ausgehen. Dafür habe ich einen Job, den ich liebe, den nur ganz wenige ausüben können“, sagt Heinl, der mitten in der Stadt, im beschaulichen Johannisviertel wohnt. Die Berufswahl Handballer war nicht unumstritten. „Meine Familie hat mit Handball fast gar nichts zu tun. Da machen sich Eltern schon Gedanken, ob das der richtige Job für ihr Kind ist“, sagt Heinl. Die Antwort lautete am Ende: Ja. Danach ging es rasant nach oben. 2007 trainierte Heinl   die ersten Male mit den SG-Profis. In der folgenden Saison rückte er mit in den Kader. „Puh, und dann verletzten sich plötzlich Johnny Jensen und Michael Knudsen“, erinnert sich Heinl. Nachdem die  beiden Stamm-Kreisläufer ausgefallen waren, schaute die ganze Halle auf den jungen Jacob. „Das war schon ein spürbarer Druck, doch  über solche Einflüsse darf man nicht zu viel nachdenken“, sagt  der Flensburger – so ruhig und ausgeglichen, wie er auch auf dem Spielfeld wirkt. Leidenschaftliche Gesten, Lamentieren mit den Schiedsrichtern – das ist nicht das Ding des im Zeichen der ausgleichenden Waage Geborenen.  „Natürlich brodelt es auch in mir oft heftig, aber ich bin nicht der Typ, der das auslebt“, sagt Heinl. Der SG-Profi hatte auch die Ruhe weg, als er  von heute auf morgen im Team der  Nationalmannschaft landete – und  spielte.  Plötzlich wurde er  nach Autogrammen gefragt. „Zuerst konnte ich nicht fassen, dass die wirklich mich meinen.“ Heinl zählt zu den  wenigen Ledigen im SG-Team der Familienväter und Verheirateten.  Noch kein Gedanke daran, sich  fester zu binden? „Ich habe nicht mal eine Freundin, da macht es wenig Sinn ans Heiraten zu denken“, sagt Jacob Heinl – zwar so cool wie gewohnt, aber doch ein wenig unruhiger auf dem Sessel  hin und her rückend.  Keine Freundin? Kaum zu fassen bei der großen weibliche Fan-Schar  des gut aussehenden, sympathischen  Hundert-Kilo-Athleten.     Doch die leichte Unruhe weicht auch bei dieser privaten Frage schnell wieder der gewohnten Gelassenheit. „Ich bin sehr glücklich mit meinem derzeitigen Leben. Wenn die Frau meines Lebens vor mir steht, werde ich das schon mitbekommen“, ist sich der 26-Jährige sicher. Basis dieses Glücks sind  gute Freunde  und  die Familie. Mit seinen lange getrennt lebenden Eltern versteht sich Heinl super. Dazu kommt noch die vier Jahre ältere Schwester, die weit weg von Flensburg ihr Leben aufgebaut hat. Doch spätestens Weihnachten gibt es ein Wiedersehen. Heinl ist ein Sommer- und Strandfan, er mag aber auch den Winter, Schnee, frostige Sonnentage und  Weihnachten. „Mit den Geschenken bin ich aber immer verdammt spät dran“, gesteht der Kreisläufer. Wollte er nie mal an einem anderen Ort als Flensburg leben? „Nach Schule und Zivildienst sollte es ein Jahr nach Australien gehen – doch dann kam der Handball dazwischen“, sagt Jacob Heinl, ganz gelassen.

Anja Werner

Man of the match: Thomas Mogensen

Okay, Glandorf war stark, sehr stark in der Championsleague-Partie der SG Flensburg-Handewitt gegen den HSV Hamburg. Er war mit sieben Toren der beste Torschütze, machte drei wichtige Tore in der Schlussphase und nach jedem seiner Treffer schossen Torjubel, Kampfgeist und Entschlossenheit aus ihm heraus, wie die heiße Lava aus einem ausbrechenden Vulkan.

Und Lasse Svan Hansen hatte auch einen Sahne-Tag, keine Frage. Fünf blitzsaubere Treffer. Kaum Fehler, wenn überhaupt einer. Dennoch hat mich Thomas Mogensen gestern ganz besonders beeindruckt. Und zwar wegen mehrerer Spielszenen:

Die erste lag in Halbzeit eins. Thomas kann sich nach einem schnellen Angriff der SG direkt vom Kreis abschließen. Eine Situation, in der ich schon vor dem Wurf meine zu wissen, wohin er werfen wird. Lange Ecke und halbhoch. Die Bestätigung: Auch Dan Beutler hat diese Ahnung, macht diesen Bereich des Tores mit Fuß, Bein, Arm und allem was er hat, komplett zu, hält den Ball.

Zweite Szene: Auswechslung von Thomas. Mitte der zweiten Halbzeit. Die SG hat gerade einen Vier-Tore-Vorsprung verspielt. Auch weil Thomas mehrere Fehler gemacht hat. “Mogensen!” und “Mann! Mogensen!”, hadern entnervte Zuschauer auf der Tribüne. Es ist ein Moment, an dem der Lack des Spielmachers gewaltig bröckelt. In dem der Spielmacher als solcher infrage steht. Ein Moment, in dem viele kaputtgehen würden. Aber nicht Thomas Mogensen!

Nach wenigen Minuten auf der Bank mischt er wieder mit und macht in der heißen Phase des Spiels zwei wichtige Tore. Und das, lieber Thomas, war nicht nur enorm wichtig für eine erfolgreiche Premiere in der Flens-Arena, sondern das war von dir richtig, richtig stark!

Steffen Kahl

Vor zehn Jahren: Keine Rechte für Rollstuhlfahrer  

In diesem Leserbrief von vor zehn Jahren wird die Situation  der Rollstuhlfahrer in der Campushalle thematisiert.

Die SG Flensburg-Handewitt würde das erste Mal auf Platz eins  stehen, gäbe es eine Diskriminierungstabelle. Dass die SG es mit den Rollstuhlfahrern nicht besonders gut meint, wurde uns bereits beim ersten Spiel in der Campushalle deutlich gemacht.  Obwohl bereits vor dem ersten Spatenstich mehrmals schriftlich, telefonisch und persönlich darauf aufmerksam gemacht wurde, doch bitte bei der Hallenkonzeption an die Rollstuhlfahrer zu denken, war nichts geschehen. Insofern müssen wir weiterhin eineinhalb  Stunden vor Spielbeginn erscheinen, um einen der wenigen zugewiesenen Standorte für Rollstuhlfahrer einnehmen zu können. Daran haben wir uns nach acht Jahren mittlerweile gewöhnt.   Aber was uns beim letzten Pokalspiel widerfahren ist, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die SG hält es nicht mal mehr für erforderlich, die gesetzlichen Parkrechte für Rollstuhlfahrer einzuhalten. Man verweigerte uns die Zufahrt zu den ausgeschilderten Rollstuhlparkplätzen. In der Annahme, dass diese belegt seien, suchten wir uns in einiger Entfernung zur Halle einen anderen Parkplatz. Nachdem wir dann einen längeren Fußmarsch gegen das ansteigende Geländeniveau absolviert hatten, konnten wir feststellen, dass doch noch einige Rollstuhlparkplätze frei waren. Auf unsere Nachfrage bei dem Parkplatzpersonal erhielten wir die Antwort, dass diese Maßnahme angeordnet worden sei. Begründet wurde dieses mit Beschwerden von anderen Parkplatznutzern (Club 100), die kurz vor Spielbeginn nicht genügend freie Plätze vorfänden.   Unser Fazit: Geld regiert die Welt. Herzlichen Dank SG Flensburg-Handewitt.

Berend Vogt, Nübel

Wenn das kein Anlass ist, demnächst mal nachzufragen, ob sich die Situation mittlerweile gebessert hat!

Anmerkung: Ich vermute, dass da wo acht Jahre steht, acht Monate gemeint sind. Die Campushalle war ja erst seit 2001 Heimspielort Der SG Flensburg-Handewitt.

 

“plop’”! – Premiere in der Flens-Arena

Wikinghalle, Fördehalle, Campushalle.  Drei klangvolle Namen von oft knallvollen Hallen. Drei Namen, die für die Erfolgsgeschichte im Flensburger Profi-Handball stehen. In der Wikinghalle liegen die Wurzeln, in der Fördehalle etablierte sich die SG in der nationalen Spitze, in der Campushalle sogar international.

Jetzt hat es ganz laut “plop”” gemacht: Die Halle steht zwar immer noch auf dem Uni-Gelände, hat aber einen anderen Namen: Flens-Arena. Von Campus zu norddeutschem Schampus, gewissermaßen. Schön und gut. Irgendwie auch treffend, denn die vielen Erfolge der Vergangenheit wurden mit unzähligen Hektolitern Pilsener, Alster, Weizen, Alkoholfreiem und vielleicht auch Winterbock begossen.

Wir liegen jetzt also auch in Flensburg voll im Firma-XY-Halle- und Marke Soundso-Halle-Trend. Schön und gut? Immerhin haben wir jetzt die einzige Spielstätte, die nach einem Spitznamen benannt ist und die einzige Halle, die flenst. Und mit der Flensburger Brauerei ist wahrscheinlich der beste Partner gefunden worden. Denn was wären die Alternativen gewesen? Orion? Beate Uhse? Orion-Sexspielzeug-Arena? Beate-Uhse-Porno-Halle? Nein, mit Flens ist die SG schon gut beraten – aber hätten die Namensgeber nicht noch konsequenter sein sollen? Wenn schon Flens, dann auch Flens-Kiste statt Arena?

“Ich gehe heute schon um vier in die Kiste”, “… mit einem Kollegen in die Kiste”, “… mit zwei Freundinnen in die Kiste” – da würde doch schon beim Reden über die Halle Freude aufkommen. Andererseits: Hätten wir eine Flens-Kiste statt einer Flens-Arena – wären dann die Spieler nicht Flaschen …?

Dass sie das nicht sind, werden Sie uns heute in der Champions League gegen den HSV Hamburg wieder einmal beweisen, bei der Premiere in der knallvollen Flens-Arena. Freuen wir uns auf viele weitere erfolgreiche Jahre – in einer alten Halle mit schönem neuen Namen!

Steffen Kahl

Vor zehn Jahren: Schnell zurück zur Tagesordnung

Durchsetzungsvermögen: Der Flensburger Joachim Boldsen erzielte neun Treffer. Foto: Grätsch

Flensburg Am Tag danach war alles wie immer. Die Überraschung nach der Ankündigung von Erik Veje Rasmussen, nach dem Saisonende die Trainerbank bei der SG Flensburg-Handewitt für einen Neuen freizumachen, hatte sich schnell wieder gelegt. Die Spieler des Tabellenzweiten der Handball-Bundesliga gingen gelassen und geschäftsmäßig wieder zur Tagesordnung über, schickten den Aufsteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke mit einer 25:34-Packung auf die Heimreise. „Für uns hat sich durch Eriks Entscheidung ja auch nichts geändert“, erklärte Mannschaftskapitän Jan Fegter. „Er bleibt bis zum Saisonende unser Trainer.“ Jan Holpert sieht es genauso. „Ich glaube nicht, dass es durch Erik Entschluss, uns zum Saisonende zu verlassen, einen Bruch geben wird. Wir haben weiterhin gemeinschaftliche Ziele, und die werden wir bis zum Saisonende durchziehen.“ Diese Aussage unterstrich der Nationaltorhüter drei Tage vor seinem Comeback in der DHB-Auswahl nach über zweijähriger Pause  gegen Nettelstedt mit einer Klasse-Leistung. Der 34-Jährige, der am Freitag wegen einer Magen-Darm-Grippe nicht hatte trainieren können und erst am Abend von der Rasmussen-Entscheidung erfahren hatte, war in der 15. Minute für den glücklosen Frode Scheie zwischen die Pfosten gegangen und hatte innerhalb von elf Minuten mit sechs Glanzparaden die Weichen auf Sieg gestellt. Aus einem 7:8 machte die SG in dieser Zeit ein 15:10. Insgesamt wehrte Holpert an diesem Abend 26 Würfe ab und zog damit dem Aufsteiger fast im Alleingang den Nerv. „Jan hat einfach großartig gehalten“, lobte Erik Veje Rasmussen, der nach der Bekanntgabe seiner Entscheidung wesentlich entspannter und entkrampfter wirkte als in den Wochen zuvor. „Wir haben zwar 60 Minuten gekämpft, aber wir haben keine Chance gehabt“, musste TuS-Trainer Robert Hedin eingestehen. Drei Tage zuvor hatte der Neuling gegen den TBV Lemgo nach einer großen kämpferischen Leistung mit 22:28 verloren. „Ich habe bis heute gedacht, dass Lemgo stärker ist als Flensburg. Das muss ich jetzt zurücknehmen“, sagte Hedin. „Die SG spielt schneller, mit mehr Druck und macht weniger Fehler als Lemgo. Sie kann es in diesem Jahr packen.“ Doch erst am 18. Dezember kommt es zum ersten Showdown der beiden Bundesliga-Spitzenteams in der Lemgoer Lipperlandhalle. Bis dahin hat die SG noch zwei wichtige Spiele beim HSV Hamburg und gegen den TV Großwallstadt auf dem Zettel — und nach Meinung ihres Trainers weiter an der Konzentration zu arbeiten. „Denn wir kriegen es einfach nicht hin, einen Gegner richtig zu erwürgen, wenn wir bereits früh hoch führen“, meinte Erik Veje Rasmussen. In der Tat hätten die Flensburger die Ostwestfalen mit einer richtigen Klatsche nach Hause schicken können. „Durch die Wechselei nach der Pause ist der Spielfluss etwas verloren gegangen. Zudem haben wir einige unserer Konter nicht genutzt“, analysierte Fegter, der selbst zwei Gegenstöße vergeben hatte. Insgesamt habe das Team vom Auftreten und Engagement her jedoch eine ansprechende Leistung geboten. „Wenn wir denn eine kleine Krise hatten, dann haben wir sie überwunden“, meinte der Mannschaftskapitän. Die Gastgeber hatten auch durch den Ausfall von Regisseur Christian Berge ihre spielerische Linie nicht verloren. Der Norweger war nach der Halbzeit wegen einer Ansatzreizung im Adduktorenbereich auf der Bank geblieben und wurde dort intensiv behandelt. Ob der 29-Jährige am Sonnabend in Hamburg wieder dabei sein kann, ist noch nicht sicher. Für Berge sprang Joachim Boldsen als Spielmacher und Torschütze in die Bresche. Sieben Tore erzielte der Däne aus dem Spiel heraus und traf zweimal vom Siebenmeterpunkt. Auch Lars Christiansen und Linkshänder Marcin Lijewski verdienten sich im Angriff gute Noten. In der 5:1-Abwehr harmonierte das Duo Dragunski-Fegter wie schon in Schutterwald hervorragend. „Sie haben ihre Aufgabe genial gelöst“, befand Rasmussen. Und was dennoch durch die Deckung kam, wurde meist eine sichere Beute von Jan Holpert.

Hans-Werner Klünner

SG Flensburg-Handewitt: Scheie, Holpert (ab 15. Minute) — Schröder, Dragunski (3), Fegter (2), Runge (1), Kunze (1), Christiansen (9/3), Klimovets (1), Stryger (2), Lijewski (4), Boldsen (9/2), Berge (2). TuS N.-Lübbecke: Lawrow, Cazal (ab 24.) — Fölser (2), Lakenmacher (3), Schwank, Hammarstrand (5), Willgerodt (4), Vanek, Bertow (2), Johnson (4/3), Radoncic (5). Schiedsrichter: Klinkermann/Lutze (Göttingen). Zeitstrafen: 4:7. — Siebenmeter: 4:8. Zuschauer: 4700.

Bei der Geburt getrennt?

 

 

 

 

 

 

 

Ist Joachim Boldsen ist zurück? Vom Traktor zum X-Factor? Gitarre statt Handball?

Die Ähnlichkeit von Joachim Boldsen und Björn Paulsen ist verblüffend. Die Karrieren aber sehr unterschiedlich. Joachim Boldsen hat viele Jahre für die SG Flensburg-Handewitt gespielt und gehörte definitiv in die Kategorie Spieler, die die Fans begeistern und  wegen denen man in die Halle kommt. Er war und ist als Handballer in vielerlei Hinsicht begnadet, wenn auch nicht in Sachen Kondition.

Gut durchgehalten hat hingegen Björn Paulsen. Der Junge aus Niebüll ist in der TV-Show “X-Factor” auf Vox im Finale und auf dem besten Weg, sich einen Plattenvertrag zu erkämpfen. Viel Erfolg dabei!