Vranjes vor Premiere als Nationaltrainer?

Ljubomir VranjesMasseur, Koch, Handballprofi und Bundesligatrainer – beruflich hat Ljubomir Vranjes schon Einiges erlebt. Einer Meldung des serbischen Handballverbandes zu Folge soll sich bald eine Tätigkeit als Nationaltrainer anschließen.

Aber die SG Flensburg-Handewitt bestätigt nicht die Zusage von Ljubomir Vranjes als neuer Nationaltrainer Serbiens.

SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke äußert sich zur Sache wie folgt: „Uns liegt zur Zeit nur ein Hilfegesuch des serbischen Handballverbandes vor, in dem darum gebeten wird, dass Ljubomir Vranjes die serbische Nationalmannschaft in den zwei EM Qualifikationsspielen im Juni aushilfsweise betreut. Wir wollen gerne helfen und prüfen diese Anfrage gerade.“

Ein kleiner Aufreger vorm Spiel gegen Minden morgen – aber gottseidank keiner, wegen dem man jetzt nicht schlafen kann.

“Das wird ein Bombenfinale!”

Lars Christiansen beim Final Four. Rein privat. Für SG Inside hat er nach dem zweiten Halbfinale auf ein paar Fragen Antworten gegeben. Bei der ersten Antwort brauchte er allerdings Hilfe.

Lars, weißt Du, was heute auf den Tag genau vor zehn Jahren war?

“Stimmt, da haben wir das Finale vom Final Four gewonnen. Ich kann mich daran erinnern, ich habe das letzte Tor gemacht! Das war unserer erster nationaler Titel! Und danach war das eine verdammt gute Feier! Wir haben mit allen Fans, mit der ganzen Stadt gefeiert!”

Kann die SG das morgen wiederholen?

“Ja, das können die. Aber die haben heute auch viel Kraft gebraucht, viel mehr als Kiel. Das war ja auch ein hartes Spiel. Aber Kiel liegt Flensburg, das konnte man an Weihnachten bei dem deutlichen Heimsieg sehen. Und ich weiß, dass die Kieler jede Menge Respekt vor den Flensburgern haben. Keine Angst, aber Respekt.”

Du hast gesagt, du besuchst jetzt die Mannschaft. Was habt ihr vor?

“Ha, ha, ha… naja, die relaxen ja jetzt nur im Hotel. Und ich trinke vielleicht einen Kaffee. Wir unterhalten uns. Aber der große Unterschied zu vor zehn Jahren ist: Ich kann dann noch losgehen!”

Und dein Tipp für morgen?

“Es sind die zwei im Finale, die ich da sehen wollte. Auf dieses Finale habe ich gehofft. Das wird ein Bombenfinale und ich glaube, dass Flensburg eine gute Chance hat!”

Steffen Kahl

 

 

 

Vollbracht – SG holt den Pokal!

Siegtorschütze Lars Christiansen. Die SG holte beim Final Four 2003 ihren ersten nationalen Titel. Christiansen: “Darauf habe ich sieben Jahre gewartet!”

Der Bann ist gebrochen: Die SG Flensburg-Handewitt schlug gestern in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finale um den DHB-Pokal die Mannschaft von TuSEM Essen mit 31:30 (16:12/27:27) nach Verlängerung und legte damit den Ruf des „ewigen Zweiten“ zu den Akten. Der erste nationale Titel war gewonnen, der Final-Fluch besiegt.

Auuus, auuus, auuus! Flensburg ist Pokalsieger. Punkt 16.26 hatte die elf Jahre lang andauernde Leidenszeit ein Ende. Kapitän Jan Fegter reckte den „Pott“ inmitten von Champagner-Fontänen und ausflippenden Flensburger Spielern in die Höhe. „Endlich mal“, schrie Lars Christiansen seinen Landsmann Joachim Boldsen an, der sich gerade das Sieger-T-Shirt überstreifte, auf dem geschrieben stand, was alle Beteiligten in diesem Moment dachten: „Wir haben es verdient!“   „Sieben Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet“, sagte Linksaußen Christiansen, der mit seinem Tor zum 31:30 diese 70-minütige Nervenschlacht zu Gunsten seines Teams entschieden hatte. Zehn Sekunden zeigte die Hallenuhr an, als der dänische Linksaußen sich in der Verlängerung zum finalen Gegenstoß aufmachte, um dann schließlich das Tor zur Glückseligkeit aufzustoßen und den „ewigen Zweiten“ zum „erstmaligen Ersten“ zu werfen. Der Rest war nur noch blau-weiß-roter Jubel — Flensburg außer Rand und Band. Und Trainer Erik Veje Rasmussen fiel ein Stein vom Herzen: „Der Pokalsieg ist eine riesige Genugtuung für mich. Dieses Ewige-Zweite-Gerede hat mich schon genervt.“

Knapp war’s – aber erfolgreich! Im Bild: Das Sieger-Team aus Flensburg.

Es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre das Pokalfinale zum wiederholten Male zur Endstation Sehnsucht für die SG geworden, die 1992 gegen Essen, 1994 gegen Wallau-Massenheim und 2000 gegen THW Kiel nach Verlängerung im Endspiel jeweils das Nachsehen gehabt hatte. In der regulären Spielzeit hatten die Flensburger mehrfach die Gelegenheit, das Kind, sprich den Pokal, in trockene Tücher zu legen. Ständig lagen sie, angetrieben von einem anfangs überragenden Joachim Boldsen, in Front, zum Teil mit fünf Toren (15:10/27.). Auch zehn Minuten vor Schluss beim 24:20 war die Stimmung im lautstarken Flensburger Fan-Block am Kochen. Der endgültige Knock-out jedoch wollte nicht gelingen. Und so sahen nicht wenige die Flensburger Felle davonschwimmen, als Oleg Velykky 18 Sekunden vor dem Abpfiff der regulären Spielzeit einen Siebenmeter zum 27:27-Ausgleich für Essen verwandelte.   Psychologischer Vorteil TuSEM: Einige Journalisten frohlockten zu diesem Zeitpunkt bereits beim Gedanken, wieder die alte Platte vom ewigen Zweiten Flensburg auflegen zu können. Dass es dazu nicht kam, hatte mehrere Gründe: Aus Sicht der Essener Spieler waren die Schiedsrichter Lemme/Ullrich die Schuldigen. „Wir sind betrogen worden“, wetterte Torwart Hannawald. Trainer Juri Schewzow hingegen trug die Niederlage mit Fassung: „Meine Mannschaft ist an ihre Grenzen gegangen, darauf bin ich stolz. Natürlich bin ich aber auch traurig, weil wir schließlich Jahre auf ein solches Spiel hingearbeitet hatten“, meinte der Russe. 1988, 1991 und 1992 hatte sich der TuSEM auf dem Pokal verewigen können. Hannawalds Betrugsvorwürfe interessierte sein Pendant auf Flensburger Seite natürlich überhaupt nicht.

Die Fans peitschten die Spieler bis zum Schluss nach vorne.

Jan Holpert („Heute haben wir endlich das Quäntchen Glück gehabt“)  war der heimliche Held des Tages. Schwer gehandicapt durch eine beim Halbfinalsieg über Göppingen erlittene Fußverletzung, biss sich das Urgestein der SG  durch. Das gleiche galt für Christian Berge, der in Hamburg nach viermonatiger Pause sein Comeback feierte und die beiden vorletzten, wichtigen Tore in der Verlängerung warf.   Jubel, Trubel, Heiterkeit — nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Jubelnd sprangen Christiansen, der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, Jeppesen, Boldsen und Co. umher. Nur einer hatte sich schnell wieder im Griff und stahl sich aus dem Rampenlicht: Erik Veje Rasmussen.

Als Jan Fegter den Pokal überreicht bekam, saß der scheidende Trainer einsam in der Kabine — mit ein paar kleinen Tränen in den Augen. „Ich spüre eine Erleichterung“, sagte der 44-jährige Däne später. Ein Gefühl, mit dem er zu diesem Zeitpunkt nicht alleine war.

Holger Petersen

Nach dem Triumph: Adè “Vize”-witt

Ein Kommentar zum Pokaltriumph der SG von Holger Petersen.

Synonyme für Mannschaften im Sport zu finden ist wahrlich nicht schwer. Speziell im Fußball nicht: Wenn über den FC Bayern München geschrieben wird, fällt fast automatisch der Begriff „Rekordmeister“. Beim HSV heißt es dann „Bundesliga-Dino“, und der VfB Stuttgart wird neuerlich mit dem inflationär benutzten Ausdruck „Junge Wilde“ umschrieben.   Im Handball galt der THW Kiel jahrelang als „FC Bayern München des Handballs“. Dagegen haftete der SG Flensburg-Handewitt, vier Mal Zweiter in der Bundesliga und drei Mal Zweiter im Pokal, das mit viel Hohn und Spott getränkte Etikett „Ewiger Zweiter“ an. Egal, wo die Nordlichter auch hinkamen — die SG „Vize“-witt ließ grüßen. Sogar eine Internetseite „Ewiger-Zweiter.de“ wurde ins Leben gerufen.   Doch das ist seit gestern Vergangenheit. Der „penetrante Titelverweigerer“ besiegte beim „Final Four“ in Hamburg nicht nur den TuSEM Essen, sondern auch den Final-Fluch — der Bann (auf nationaler Ebene) ist gebrochen, der „Ewige Zweite“ mal Erster. Bleibt abzuwarten, welches Synonym die Mannschaft nun verpasst bekommt: „Endlich mal Erster Gewordener“ oder „Ex-Ewiger Zweiter“?

SG will den Pokal – vor zehn Jahren

Der Kämpfer: “Traktor” Joachim Boldsen. Foto: shz.

Im vierten Anlauf soll es klappen: Nach drei Endspielniederlagen wollen die Handballer der SG Flensburg-Handewitt dieses Wochenende beim „Final Four“ in Hamburg den Fluch des „ewigen Zweiten“ ablegen   und mit dem Gewinn des DHB-Pokals ihren ersten nationalen Titel feiern. „Wir sind einfach mal dran“, sagt SG-Geschäftsführer Thorsten Storm, dessen Team im Halbfinale am Sonnabend (15 Uhr) auf Frisch Auf Göppingen trifft. Zuvor ermitteln TuSEM Essen, mit zuletzt neun Bundesliga-Siegen in Folge die „Mannschaft der Stunde“, und die SG Wallau-Massenheim (13 Uhr) den ersten Teilnehmer für das Finale  am Sonntag (14.15 Uhr/alle Spiele live auf N3).

Essen ist der Favorit

Den Flensburgern kommt es ganz gelegen, dass sie die Favoritenbürde für die Jubiläumsveranstaltung — das „Final Four“ gastiert zum zehnten Mal in der Hansestadt, aber erstmalig in der Color Line Arena — an die Essener nach deren jüngster Erfolgsserie weitergeben durften. „Mit dieser Rollenverteilung können wir gut leben“, so Storm.
Unbestritten ist allerdings dass die SG,  die in der mit 13.000 Zuschauern ausverkauften Color Line Arena von etwa 2600 Fans aus Flensburg unterstützt wird,   als hoher Favorit ins Halbfinale gegen Göppingen geht. „Frisch Auf hat überhaupt nichts zu verlieren“, sagt Erik Veje Rasmussen, der nur zu gerne seine letzte Saison als SG-Trainer mit einem nationalen Titel krönen möchte. „Wenn wir den Pokal holen, war die Saison ein Erfolg. Wenn nicht, ist sie nur eine gute Basis für die nächste.“

SG Favorit im Halbfinal-Duell mit Göppingen

Aber auch der Außenseiter aus Baden-Württemberg meldet seine Ansprüche an. „Wir gehen davon aus, dass  wir in Hamburg zwei Spiele bestreiten werden“, verkündet  Christian Fitzek vollmundig. Seinen Optimismus zieht der Göppingener Coach aus der Tatsache, dass sein Team am Mittwoch gegen Nordhorn in der ersten Halbzeit (16:12) „die beste Angriffsleistung in dieser Saison“ zeigte und ganz befreit aufspielen kann.
Ohne jeglichen Druck kommt allerdings keine der vier teilnehmenden Mannschaften aus. Schließlich steht neben  den Prämien in Höhe von 50000 bis 80000 Euro auch ein begehrter Europapokal-Platz auf dem Spiel.

Insbesondere die Essener sind ganz heiß auf den vierten Pokalgewinn ihrer Vereinsgeschichte. Der Erfolg am Mittwoch über Meister THW Kiel und die damit erhaltene Chance, Meisterschafts-Dritter zu werden und sich für die Champions League zu qualifizieren, geben dem Tabellenvierten Gelassenheit und Zuversicht. „Wir sind gut drauf“, konstatierte Trainer Juri Schewzow kurz und bündig. Sein Manager Klaus Schorn fügte an: „Bei unserer Zielsetzung in Liga und Pokal befinden wir uns voll auf Kurs. Wenn wir in Hamburg dabei sind, wollen wir den Pokal auch holen.“

Diesem Vorhaben will die SG Wallau einen Strich durch die Rechnung machen — trotz des Ausfalls von Nationalspieler Pascal Hens (Ellenbogenfraktur). „Mit einer optimalen Leistung können wir auch den Favoriten Essen knacken“, glaubt Coach Martin Schwalb.

Holger Lose

 

 

Ljubo vor der Videoanalyse

Laptop, Beamer, Lineal und Bleistifte: Ljubomir Vranjes vor der Videoanalyse mit der Mannschaft.

Draußen scheint endlich die Frühlingssonne, drinnen im TSB-Sportlerheim sitzt Trainer Ljubomir Vranjes mir Mütze und dicker Jacke – ihm wird schnell kalt. Es ist 14 Uhr, in einer Stunde beginnt die Video-Analyse zusammen mit der Mannschaft. Aus eigenen Spielen gegen den HSV Handball und aus den letzten Spielen des HSV hat er wichtige Sequenzen zusammengestellt. Wie stark sieht er den HSV? “Die Hamburger sind in der gleichen Situation wie wir – es geht jetzt in jedem Spiel um sehr viel. Duvnjak ist natürlich ein wichtiger Mann, Bitter ist zurück, Lijewski kann wahrscheinlich spielen – das ist ohne Frage eine gute Mannschaft.”

Wie erklärt er sich die dauerhaften starken Leistungen von Domagoj Duvnjak – der hat die  letzte Saison fast durchgespielt, Olympia gespielt, die Saison auch mehr oder weniger durchgespielt, ist dabei konstant auf hohem Niveau? “Das ist etwas Besonderes. Nur wenige Spieler können das. Aber wer weiß, was in der nächsten Saison ist oder in der übernächsten? Vielleicht kommt eine schwere Verletzung? Ich wünsche ihm das natürlich nicht.”

Vranjes kontrolliert nochmal sein Handy, teilt dann ungewöhnliche “Verletzungssorgen” mit: Keine SMS von Weinhold und Karlsson, die wie Tobias Karlsson und Olafur Gustafsson auf Länderspielreise waren, bei denen man aber Blessuren vermuten konnte – alle Spieler sind fit. Alle? “Ja, alle. Petar Djordjic wird zum ersten Mal auf dem Spielberichtsbogen stehen. Er ist jetzt wirklich eine Alternative. Sören Rasmussen ist wieder gesund und auch Arnor Atlason trainiert wieder mit der Mannschaft. Maik Machulla ist jetzt endlich in der Mannschaft drinnen, nach seinen überstandenen Rückenproblemen und er hat in Berlin gut gespielt. Ich freue mich über die neuen Alternativen. Allerdings muss sich noch zeigen, dass das auch wirklich besser ist. Vielleicht ist es auch besser, weniger Alternativen zu haben. Aber erstmal finde ich das gut – wir brauchen jeden Spieler!”

Noch einen Satz zu Mattias Andersson. Er ist der Top-Mann im Moment schlechthin, die Paraden gegen Berlin machten auch TV-Kommentator Stefan Kretschmar sprachlos – befürchtet der Trainer, dass sein Torwart irgendwann in ein Leistungstief fallen könnte? “Nein, überhaupt nicht. Mattias hält doch seit vier Jahren so gut. Da muss man sich keine Sorgen machen glaube ich.”

Dann malt er mit buntem Lineal und Bleistift Handballfelder in ein kariertes Schulheft. Vielleicht Gedankenstützen für Abläufe im Hamburger Angriffsspiel. Das wirkt herrlich unaufgeregt. Jetzt sind es noch 40 Minuten bis zum Videostudium mit der Mannschaft. Die Jungs können kommen – und der HSV erst recht.

Berliner: eine lecker Vorspeise

Die Berliner wurden weggefrühstückt.

Mehrere Busse, rund 200 Fans, die lautstark in die Berliner Max-Schmeling-Halle einmarschierten, wehende Flensburger Fahnen, eine begeisternde Leistung der SG Flensburg-Handewitt und ein in der Höhe wohl von niemandem erwarteter Auswärtssieg – die Reise nach Berlin am Osterwochenende war etwas ganz Besonderes, da waren sich alle einig.

Um sieben Uhr war der Großteil der Flensburger Fans – Hölle Nord und Ultras – in Flensburg aufgebrochen. Die “Wikinger” verbrachten sogar das komplette Osterwochenende in Berlin. Das Spiel sollte dafür sorgen, dass jede Minute und jeder Euro gut investiert war: Eine Überraschungsaufstellung mit Maik Machulla als Spielmacher (und Torschütze!), ein starker Steffen Weinhold, ein wie aufgedreht aus der Halbzeit kommender Holger Glandorf, begeisternde Tore von Lasse Svan, Anders Eggert, eine starke Mannschafts- und vor allem Abwehrleistung und die alles überragende, sensationelle Leistung von Mattias Andersson – wenn Städte nationale Feiertage ausrufen könnten – der 31.03. wäre ein Flensburger Kandidat!

Laufstark, spielfreudig und kämpferisch präsentierte sich die SG – und ließ sich auch nicht von der teilweise sehr rauen  Gangart der Berliner beeindrucken. Im Gegenteil: die wurden vielfach einfach vernascht. Schwer zu sagen, wie oft der Hallensprecher versuchte, die Berliner Fans dazu zu motivieren, ihre Mannschaft, doch noch mit ihren Anfeuerungen auf die Siegestraße zu bringen – 10, 15, 20 Mal? – entscheidend bleibt der Eindruck der nimmermüden Flensburger Schlachtenbummler, die fahnenschwenkend, gröhlend, singend und – im Gefühl des sicheren Sieges auch mit “oben ohne” – “Flensburg!” – “Handewitt!”, “Und Ihr wollt Deutscher Meister sein?”, “SGW!”, “Auswärtssieg!” und ähnliches skandierten.

Lange mussten Anders Eggert, Olafur Gustafsson, Mattias Andersson und Tobias Karlsson noch Autogramme geben und in dutzende Kameras lächeln. Olafur Gustafsson machte wenige Stunden vor dem Bekanntwerden seiner Vertragsverlängerung einen SG-Fan damit neidisch, dass zwei modisch gekleidete und sehr attraktive Blondinen zielgerichtet den Weg zu ihm suchten und dann auch noch in seiner Landessprache ansprachen – “Das war ja klar, dass die zu ihm gehören”, entfuhr es dem Fan, von dessen geheimen Hoffnungen nichts weiter bekannt wurde.

Fröhlich war die Rückfahrt, die Getränkebestände wurden  die Gesänge lauter und die Tänze wilder. Um 23 Uhr war der Spaß dann vorläufig vorbei. Jetzt steigt die Vorfreude auf das nächste Highlight: Bundesliga gegen den HSV Handball am Dienstag, 19.10 Uhr.

 

Djordjic will den Abschied auf dem Spielfeld

Viel wurde zum Wechsel von Petar Djordjic zum HSV Hamburg geschrieben. Die Emotionen kochten teilweise hoch, in der Flens-Arena bestimmt regelmäßig ein Pfeifkonzert die Atmosphäre, wenn der Name Petar Djordic bei der Mannschaftsaufstellung dran ist. Aber einer ist bis jetzt aber noch wenig zu Wort gekommen: Petar Djordjic selbst. SG Inside fand, dass es dafür Zeit wurde. Wir haben deswegen in den Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages eine Geschichte gemacht (“Ohne Familie wäre ich durchgedreht”) Hier ist eine Ergänzung zum Thema.

“Petar, Dierk Schmäschke sagt, die SG hätte dich gerne gehalten, aber auch, dass so ein Wechsel zu einem Konkurrenten normal ist. Die SG mache es schließlich nicht anders, holte nach deiner Verletzung kurzfristig Arnor Atlason und Olafur Gustafsson aus Island und verpflichtete jüngst zwei junge Außenspieler für die nächste Saison. Auf der Nordtribüne wird seit dem Bekanntwerden deines Wechsels bei den Heimspielen allerdings gebuht und gepfiffen, wenn Du bei der Mannschaftsvorstellung dran bist. Was gibt es aus deine Sicht noch zum Wechsel zu sagen?”

“Tja, wo fängt man da am besten an? Das erste ist vielleicht, dass ich die negativen Reaktionen verstehen kann. Als die Medien bereits vorzeitig von meinem Wechsel berichteten, wusste ich schon, was passieren wird. Das Traurige ist, dass zu diesem Zeitpunkt noch nichts entschieden oder unterschrieben war. Nach den Reaktionen brauchte ich etwas Distanz zu der ganzen Situation. Ich bin Ljubomir Vranjes dankbar, dass er mir erlaubt hat, die nötige Rehabilitation nach meiner Verletzung in Kroatien machen zu lassen. Dort konnte ich mich abseits des Trubels darauf konzentrieren, wieder gesund zu werden. Und ich konnte auch die letzten Jahre Revue passieren lassen. Ich bin Holger Kaiser und Manfred Werner dankbar, die mich aus Wetzlar hergeholt haben und die, genauso wie Ljubo, an mich geglaubt haben.

Ich arbeite Tag für Tag auf mein Comeback hin. Und ich kann nur sagen, ich will nicht nur wieder Handball spielen, weil die Monate mit Fitness und Physiotherapie mir ganz schön an die Nerven gingen. Ich möchte mich von den Fans und von der Mannschaft auf dem Spielfeld verabschieden. Ich hoffe noch helfen zu können, denn jetzt am Ende der Saison kommen noch sehr wichtige Spiele auf uns zu. Wenn die Fans bei meinem Namen immer noch pfeifen, damit werde ich wohl umgehen müssen. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Aber es würde mich natürlich freuen, wenn die Leute erkennen, was ich für meinen Verein bisher geleistet habe und dass ich weiter alles für die SG gebe. Dann können sie vielleicht auch meinen Wechsel akzeptieren oder zumindest verstehen.

Zu meiner Entscheidung kam es übrigens so: Ungefähr seit dem letzten Sommer beschäftigt mich das Thema. Ich habe damals das erste Gespräch mit der SG geführt, bereits damals sagte ich, dass ich auch das letzte Gespräch mit der SG führen werde. Jedem war bewusst, dass ich mehrere Angebote habe. Ich bin dem Trainer und dem Verein gegenüber sehr offen mit dem Thema umgegangen. Selbstverständlich habe ich mein Wort gehalten und das letzte Gespräch – bevor ich irgendetwas unterschrieben habe – habe ich auch mit der SG geführt. Ich habe immer fair gehandelt. Beim HSV hat mich letztlich das Gesamtpaket überzeugt. Mir wurde gesagt, wie sich der Kader entwickeln soll, welche Ambitionen der Verein hat und was für ein Konzept für die Zukunft. Es ist ja mittlerweile bekannt, dass der HSV im nächsten Jahr einen deutlich jüngeren und einen richtig guten Kader haben wird. Ich habe auf jeden Fall schnell das Gefühl gehabt, dass die unbedingt wieder angreifen wollen – und ich habe mich dazu entschieden, ein Teil vom neuen HSV zu werden. Auch wenn ich die letzten Jahre in Flensburg sehr glücklich war.

Deswegen werde ich bis zum letzten Tag alles für die SG geben. Für die Mannschaft, für den Trainer und auch für die Fans. Trotz Pfiffen.”

 

 

Jan Fegter: Alles begann mit einem Bierdeckel

Attraktiver Arbeitsplatz: Jan Fegter in der Lounge des Club 100, dessen Geschäftsführer der ehemalige SG-Profi heute ist.

Ein paar Notizen auf einem Bierdeckel, verfasst auf einer Autobahn-Raststätte  zwischen Flensburger Förde und Wilhelmshaven.  So wurde Jan Fegter für die SG Flensburg-Handewitt verpflichtet. Das war 1995. Bis heute ist  der große, sympathische  Blonde  eng mit der SG   verbunden – als Geschäftsführer des Club 100.  „Manfred Werner  rief  an, wir haben uns auf dem Rastplatz getroffen –  danach  war alles geklärt, ohne Taktik, ohne Spielervermittler“, erinnert sich Fegter an die nun 18 Jahre zurück liegende Begegnung mit dem damaligen SG-Manager. „Im Endeffekt  hat  dieser Bierdeckel mein Leben bis heute geprägt“, sagt Jan Fegter. Denn  Flensburg  und Umgebung sind  für „Fege“ zum sportlichen, privaten und beruflichen Lebensmittelpunkt  geworden.  Von  1995 bis 2003   trug der 43-Jährige  das SG-Trikot, studierte parallel Jura.    In Handewitt wurde das Zuhause von Imke und Jan Fegter   gebaut.   Beruflich hat sich der Fachanwalt für Immobilien- und Verkehrsrecht in der Flensburger Kanzlei „Hoeck, Schlüter, Vaagt“ etabliert, ist dort vor wenigen Monaten zum Notar  aufgestiegen. Anzug und Krawatte sind auch das Outfit, das  der ehemalige Rückraumspieler    heute trägt, wenn er für die SG im Einsatz ist.  160 Mitglieder zählt der Sponsoren-Club, dessen Geschicke Jan Fegter leitet. „Nun bin ich auf der anderen Seite gelandet, kann den Sponsoren etwas von dem zurück geben, was sie mir als Spieler ermöglicht haben.“ Den  Beitrag des großen  Förderkreises für die erfolgreiche Entwicklung  der SG schätzt Fegter als „unverzichtbar“ ein.  „Viele Mitglieder sind seit vielen Jahren dabei und echte Enthusiasten – eine solche Verbundenheit getragen von vielen Schultern ist im  schnelllebigen  Profisportgeschäft etwas ganz Besonderes“, sagt Fegter. Diese Treue fördert er zusammen mit dem Vorstand und Beirat des Club 100. „Ein tolles Team – alleine ist die komplexe  Aufgabe gar nicht leistbar“, sagt der Jurist, dessen regulärer Arbeitstag meist zwölf Stunden zählt. Treue Mitglieder pflegen, Versammlungen und Veranstaltungen organisieren – das zählt zur Pflicht der Club-100-Ehrenarbeit. Die Kür ist das Werben neuer Mitglieder. „An die 200“ lautet die ehrgeizige Marschroute. „Da es  immer häufiger vorkommt, dass Mitglieder den Club schon nach wenigen Jahren wieder verlassen, wird das schwer“, sagt Fegter.
Trotz der  Anforderungen im Anzug sieht der ehemalige Nationalspieler  schlank und fit aus. Spielt er noch Handball? „Ganz selten,   wie zur Verabschiedung von Lars Christiansen.“  Das sportliche Austoben findet heute auf der Anlage  des Glücksburger Tennisclubs statt.  Dort kämpft Fegter in der Landesliga um Punkt, Satz und Sieg. „Ohne sportlichen Anreiz geht es nicht.  Ich will immer gewinnen – selbst beim Kartenspielen.“ Tägliche Bewegung an der frischen Luft beschert dem Hundefan zudem ein kecker Zwergschnauzer.

Kraftvoller Spieler: Jan Fegter.

Ein Jahr vor der Deutschen Meisterschaft 2004 beendete „Fege“ seine SG-Karriere. Bedauert er das? „Klar, doch den ersten und  schönsten Titel   habe ich mit an die Förde geholt, den Europapokal gegen Kopenhagen. Die ganze Stadt stand Kopf, wir  standen auf dem Dach des Deutschen Hauses und eine Menschenmasse davor auf den Straßen – ich bekomme  Gänsehaut, wenn ich daran denke“, schwärmt   Fegter. Er hat deutlich weniger Geld verdient als die heutigen Profis. „Das ist ok. Dafür gab es  weniger Druck und die Chance, neben dem Handball zu studieren. Das funktioniert heute nicht mehr“, sagt der Rechtsanwalt, den  vor 18 Jahren ein Bierdeckel an die  Förde geholt hat.

Anja Werner

 

Lasse Svan: Alles hängt am linken Schuh

Lasse Svan: Sympathischer Erfolgsgarant – schnell, treffsicher und irgendwie aus der Kategorie “idealer Schwiegersohn”.

Der dänische Nationalspieler Lasse Svan Hansen gehört nicht zu den auffälligsten, unbedingt aber zu den zuverlässigsten Außen. Der Linkshänder kommt bislang auf 89 Tore in dieser Saison der Handball-Bundesliga – viele erzielt aus Tempogegenstößen. Um sich auf die präzisen Abläufe zu konzentrieren, braucht der 29 Jahre alte Däne vor den Spielen einen durchgetakteten Tag. Der beginnt mit frühem Aufstehen. Danach geht es zum Brunch, gern mit Kollegen. Häufig ist Svan Hansen mit Anders Eggert, Florian von Gruchalla oder Olafur Gustafsson am Vormittag eines Spieltags in einer der Frühstückskneipen am Flensburger Südermarkt anzutreffen. Obligatorisch gibt es zur zweiten Mahlzeit des Tages Pasta, um die Energiespeicher zu füllen. Nach einem ruhigen Nachmittag zu Hause geht es begleitet von der Lieblingsmusik (etwa von der irischen Rockband “U2″) zur Halle. In der Kabine achtet Lasse Svan Hansen dann stets darauf, dass er den linken Handball-Schuh zuerst anzieht. Und dann geht’s los auf Torejagd.

jw