Grenzerfahrung im Kanu

Paddeln

Paddeln auf der Vidå

Die Schwarzbunte steht eutertief im Wasser und genießt völlig tiefenentspannt die Kneippkur im Ruttebüller See. Ihr Badegewässer grenzt nicht nur an ihre Weide. Auch   Dänemark und Deutschland nennen das Uferland ihr eigen, was der Kuh aber eher nebensächlich erscheint. Vielmehr äugt sie skeptisch auf ein sich näherndes Ungetüm aus Metall, das sich mit leichtem Plätschern über das Wasser bewegt. Darin: Zwei Gestalten mit blauen Schwimmwesten, rotgebrannten Schultern und scheußlichen Sonnenhüten.

Wir nähern uns mit unserem Metallkanu dem Rindvieh so leise wie möglich, wollen nur mal schauen, wie es entspannt herum steht. Aber wie so oft verfälscht der Betrachter das Ergebnis. Die Kuh wirkt immer angespannter. Als sich das zweiköpfige Kanu-Ungetüm auch noch immer weiter zwischen sie und ihre Weide schiebt, reicht es ihr. Kurz befürchten wir, sie könnte direkt auf uns zukommen und uns in den See schubsen. Doch sie dreht nur etwas die Augen nach hinten und rennt –  so schnell das Kneippbad es erlaubt – in Richtung Land. Welches Land, Deutschland oder Dänemark ist nicht ganz auszumachen. Ist auch unwichtig. Hauptsache ihr Land. Beleidigt zieht sie mit dem gesamten Rest der Herde ab und lässt uns Paddler im Kanu einsam zurück.

Wobei – ganz einsam sind wir nicht. Da sind ein paar Austernfischer, die am Ufer vor sich hinpiepsen, da ist ein Pärchen in einem Ruderboot (sie rudert, er macht Witze über Galeerensklaven) und da ist der Vater mit seinem Sohn, der angibt, dass er grade bis nach Tondern und zurück gepaddelt ist.

So einsam der See auch liegt, er wird regelmäßig frequentiert. Nicht nur von Kühen. Denn mitten hindurch zieht sich der dänische Fluss Vida, der aus Tondern kommend, im Ruttebüller See scharf abbiegt, um zwischen Sylt und Romo und die Nordsee zu münden. Ein Paradies für Paddel- und Naturfreunde.

Auch unsere Kanu-Tour startet mitten im malerischen Tondern am Rathaus, wo der Roklub sein Bootshaus hat. Die Vida zieht mit wenig Strömung südwärts, was ein paar Wasserpflanzen dazu bewegt hat, sich hier bootsbremsend anzusiedeln. Zunächst säumt ein Deich den Fluss, später paddeln wir durch eine Allee aus Schilf, in der sich Flauschbälle von  Entenküken  verstecken.

Nach kurzer Zeit erreicht man einen  ersten See, eine Aufstauung des Flusses, um den vielen Vögeln ein Revier zu bieten. Reste von abgestorbenen  Bäumen ragen noch aus dem Wasser. Auf den weißen Stämmen haben sich schwarze Krähen wie Blätter niedergelassen und geben der Landschaft eine mystische Stimmung. Eine Reiherreihe am Ufer betrachtet die Weite.

Austernfischer

Unser Kanuverleiher hatte uns gewarnt, nur an den ins Wasser eingeschlagenen Pfählen entlangzupaddeln. Diese markieren den Verlauf des ursprünglichen Flussbettes – und nur darin ist es tief genug für die Boote. Doch die Verlockung, ein wenig abzukürzen ist  zu groß und so dauert es nicht lange, bis wir auf Grund laufen.  Wir  aus dem Boot und schieben ein wenig, bis die Tiefe wieder ausreicht.  Nicht  nur Kühe mögen kühle Füße.

Kurz-Infos

  • Länge: 27 Kilometer (hin und zurück)
  • Schwierigkeit: leicht (kaum Strömung)
  • Einsetzmöglichkeiten: Tondern (hinterm Rathaus), Laegan bei der Brücke, am Ruttebüller Campingplatz
  • Anfahrt: Die 11 Richtung Tondern, dort im Kongevej zum Parkplatz hinter dem Rathaus
  • Verlängerung: Der Fluss kann weiter in Richtung Nordsee gefahren werden, Mehrtagestouren möglich
  • Kanuvermietung auf der Vidå unter www.vidaa-kano.dk.


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Wellen in Grün und Blau

Wandern auf dem Gendarmstien an der Grenze

Grenzübergang Schusterkate

Direkt an der Grenze bei Flensburg hat die Eiszeit eine  hügelige Landschaft zurechtgequetscht – und mitten hindurch führt einer der schönsten Wanderwege Dänemarks: Der Gendarmstien, auf dem einst die Grenzwächter patoullierten. Stolze 74 Kilometer ist er lang, von Pattburg bis nach Høruphav.
Ganz so weit wollen wir nicht wandern, aber ein gutes Stück – durch zwei Länder, durch zwei Landschaften und am Ende mit je zwei platten Füßen. Wir starten am wohl urigsten Grenzübergang an der Ostküste: Dem krummen Weg bei Niehuus. Knubbeliges Kopfsteinpflaster und einer der letzten Schlagbäume sind hier, liebevoll rot-weiß angepinselt. Auf dänischer Seite geht der Wanderweg rechts ab in die Felder.

Feld im Grenzland

Der Wind streicht über die dichtstehenden  Ähren und erzeugt grüne Wellen auf dem weiten Feld, das sich an den Hang schmiegt. Darüber Schwalben. Der Gendarmstien ist hier nicht mehr als ein matschiger Trampelpfad an den Feldrändern entlang. Ein wenig rutschig manchmal, wenn es steil ist. Durch Tunnel aus Pappeln, Schilf-Alleen und über eine zertrampelte Kuhweide  geht es weiter, fast ohne dass man  Menschen begegnet. Bis, ganz plötzlich, die Idylle vorbei ist.

Auf dem leeren grauen Parkplatz  hinter dem einst beliebten Grenzhandel in Krusau wirkt die Einsamkeit ganz anders. Trist. Doch die Stippvisite in die Zivilisation ist nur eine kurze. Wer die  Straße nach Flensburg überquert, kann sofort wieder eintauchen ins Grün.
Über Waldwege geht es  dem Meer entgegen. Ab dem Grenzübergang Schusterkate kann man parallel zum  Weg am Strand entlang laufen, mit  Blick über die blauen Wellen der  Förde. An einem Grillplatz geht es zurück zum Gendarmstien, der sich  bis nach Kollund Mole durch die Steilküste schlängelt. Kaum bemerkbare aber umso   beharrlichere  Rinnsale  haben  Schluchten in die Küste gebuddelt. Urige Holzbrücken und Treppen führen rauf, rüber und wieder runter. Nicht alpin – aber dafür mit Blick aufs Meer.

Kurz-Infos:

  • Länge: Etwa 7 Kilometer, hinzu kommt der Rückweg, wenn man nicht abgeholt wird
  • Schwierigkeit: mittel (teilweise sehr steile Strecken)
  • Abstecher und Stopps: Kupfermühle  und „Annies Kiosk“ bei den Ochseninseln.
  • Anfahrt: Mit dem Auto von Flensburg Harrislee und Niehuus. Parken möglich in der Straße “Am Schlossberg”
  • Verpflegung: In Krusau gibt es einige Hot-Dog-Imbisse

 



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Nordfriesland-Safari auf vier Rädern

Quad

Mit dem Quad ins Grüne

Wie Gänseküken zuckeln die drei kleinen Quads hinter dem großen hinterher. Schnurgerade zieht sich der Weg durch die Felder Nordfrieslands, zwischen windschiefen Bäumen und Weiden mit karamellbraunen Kühen. Hier und da ein paar Schafe. Doch die gerade Strecke ist  kein Grund, nur geradeaus zu fahren.

Rechts am Weg  lockt ein sattgrüner Brennnesselgraben. Mein Quad fährt ohnehin mit beachtlicher Neigung: Weil der Radstand so klein ist,  fährt man mit zwei Rädern auf dem schlaglöchrigen Sandweg,  mit den anderen auf dem hohen Gras zwischen den Spuren. Eine tiefe Pfütze lauert und lässt das Quad hoppeln. Ich kralle mich um den Lenkergriff – und drücke dabei den Daumen fest an den kleinen Gashebel. Mit Schwung setzt sich das Quad in die Nesseln.  Schnell loslassen, knapp vor einem Bäumchen hält es. Rückwärtsgang einlegen und sanft gegen das Daumengas drücken. Das Fahrzeug schnellt zurück und stoppt gerade eben vor meinem Hintermann. Safarileiter Stefan Preuß am Anfang der Gänsekolonne hält  an  und dreht sich um. Hätte er keinen Helm auf, würde ich sicher ein  Schmunzeln erkennen.
Er kennt das schon. Anfänger, die seinen Fuhrpark in die Botanik setzen, sind eines seiner Lieblingsthemen. Noch bevor wir vor seinem Haus in Goldebek losfahren, erzählt er von –  glimpflich abgelaufenen  – Unfällen.  „Neulich sind ein paar  Handwerker mitgefahren und einer hat sich im Graben mit dem Quad auf die Seite gelegt“, erzählt er. Statt ihm zu helfen, hätten seine Freunde aber erstmal die Kamera geholt . Preuß grinst.

Quad-Kolonne

Auch wenn man das Quad  mit Autoführerschein  fahren darf, braucht man Übung, um es zu steuern. Am Anfang sitzt quasi ein Känguru im Tank. Nur so ist es zu erklären, dass das Quad auf hauchzarten Daumendruck losfetzt wie ein Feldhase.
Sein erstes Quad bekam Stefan Preuß von seiner Frau geschenkt  – und fühlte sich sofort wohl darauf. „Wie in einem Sessel“, schwärmt Preuß. Schnell kam die Idee, noch viel mehr Quads zu besitzen und diese zu verleihen. Doch das lief weniger gut. „Manchmal kam dann der Anruf der Polizei, ich könnte eines meiner Quads aus dem Graben ziehen…“, erinnert sich Preuß – und erzählt von weiteren Pannen. Daher schwenkte der Friese um und bietet  geführte Touren an. Mit bis zu fünf Quads können Gruppen oder Einzelreisende  eine Tagestour nach Rømø und Sylt buchen – oder eine Schnuppertour über die einsamen Feldwege südlich der dänischen Grenze. Je nachdem, wie weit man bei all den Brennnesselgräben kommt.

 

Mit dem Mopped über den Meeresgrund

Mandoe

Auf dem Damm nach Mandø fahren

Ein kugeliger Bauch, bedeckt von einem schwarzen Metal-T-Shirt, schiebt sich an der Maschine vorbei. Wird langsamer und stoppt. Die Augen (etwa einen halben Meter über dem Bauch) fixieren das Geländemotorrad. Mit der Hand, die keine Slots-Øl-Dose halten muss, zeigt der kleine Mann auf die historische (=alte und verdreckte)  Enduro und fragt: “Kann ich die borgen? Ich will zu die Seehunde fahren.” Er lacht über seinen Witz. Oder war es doch keiner? Im Nachhinein bin ich mir unsicher.

Der Gedanke, durch das Watt zu düsen, liegt auf Mandø nämlich gar nicht so fern. Um Protesten vorzubeugen: Natürlich fährt man nicht direkt über das Watt und natürlich nicht einmal annähernd in die Nähe der Seehundbänke. Aber man holpert quasi über den Meeresgrund, wenn man auf die dänische Nordseeinsel nördlich von Rømø fährt.

Ein schotteriger, kieseliger Damm zieht sich durch die landgewinnenden Pfahlreihen, durch die schlickige Weite. Abgegrenzt wird er von größeren Steinen, aber auch die verhindern nicht, dass die – wir nennen es jetzt mal Straße überflutet wird, wenn sich die Nordsee mal wieder blicken lässt.

Mandoe-Deich

Warnschilder in drei Sprachen weisen darauf hin, dass das Befahren ohne Tiden-Kenntnisse nicht erlaubt sei. Wir haben uns zum Glück schlau gemacht und wissen unsere Hin- und Rückfahrt trockenen Reifens gesichert. Vom Festland aus geht es auf die Piste. Ein Österreicher schlurft mit seinem Auto Spuren in den Kies – und guckt ein wenig erstaunt, als ihn eine historische Enduro überholt. Sonst ist nur der Mandø-Bus unterwegs. Ein Trecker, der eine Ladung voller Touris zieht.

Die Nordsee züngelt gierig dem Damm entgegen. Und plötzlich zweifle ich daran, dass wir tatsächlich trocken bleiben. Sollte sich das Wasser laut Tidenkalender nicht zurückziehen? Ich zucke kurz mit den protektorbeladenen Schultern und beobachte lieber ein paar Austernfischer, die mit ihren quietschroten Schnäbeln nach Essbarem stochern.

Der Straßenbelag ist gewöhnungsbedürftig. Der Kies gibt plötzlich glitschig nach wie Murmeln. Mit einer Straßenmaschine wäre ein Fahren hier wohl schwer bis unmöglich. Besonders dort, wo die Autos ihre Fahrspuren hinterlassen haben, rutscht das Mopped besorgniserregend. Wir fangen uns aber immer schnell wieder. Und schon kommt Mandø näher. Die Salzwiesen beginnen wieder, die ersten Schafe mit hopsenden Lämmern – und der Weg wird zu einem festeren Sandweg, dann zur Teerpiste, die auf den Deich der Insel zusteuert.

Ebbevej nach Mandoe

Geschafft. Die Insel ist erreicht und zeigt uns für einige Stunden ihr Idyll mit Mühle und Mini-Kirche (die das Attribut “schnuffig” mehr als verdient). Mit einem Rundweg am Deich entlang, vorbei an noch mehr Lämmern, die sich beim Anblick der Maschine schnell hinter dem Mutterschaf verstecken. Vorbei an Touri-Gruppen, die sich die Pommes schmecken lassen oder auf Pferden die Insel umrunden.

Es bleibt sogar genug Zeit, um sich am Insel-Imbiss Pommes mit grobkörnigem Salz vom Teller wehen zu lassen. Und um sich von Bewohnern und Touris beäugen zu lassen, die neugierig um die Enduro schleichen. Ein älterer Anwohner fragt ungläubig: “Seid Ihr wirklich damit hierher gekommen.” Motorräder sind wohl nicht sehr häufig auf Mandø. Der Metal-Fan, der am liebsten zu den Seehunden brausen wollte, checkt mittlerweile das Reifenprofil und spiekt auf die Landkarte im Tankrucksack. “Heute sind wir nicht mit dem Motorrad”, sagt er mit bedauerndem Blick auf das Slots-Øl. Aber er will auch gern einmal hierher kommen. Über den Schotterdam, der Mandø wie eine Nabelschnur mit Jütland verbindet. Einmal rum, wieder zurück. “Und dann zum Hot-Dog-Essen nach Kollund bei die Okseø”, schwärmt er und tippt auf die Landkarte irgendwo bei Sylt.

 

Kurz-Infos:
Anfahrt: Von Süden die 11 Richtung Ribe nehmen, bei Vester Vedsted nach links in Richtung Nordsee fahren. Dann der Ausschilderung zum Mandø-Bus folgen. Die Straße zum Damm heißt Låningsvejen.
Belag: Bei Niedrigwasser wird ein Sand/Kiesweg freigelegt, der auch noch holprig ist. Fahrer und Maschine sollten im Gelände  klar kommen können.
Länge: Der Damm ist etwas mehr als 6 Kilometer lang.
Tide: Eine Tour sollte man nur mit Kenntnis der Gezeiten planen. Genaueres gibt’s bei DMI (dänisch; Datum und Ort aktualisieren) oder per Telefon: 0045-7542-2924. Man sollte genug Zeit für Hin- und Rückweg einplanen. Bei steigendem Wasser nie eine Fahrt bei mehr als 50 Zentimeter Wasserstand beginnen (der Damm ist 65 Zentimeter über NN.) Zeitlichen Puffer für mögliche Panne einplanen.
Alternative: Zu Fuß kann man den noch abenteuerlicheren Ebbevej etwas südlich vom Damm nehmen. Der ist noch eher überflutet und eigentlich nur etwas befestigtes Watt mit Prickenallee.




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Mit den Algen um die Wette bräunen

Langballigau

Strandtest Ostsee: Langballigau an der Flensburger Förde

Der kleine Ort an der Flensburger Förde gibt sich touristisch: Fisch- und Hot Dog-Buden, Strandschnickschnack und ein Tretbootverleih lassen keine Langeweile aufkommen.

So sieht es aus: Die Förde wirkt nicht besonders breit, malerisch mit knallgelben Rapsfeldern präsentiert sich Dänemark auf der anderen Seite. Ein Fischkutter zieht einen Schleier an Möwen hinter sich her, die wie Wespen über dem Kuchenbüffet kreisen. Lang zieht sich an der Langballigau ein Steg ins Wasser, dessen Ende aussieht wie ein ehemaliger Wachturm an der DDR-Grenze. Doch es ist nur der Pegelstand, der hier kontrolliert wird.

Kutter

So ist das Wasser: Wer ins Wasser möchte, muss erstmal durch einen Wall von Algenresten waten, die sich zum Sonnen ans Ufer gelegt haben. Weich und warm gibt das muffige Gewächs nach. Umso kühler empfängt einen die Ostsee, die am Anfang trübe und flach vor sich hinplätschert. Erst später wird es tiefer. Dafür gibt es am Badestrand wenige Steine sondern nur kleine Kieselchen.

Das kann man tun: Langballigau ist touristisch perfekt ausgebaut. Einzig Hunde sind am Hauptstrand nicht erlaubt. Man kann Kanus, Sportboote oder Tretboote leihen – leider ist der Fluss nicht weit befahrbar, da irgendjemand der Meinung war, eine Brücke möglichst tief über den Fluss bauen zu müssen. Es gibt außerdem einen Fahrradverleih, ein riesiges Schachspiel, einen schönen Kinderspielplatz und jede Menge Essen: Fischbrötchen und Hot Dog, Eis (fatalerweise kein Lakritzeis) und andere Snacks.

So kommt man hin: Die B199 bis Langballig fahren, dort abbiegen und die K97 bis zur Strand-Ausschilderung verfolgen.

So parkt man: Direkt am Strand ist ein großer Parkplatz. Wer dort nichts findet, fährt am Yachthafen vorbei zum kleinen Sandparkplatz.

Wen trifft man hier? Der rotbootige Dröndüser flitzt in sicherer Entfernung zum Festland immer wieder vorbei. Dabei lässt er gern den Motor des Wassergefährts aufbrausen, offenbar ein Verständigungslaut, der die Landratten beeindrucken soll. Leider wird dieses Balzgehabe immer wieder genervt als Angeberei abgetan, so dass der etwas hilflose Annäherungsversuch leider scheitern muss.



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Rodeldiplom für den Volkspark

Ein langer langer Hang in Flensburg – mit Ufo-Anbindung

Gerüchten zufolge soll es neben Mosern noch eine weitere Art geben, mit dem Winter in Überlange umzugehen. Dazu stellt man zunächst für einige Minuten die Schimpftirade ein, holt den bereits eingemotteten Schlitten aus dem Keller und fährt zum nächstmöglichen Berg. Und das ist in Schleswig-Holstein bekanntlich alles, was genug Gefälle hat, um den Schlitten ohne Anschubsen gleiten zu lassen.

In Flensburg versteckt sich eines der schönsten Rodelreviere im Volkspark auf dem Ostufer. Wir starten an einer Bank am Wanderweg hinter dem ufoförmigen Wasserturm: Unten erstreckt sich der Hang wunderbar lang und ohne Hindernisse. Rechts und links säumen Bäume die Strecke, im Hintergrund ist die ist die Förde zu erahnen. Schön ist es hier schonmal – doch langt das Gefälle?

Gleich am Anfang ist der Hang schön steil, doch der Schlitten rumpelt etwas zickig über die löchrige Oberfläche. Nach dem oberen Drittel aber zäsiert eine Eisbahn in der Mitte den Hang. Auf ihr geht es glatt und schnell hinunter. Wenn man denn drauf bleibt. Immer wieder rauscht der Schlitten von der Mitte in Richtung Baum, immer wieder muss man gegensteuern und eiern dann auf die gegenüberliegende Baumreihe zu. Die Bäume üben hier offensichtlich eine magnetische Wirkung auf den Schlitten aus, die man sicher noch wissenschaftlich näher untersuchen könnte. Einen praktischen Nebeneffekt hat das aber: Durch das Wedeln wird die Rodellänge mindestens verdoppelt.

 

Kurz-Infos:

  • Parken: Am Wasserturm in der Straße “Am Volkspark”, ob es eine Fluglinie mit dem Ufo gibt, konnte nicht ermittelt werden
  • Schwierigkeitsgrad: Mittel: Leichtes Gefälle, ausreichend Platz zum Ausgleiten
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Über schiefe Brücken musst du gehn…

Eine Runde um den Westerwerker See bei Flensburg

Ist das nun ein Weg oder nicht? Ein Trampelpfad zieht sich nahe der Uferlinie zwischen knorrigen Bäumen entlang. Rechts sehen wir das Wasser, von einer dünnen Eishaut überzogen. Links wuchert Dickicht im Schlamm - stellenweise aber auch Gestrüpp im Matsch. Immer wieder ducken wir uns unter tief hängenden Zweigen hindurch. Wir wollen den Westerwerker See zwischen Flensburg und Glücksburg umrunden. Doch der zeigt sich – ganz stilles Wasser – ein wenig distanziert. Zumindest Wanderern gegenüber, die einen ausgebauten Weg bevorzugen.

Der Westerwerker See und der nebenan liegende Roikier See sind zwei idyllische Waldseen nahe an der Flensburger Förde, künstlich angelegt durch Aufstauen kleinerer Bäche, die sich durch das Sumpfgebiet ziehen. Da wir für eine Wattwanderung schlecht ausgerüstet sind, versuchen wir es mit einem Kompromiss aus Nähe zum See und trockenen Füßen.

Der Trampelpfad führt uns an der Nordseite des Sees entlang. Wir erreichen eine Lichtung mit einem quietschgrünen Moosteppich und genießen den Blick auf das Wasser. Eisig und klar wirkt es. Der Pfad führt weiter hinab über das braune Laub des Herbstes hin zu ein paar Stöckern, die wie ein hölzerner Grill parallel über eine schlickige Matschepampe gelegt wurden. Diese Ansammlung als Brücke zu bezeichnen wäre ein Affront gegenüber anderen Überwegen. Wir nutzen sie trotzdem als eine solche. Die Stöcker sind glitschig, zwischen ihnen schmatzt der kalte Schlamm hervor, gierig den frisch geputzten Wildlederstiefeln entgegen.

Doch Land ist in Sicht. Auf der anderen Seite erwartet uns eine Hügelkuppe, von der aus man weit über den See blickt. Und erkennt, dass man auf einer trockenen Insel im Matsch gelandet ist. Der einzige Weg führt wieder über die Glitschestöcker.

Wir entscheiden uns nun dafür, den See etwas weiträumiger zu umkreisen. Jenseits des Schlamms findet sich ein weiterer Trampelpfad. Auch hier müssen wir immer wieder über Schlammkuhlen springen, über Baumstämme balancieren oder einen Umweg um das gesammelte Schlamassel nehmen. Doch wir gehen weiter – auch wenn die Landkarte zwei Bachläufe vor unserer Nase anzeigt.

Reißend ist das Wort, das einem beim Anblick des Rinnsälchens als letztes einfällt. Die Bäche plätschern so durch den Wald, verschwinden in ihren Betonröhren und plätschern auf anderer Seite weiter. Wir sind also wieder in von “Flurbereinigern” durchgeplantem Gebiet. Der breite Sandweg lässt dann auch nicht mehr lange auf sich warten.

Wir sind ein wenig enttäuscht. Kein Schlamm mehr, keine glitschigen Stämme über noch glitschigeren Modder. Dafür gehen wir schnurstracks auf den Roikiersee zu, auf dem sich zwei weiße Schwäne kitschig in Szene setzen. Wir trotten ein wenig müde weiter – und freuen uns, als sich nach rechts wieder die Möglichkeit ergibt, einen Trampelpfad einzuschlagen.

 

 

Kurz-Infos:

  • Streckenlänge: etwa fünf Kilometer
  • Schwierigkeit: mittel (Sand und Matschwege, etwas Steigung)
  • Anfahrt: Mit dem Auto von Flensburg in Richtung Glücksburg, parken beim ehemaligen Restaurant Quellental möglich
  • Verpflegung: Picknick sollte selbst mitgebracht werden. Das Restaurant Quellental ist geschlossen. Essen im Yachtclub möglich.

 

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Rodeldiplom für den Christiansenpark

Rodeln in Flensburg: Mal schön sanft – dann wieder schnell und voll

Wie von Zuckerwatte überzogen stehen ein paar verschneite Birken am Hang herum, die Sonne blitzt durch die Zweige: Der Christiansenpark in Flensburg zeigt sich von einer seiner schönsten Seiten. Am Hang gleiten lachend zwei kleine Mädchen mit ihrem quietschgelben Schlitten den sanften Hügel hinab.

Ich visiere gegen die Sonne, gegen das grelle Weiß: Direkt an den Birken ist der Hang am steilsten. Ich schwinge mich auf den etwas in die Jahre gekommenen Schlitten „Davos“ und gleite den Hügel hinab. Die Fahrt ist nicht rasant, aber schnell genug, um nicht einzuschlafen. Wir gleiten in den Tiefschnee aus und starten erneut: Sitzend, auf dem Bauch liegend… an dem leichten Hang kann man sich schöne Experimente erlauben.

Aber nur, wenn der Schnee noch frisch ist. Ein paar Tage später wurde der Rodelhang in eine passable Eispiste verwandelt. Der gleiche Hang, die gleiche Position – und doch wird die Fahrt ganz anders. Schneller. Und slalomartig. Denn am Wochenende ist der Rodelhang dicht bevölkert. Bunte Schneeanzüge mit wolligen Mützen sprenkeln die Piste. Zwischendurch kann man Kinder in der wattigen Verpackung erkennen.

Ein kleiner Schneeanzug rennt über die Piste. Schnell krache ich mit dem linken Bein in den eisigen Hang, um nach links auszuweichen. Doch der Schlitten hat jetzt so viel Fahrt drauf, dass er seitwärts, mit den Kufen quer zum Gefälle auf das Kind weiter zugleitet. Das einzige, was jetzt noch hilft: Die Textilbremse. Hose und Stiefel schliddern. Und der wattige Schneeanzug geht mitsamt Kind darin einen Schritt zur Seite. Der Crash ist abgewendet und die nächste Slalomfahrt kann beginnen.

 

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Gassigehen mit dem Schweinehund – Runde 4

Muss man denn immer einen Plan haben?

Auch für den Schweinehund ist der Neujahrstag das erste Wochenende im neuen Jahr immer ein schöner Anlass, sich unheimlich viel vorzunehmen. Mehr Chips essen, die Couch nicht so lange allein lassen und bloß nicht so viel laufen stehen ganz oben auf seiner Liste. Und weil es so unglaublich viele Laufbücher gibt, die einen Trainingsplan mit drei Einheiten pro Woche aufschwatzen wollen, hat sich der Schweinehund einen ganz eigenen Nicht-Trainingsplan zusammengestellt.

Das Lauftraining umfasst bislang eine ultralange Trainingseinheit am 30. Februar und eine Extra-Runde, wenn der HSV Meister wird. Mehr hat der Schweinehund noch nicht aufgeschrieben, weil er Pläne per se nicht mag. Eine perfekte Gelegenheit, ihm noch ein paar Termine unterzuschummeln (hehehe).

Dummerweise hat das Laufen einen Haken: Den Universalplan gibt es nicht. Es gibt kein Backrezept, das einem genau sagt, wie es gelingt. Ob man Morgenmuffel ist oder Frühaufsteher, ob man das Joggerparadies vor der Nase hat, ob man kleine Kinder betreuen muss oder die Arbeit kaum Zeit lässt – was man selbst schaffen kann und will, muss jeder selbst mit dem eigenen Terminplan aushandeln.

Doch es gibt ein paar Grundzutaten, die helfen könnten:

Man nehme…
… eine Prise Regelmäßigkeit.  Denn wer weniger als einmal in der Woche läuft, verliert irgendwann das Interesse.
… ein mittelfristiges realistisches Ziel. Eine halbe Stunde laufen ohne Gehpause zum Beispiel – oder sogar einen 10-Kilometer-Lauf.
…einen Zeitplan: vielleicht bis zum Wanderurlaub zu Ostern, bei dem man fit sein möchte oder bis zum Kite-Kurs im Sommer.
… Stift und Kalender. Es hilft, den Plan auszuformulieren und sich Termine einzutragen.
… am besten noch einen Freund, der regelmäßig mitläuft
… ein paar Motivationshilfen dann und wann: neue Laufschuhe vielleicht, eine hübsch zusammengestellte Playlist.

Dann plant man vom Ziel an rückwärts. Viele Trainingspläne in Literatur und Netz haben zehn Wochen mit je drei Runden auf dem Zettel, so wie dieser hier:

1. Woche Pensum: 3 x 16 Minuten – jeweils 2 Minuten Laufen und Gehen im Wechsel

2. Woche Pensum: 3x 15 – jeweils 3 Minuten Laufen und 2 Minuten Gehen im Wechsel

3. Woche Pensum: 3 x 16 Minuten – jeweils 3 Minuten Laufen und 1 Minute Gehen im Wechsel

4. Woche Pensum: 3 x 20 Minuten – jeweils 3 Minuten Laufen und 1 Minute Gehen im Wechsel

5. Woche Pensum: 3 x 20 Minuten – jeweils 4 Minuten Laufen und 1 Minute gehen im Wechsel

6. Woche Pensum: 3 x 24 – jeweils 5 Minuten Laufen und 1 Minute gehen im Wechsel

7. Woche Pensum: 3 x 24 – jeweils 7 Minuten Laufen und 1 Minute Gehen im Wechsel

8. Woche Pensum: 3 x 27 Minuten – jeweils 8 Minuten Laufen und eine Minute im Wechsel

9. Woche Pensum: 3 x 30 Minuten – jeweils 14 Minuten Laufen und dazwischen 2 Minuten Gehen

10. Woche Pensum: 3 x 30 Minuten – jeweils 30 Minuten lockerer Dauerlauf ohne Pause

Quelle: joggen-online.de

 

 

Seinen Plan muss man jetzt noch dem Schweinehund verkaufen. Vielleicht klappt das mit einem Kompromiss: Die Trainingseinheit am 30. Februar fällt aus - und die gefürchtete Extrarunde wird erst fällig, wenn keiner mehr Witze über den HSV reißt.

Rodeldiplom für die Moorteichwiese (da hat sie was eigenes)

Einer der schönsten Rodelberge im Raum Kiel

Die Enten haben vorsorglich ihren Teich geräumt. Nicht nur der Winter vertreibt sie von dem kleinen Gewässer der Moorteichwiese, auf dem sich eine Eishaut von außen in Richtung Teichmitte zuzieht. Auch erscheint der Aufenthalt auf dem Wasser bei Schnee besonders gefährlich. Denn an der großen, weißen Wiese ist ein hoher, steiler Hang. An den Moorteichwiesen in Kiel ist im Winter einer der beliebtesten Rodelhänge der Landeshauptstadt. Die weiße Schneedecke ist bunt gesprenkelt: Kinder in roten, blauen und rosa Schneeanzügen, grüne Rodel-Teller und ein Schneemann mit orangefarbener Nase.

Über zwei Pisten geht es hinab: Die steilere Strecke über die Hundewiese geben wir schnell auf, denn eingefrorene Maulwurfhügel verwandeln sie in eine ungemütliche Buckelpiste. Die Bahn an der alten Brauereiruine ist etwas komfortabler. Der obere Teil des Hangs ist für den Start des hölzernen Renn-Schlitten “Davos” allerdings nicht steil genug. Nur langsam bequemt sich das Gelände hinunter zur Moor/Enten-Teichwiese. Auf etwa zwei Dritteln Höhe jedoch stürzt sich der Hang todesmutig hinunter. Der beste Ort, um “Davos” den Rost von den Kufen zu wischen. Der Schlitten startet mit leichtem Stottern – ein bisschen zu viel Tiefschnee bremst die 1,2 Meter pures Rennholz aus. Doch dort, wo die Stecke von den vielen Kindern schon gut befahren ist, zeigt “Davos”, was er unter der Haube hat. Leider hat der Schlitten keinen Tacho, aber gefühlt kommt man auf die Geschwindigkeit einer Silbermöwe im Anflug auf eine Fischbrötchenhälfte. Herrje! Reflexartig schiebe ich die Hacken in die Eisschneepiste. Bremsen: Check. Vorsichtig hieve ich die Fußbremsen wieder auf “Davos” und rase weiter den Hang hinab. Den stellenweise etwas unebenen Hang.

“Davos” buckelt. Ein paar Fußgänger schleichen am Fuße des Rodelhangs über den Spazierweg, der neben dem Ententeich entlang und über eine Brücke darüber führt. “Davos” nimmt noch einmal etwas Anlauf. Die Fußgänger – weniger vorsorglich als die Enten -  schleichen direkt in seine Bahn. Ich bemühe noch einmal die Fußbremse. Der Spazierweg erweist sich als letzter Hubbel, über den man wie über eine Mini-Rampe in die Ebene kommt. Zum Glück sind es noch einige Meter Wiese bis zum Wasser, so dass “Davos” sanft ausgleitet.

Wir stoppen drei Schlittenlängen vor dem Ententeich. Jetzt erweist es sich als Vorteil, dass der Hang nicht allzu lang ist, denn das Hochlaufen ist an der steilen Piste etwas mühselig und rutschig. Am Rande ist noch genug Tiefschnee, um etwas Halt zu finden. “Davos” und ich trotten mit der Geschwindigkeit einer orientierungslosen Taube in der Fußgängerzone den Berg hinauf. Bei der nächsten Abfahrt müssen weder die Bremsen gecheckt werden, noch schleichen Fußgänger vorbei. “Davos” wird immer schneller. Zu schnell für meinen Geschmack und zu schnell, um noch lange nach einer Ausrede fürs Bremsen zu suchen. Was soll’s… Ich pflüge mit den Füßen durch die Eisschneepiste. Diesmal schaffen wir es gerade eben auf den Fußweg, um dort völlig den Schwung zu verlieren. Der Weg vom Hacken-Stopp zu Hackel-Schorsch ist wohl noch lang…

Das Rodeldiplom für die Moorteichwiese:

Die Piste an der Brauerei ist wesentlich schöner: Links formt eine kleine Kuhle ein Hindernis, in der Mitte bringt die gut ausgefahrene Bahn viel Geschwindigkeit und ganz rechts, wo einem immer wieder plötzlich das Gebüsch in den Weg läuft, ist die Abfahrt etwas buckelig. Insgesamt hat erreicht man beim Hang eine schön schnelle Geschwindigkeit. Das Gefälle ist mit etwa 30 Grad recht steil, gleitet aber am Ende schön aus. Die rodelbare Piste ist mit (schlecht geschätzten) 50 Metern lang genug, um über Möwen und Fischbrötchen zu sinnieren. Hindernisse gibt es kaum.

Die Piste auf der Hundewiese ist steiler und breiter: Holzklötze begrenzen rechts die Abfahrt. Links ist es etwa 45 Grad steil, das Gefälle gleitet aber am Ende aus. Die Piste ist leider etwas buckelig und uneben.

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