Rodeldiplom für den Volkspark

Ein langer langer Hang in Flensburg – mit Ufo-Anbindung

Gerüchten zufolge soll es neben Mosern noch eine weitere Art geben, mit dem Winter in Überlange umzugehen. Dazu stellt man zunächst für einige Minuten die Schimpftirade ein, holt den bereits eingemotteten Schlitten aus dem Keller und fährt zum nächstmöglichen Berg. Und das ist in Schleswig-Holstein bekanntlich alles, was genug Gefälle hat, um den Schlitten ohne Anschubsen gleiten zu lassen.

In Flensburg versteckt sich eines der schönsten Rodelreviere im Volkspark auf dem Ostufer. Wir starten an einer Bank am Wanderweg hinter dem ufoförmigen Wasserturm: Unten erstreckt sich der Hang wunderbar lang und ohne Hindernisse. Rechts und links säumen Bäume die Strecke, im Hintergrund ist die ist die Förde zu erahnen. Schön ist es hier schonmal – doch langt das Gefälle?

Gleich am Anfang ist der Hang schön steil, doch der Schlitten rumpelt etwas zickig über die löchrige Oberfläche. Nach dem oberen Drittel aber zäsiert eine Eisbahn in der Mitte den Hang. Auf ihr geht es glatt und schnell hinunter. Wenn man denn drauf bleibt. Immer wieder rauscht der Schlitten von der Mitte in Richtung Baum, immer wieder muss man gegensteuern und eiern dann auf die gegenüberliegende Baumreihe zu. Die Bäume üben hier offensichtlich eine magnetische Wirkung auf den Schlitten aus, die man sicher noch wissenschaftlich näher untersuchen könnte. Einen praktischen Nebeneffekt hat das aber: Durch das Wedeln wird die Rodellänge mindestens verdoppelt.

 

Kurz-Infos:

  • Parken: Am Wasserturm in der Straße “Am Volkspark”, ob es eine Fluglinie mit dem Ufo gibt, konnte nicht ermittelt werden
  • Schwierigkeitsgrad: Mittel: Leichtes Gefälle, ausreichend Platz zum Ausgleiten
    Outdoor im Norden auf einer größeren Karte anzeigen 

Über schiefe Brücken musst du gehn…

Eine Runde um den Westerwerker See bei Flensburg

Ist das nun ein Weg oder nicht? Ein Trampelpfad zieht sich nahe der Uferlinie zwischen knorrigen Bäumen entlang. Rechts sehen wir das Wasser, von einer dünnen Eishaut überzogen. Links wuchert Dickicht im Schlamm - stellenweise aber auch Gestrüpp im Matsch. Immer wieder ducken wir uns unter tief hängenden Zweigen hindurch. Wir wollen den Westerwerker See zwischen Flensburg und Glücksburg umrunden. Doch der zeigt sich – ganz stilles Wasser – ein wenig distanziert. Zumindest Wanderern gegenüber, die einen ausgebauten Weg bevorzugen.

Der Westerwerker See und der nebenan liegende Roikier See sind zwei idyllische Waldseen nahe an der Flensburger Förde, künstlich angelegt durch Aufstauen kleinerer Bäche, die sich durch das Sumpfgebiet ziehen. Da wir für eine Wattwanderung schlecht ausgerüstet sind, versuchen wir es mit einem Kompromiss aus Nähe zum See und trockenen Füßen.

Der Trampelpfad führt uns an der Nordseite des Sees entlang. Wir erreichen eine Lichtung mit einem quietschgrünen Moosteppich und genießen den Blick auf das Wasser. Eisig und klar wirkt es. Der Pfad führt weiter hinab über das braune Laub des Herbstes hin zu ein paar Stöckern, die wie ein hölzerner Grill parallel über eine schlickige Matschepampe gelegt wurden. Diese Ansammlung als Brücke zu bezeichnen wäre ein Affront gegenüber anderen Überwegen. Wir nutzen sie trotzdem als eine solche. Die Stöcker sind glitschig, zwischen ihnen schmatzt der kalte Schlamm hervor, gierig den frisch geputzten Wildlederstiefeln entgegen.

Doch Land ist in Sicht. Auf der anderen Seite erwartet uns eine Hügelkuppe, von der aus man weit über den See blickt. Und erkennt, dass man auf einer trockenen Insel im Matsch gelandet ist. Der einzige Weg führt wieder über die Glitschestöcker.

Wir entscheiden uns nun dafür, den See etwas weiträumiger zu umkreisen. Jenseits des Schlamms findet sich ein weiterer Trampelpfad. Auch hier müssen wir immer wieder über Schlammkuhlen springen, über Baumstämme balancieren oder einen Umweg um das gesammelte Schlamassel nehmen. Doch wir gehen weiter – auch wenn die Landkarte zwei Bachläufe vor unserer Nase anzeigt.

Reißend ist das Wort, das einem beim Anblick des Rinnsälchens als letztes einfällt. Die Bäche plätschern so durch den Wald, verschwinden in ihren Betonröhren und plätschern auf anderer Seite weiter. Wir sind also wieder in von “Flurbereinigern” durchgeplantem Gebiet. Der breite Sandweg lässt dann auch nicht mehr lange auf sich warten.

Wir sind ein wenig enttäuscht. Kein Schlamm mehr, keine glitschigen Stämme über noch glitschigeren Modder. Dafür gehen wir schnurstracks auf den Roikiersee zu, auf dem sich zwei weiße Schwäne kitschig in Szene setzen. Wir trotten ein wenig müde weiter – und freuen uns, als sich nach rechts wieder die Möglichkeit ergibt, einen Trampelpfad einzuschlagen.

 

 

Kurz-Infos:

  • Streckenlänge: etwa fünf Kilometer
  • Schwierigkeit: mittel (Sand und Matschwege, etwas Steigung)
  • Anfahrt: Mit dem Auto von Flensburg in Richtung Glücksburg, parken beim ehemaligen Restaurant Quellental möglich
  • Verpflegung: Picknick sollte selbst mitgebracht werden. Das Restaurant Quellental ist geschlossen. Essen im Yachtclub möglich.

 

 ; Outdoor im Norden auf einer größeren Karte anzeigen 

Rodeldiplom für den Christiansenpark

Rodeln in Flensburg: Mal schön sanft – dann wieder schnell und voll

Wie von Zuckerwatte überzogen stehen ein paar verschneite Birken am Hang herum, die Sonne blitzt durch die Zweige: Der Christiansenpark in Flensburg zeigt sich von einer seiner schönsten Seiten. Am Hang gleiten lachend zwei kleine Mädchen mit ihrem quietschgelben Schlitten den sanften Hügel hinab.

Ich visiere gegen die Sonne, gegen das grelle Weiß: Direkt an den Birken ist der Hang am steilsten. Ich schwinge mich auf den etwas in die Jahre gekommenen Schlitten „Davos“ und gleite den Hügel hinab. Die Fahrt ist nicht rasant, aber schnell genug, um nicht einzuschlafen. Wir gleiten in den Tiefschnee aus und starten erneut: Sitzend, auf dem Bauch liegend… an dem leichten Hang kann man sich schöne Experimente erlauben.

Aber nur, wenn der Schnee noch frisch ist. Ein paar Tage später wurde der Rodelhang in eine passable Eispiste verwandelt. Der gleiche Hang, die gleiche Position – und doch wird die Fahrt ganz anders. Schneller. Und slalomartig. Denn am Wochenende ist der Rodelhang dicht bevölkert. Bunte Schneeanzüge mit wolligen Mützen sprenkeln die Piste. Zwischendurch kann man Kinder in der wattigen Verpackung erkennen.

Ein kleiner Schneeanzug rennt über die Piste. Schnell krache ich mit dem linken Bein in den eisigen Hang, um nach links auszuweichen. Doch der Schlitten hat jetzt so viel Fahrt drauf, dass er seitwärts, mit den Kufen quer zum Gefälle auf das Kind weiter zugleitet. Das einzige, was jetzt noch hilft: Die Textilbremse. Hose und Stiefel schliddern. Und der wattige Schneeanzug geht mitsamt Kind darin einen Schritt zur Seite. Der Crash ist abgewendet und die nächste Slalomfahrt kann beginnen.

 

  Outdoor im Norden auf einer größeren Karte anzeigen 

 

Gassigehen mit dem Schweinehund – Runde 4

Muss man denn immer einen Plan haben?

Auch für den Schweinehund ist der Neujahrstag das erste Wochenende im neuen Jahr immer ein schöner Anlass, sich unheimlich viel vorzunehmen. Mehr Chips essen, die Couch nicht so lange allein lassen und bloß nicht so viel laufen stehen ganz oben auf seiner Liste. Und weil es so unglaublich viele Laufbücher gibt, die einen Trainingsplan mit drei Einheiten pro Woche aufschwatzen wollen, hat sich der Schweinehund einen ganz eigenen Nicht-Trainingsplan zusammengestellt.

Das Lauftraining umfasst bislang eine ultralange Trainingseinheit am 30. Februar und eine Extra-Runde, wenn der HSV Meister wird. Mehr hat der Schweinehund noch nicht aufgeschrieben, weil er Pläne per se nicht mag. Eine perfekte Gelegenheit, ihm noch ein paar Termine unterzuschummeln (hehehe).

Dummerweise hat das Laufen einen Haken: Den Universalplan gibt es nicht. Es gibt kein Backrezept, das einem genau sagt, wie es gelingt. Ob man Morgenmuffel ist oder Frühaufsteher, ob man das Joggerparadies vor der Nase hat, ob man kleine Kinder betreuen muss oder die Arbeit kaum Zeit lässt – was man selbst schaffen kann und will, muss jeder selbst mit dem eigenen Terminplan aushandeln.

Doch es gibt ein paar Grundzutaten, die helfen könnten:

Man nehme…
… eine Prise Regelmäßigkeit.  Denn wer weniger als einmal in der Woche läuft, verliert irgendwann das Interesse.
… ein mittelfristiges realistisches Ziel. Eine halbe Stunde laufen ohne Gehpause zum Beispiel – oder sogar einen 10-Kilometer-Lauf.
…einen Zeitplan: vielleicht bis zum Wanderurlaub zu Ostern, bei dem man fit sein möchte oder bis zum Kite-Kurs im Sommer.
… Stift und Kalender. Es hilft, den Plan auszuformulieren und sich Termine einzutragen.
… am besten noch einen Freund, der regelmäßig mitläuft
… ein paar Motivationshilfen dann und wann: neue Laufschuhe vielleicht, eine hübsch zusammengestellte Playlist.

Dann plant man vom Ziel an rückwärts. Viele Trainingspläne in Literatur und Netz haben zehn Wochen mit je drei Runden auf dem Zettel, so wie dieser hier:

1. Woche Pensum: 3 x 16 Minuten – jeweils 2 Minuten Laufen und Gehen im Wechsel

2. Woche Pensum: 3x 15 – jeweils 3 Minuten Laufen und 2 Minuten Gehen im Wechsel

3. Woche Pensum: 3 x 16 Minuten – jeweils 3 Minuten Laufen und 1 Minute Gehen im Wechsel

4. Woche Pensum: 3 x 20 Minuten – jeweils 3 Minuten Laufen und 1 Minute Gehen im Wechsel

5. Woche Pensum: 3 x 20 Minuten – jeweils 4 Minuten Laufen und 1 Minute gehen im Wechsel

6. Woche Pensum: 3 x 24 – jeweils 5 Minuten Laufen und 1 Minute gehen im Wechsel

7. Woche Pensum: 3 x 24 – jeweils 7 Minuten Laufen und 1 Minute Gehen im Wechsel

8. Woche Pensum: 3 x 27 Minuten – jeweils 8 Minuten Laufen und eine Minute im Wechsel

9. Woche Pensum: 3 x 30 Minuten – jeweils 14 Minuten Laufen und dazwischen 2 Minuten Gehen

10. Woche Pensum: 3 x 30 Minuten – jeweils 30 Minuten lockerer Dauerlauf ohne Pause

Quelle: joggen-online.de

 

 

Seinen Plan muss man jetzt noch dem Schweinehund verkaufen. Vielleicht klappt das mit einem Kompromiss: Die Trainingseinheit am 30. Februar fällt aus - und die gefürchtete Extrarunde wird erst fällig, wenn keiner mehr Witze über den HSV reißt.

Rodeldiplom für die Moorteichwiese (da hat sie was eigenes)

Einer der schönsten Rodelberge im Raum Kiel

Die Enten haben vorsorglich ihren Teich geräumt. Nicht nur der Winter vertreibt sie von dem kleinen Gewässer der Moorteichwiese, auf dem sich eine Eishaut von außen in Richtung Teichmitte zuzieht. Auch erscheint der Aufenthalt auf dem Wasser bei Schnee besonders gefährlich. Denn an der großen, weißen Wiese ist ein hoher, steiler Hang. An den Moorteichwiesen in Kiel ist im Winter einer der beliebtesten Rodelhänge der Landeshauptstadt. Die weiße Schneedecke ist bunt gesprenkelt: Kinder in roten, blauen und rosa Schneeanzügen, grüne Rodel-Teller und ein Schneemann mit orangefarbener Nase.

Über zwei Pisten geht es hinab: Die steilere Strecke über die Hundewiese geben wir schnell auf, denn eingefrorene Maulwurfhügel verwandeln sie in eine ungemütliche Buckelpiste. Die Bahn an der alten Brauereiruine ist etwas komfortabler. Der obere Teil des Hangs ist für den Start des hölzernen Renn-Schlitten “Davos” allerdings nicht steil genug. Nur langsam bequemt sich das Gelände hinunter zur Moor/Enten-Teichwiese. Auf etwa zwei Dritteln Höhe jedoch stürzt sich der Hang todesmutig hinunter. Der beste Ort, um “Davos” den Rost von den Kufen zu wischen. Der Schlitten startet mit leichtem Stottern – ein bisschen zu viel Tiefschnee bremst die 1,2 Meter pures Rennholz aus. Doch dort, wo die Stecke von den vielen Kindern schon gut befahren ist, zeigt “Davos”, was er unter der Haube hat. Leider hat der Schlitten keinen Tacho, aber gefühlt kommt man auf die Geschwindigkeit einer Silbermöwe im Anflug auf eine Fischbrötchenhälfte. Herrje! Reflexartig schiebe ich die Hacken in die Eisschneepiste. Bremsen: Check. Vorsichtig hieve ich die Fußbremsen wieder auf “Davos” und rase weiter den Hang hinab. Den stellenweise etwas unebenen Hang.

“Davos” buckelt. Ein paar Fußgänger schleichen am Fuße des Rodelhangs über den Spazierweg, der neben dem Ententeich entlang und über eine Brücke darüber führt. “Davos” nimmt noch einmal etwas Anlauf. Die Fußgänger – weniger vorsorglich als die Enten -  schleichen direkt in seine Bahn. Ich bemühe noch einmal die Fußbremse. Der Spazierweg erweist sich als letzter Hubbel, über den man wie über eine Mini-Rampe in die Ebene kommt. Zum Glück sind es noch einige Meter Wiese bis zum Wasser, so dass “Davos” sanft ausgleitet.

Wir stoppen drei Schlittenlängen vor dem Ententeich. Jetzt erweist es sich als Vorteil, dass der Hang nicht allzu lang ist, denn das Hochlaufen ist an der steilen Piste etwas mühselig und rutschig. Am Rande ist noch genug Tiefschnee, um etwas Halt zu finden. “Davos” und ich trotten mit der Geschwindigkeit einer orientierungslosen Taube in der Fußgängerzone den Berg hinauf. Bei der nächsten Abfahrt müssen weder die Bremsen gecheckt werden, noch schleichen Fußgänger vorbei. “Davos” wird immer schneller. Zu schnell für meinen Geschmack und zu schnell, um noch lange nach einer Ausrede fürs Bremsen zu suchen. Was soll’s… Ich pflüge mit den Füßen durch die Eisschneepiste. Diesmal schaffen wir es gerade eben auf den Fußweg, um dort völlig den Schwung zu verlieren. Der Weg vom Hacken-Stopp zu Hackel-Schorsch ist wohl noch lang…

Das Rodeldiplom für die Moorteichwiese:

Die Piste an der Brauerei ist wesentlich schöner: Links formt eine kleine Kuhle ein Hindernis, in der Mitte bringt die gut ausgefahrene Bahn viel Geschwindigkeit und ganz rechts, wo einem immer wieder plötzlich das Gebüsch in den Weg läuft, ist die Abfahrt etwas buckelig. Insgesamt hat erreicht man beim Hang eine schön schnelle Geschwindigkeit. Das Gefälle ist mit etwa 30 Grad recht steil, gleitet aber am Ende schön aus. Die rodelbare Piste ist mit (schlecht geschätzten) 50 Metern lang genug, um über Möwen und Fischbrötchen zu sinnieren. Hindernisse gibt es kaum.

Die Piste auf der Hundewiese ist steiler und breiter: Holzklötze begrenzen rechts die Abfahrt. Links ist es etwa 45 Grad steil, das Gefälle gleitet aber am Ende aus. Die Piste ist leider etwas buckelig und uneben.

  Outdoor im Norden auf einer größeren Karte anzeigen 

 

Schnitzeljagd mit Robben

Geocaching – mit GPS zum Geheimversteck

Irgendeine Holzplattform mit Blick auf irgendein schönes Naturschutzgebiet. Irgendwo in irgendeinem nördlichsten (und schönsten) Bundesland. Hier muss er sein, der kleine geheime Schatz, an dieser Holzkonstruktion versteckt. Die Koordinaten stimmen zumindest. Irgendwie.

Warum so vage? Der sogenannte Cacher hat es – ebenso wie der scheue Bodenbrüter – nicht gern, wenn sein Nest – äähm Versteck – verraten wird. Schließlich hat er mit der Aufopferung eines Brutvogels eine kleine Plastikdose in die Natur entlassen. Hat sie platziert und getarnt, hat sie mit einem kleinen Logbuch versehen und meist auch mit einem Stift. Hat ihre GPS-Koordinaten ermittelt und sie dann auf einer Internetplattform zur Jagd freigegeben.

Eine moderne Form der Schnitzeljagd quasi. Nur dass man nicht wie in Kindertagen eine Holzkiste mit diesen zahnziehenden Süßigkeiten in Goldtaler-Form findet, die eigentlich niemand so wirklich mag, die sich aber aus optischen Gründen auf Geburtstagsfeiern mit Schatzsuche durchgesetzt haben. Sondern man stößt auf alle möglichen Formen von Plastikdosen: Alte Brausetablettenröhrchen, Frischhaltedosen etc – Hauptsache wasserdicht und ohne Naschkram.

Auch hier, an genau dieser Plattform soll eine sein. Ich umschleiche die Holzkonstruktion wie ein Hund, der vorhat, sich hinzulegen. Zu sehen: Viel Natur, viel Holz, kein Cache. Ein paar Sitzbänke sehen vielversprechend aus. Unter ihnen wird gern mal eine Dose angebracht. So dass Touristen sich beinahe darauf setzen, ohne zu wissen, dass sich unter ihnen ein kleiner Geheimschatz befindet. Der Cacher findet so etwas lustig. Zum Glück hat sich an diesem ebenso grauen wie kalten Tag niemand sonst in diese Einsamkeit gewagt. Sonst hätte er ein etwas merkwürdiges Schauspiel der Cacher-Natur erleben können. Da setzt sich jemand auf eine Holzbank, beugt sich vor und linst einmal drunter, nur um sich auf die Bank direkt daneben zu setzen und auch noch einmal unter diese zu gucken. Bis er alle Bänke einmal “besessen” hat. Nur um dann wieder um die Plattform herumzulaufen. Denn unter den Bänken war nichts.

So einfach wird einem die Suche nun auch wieder nicht gemacht. Nachdem man sich auf einer Internet-Landkarte so in etwa herausgesucht hat, wo man hinmöchte, geht die eigentliche Suche erst los. Über eine App auf dem Smartphone, ein GPS-Gerät oder ein Navi nähert man sich dem Ziel. Immer mehr stimmen die Koordinaten auf dem Gerät mit denen aus dem Internet überein – dort findet man dann das Versteck.

Nur offenbar diesmal nicht, denke ich, als ich jeden Spalt der Plattform proktologisch untersucht habe und auch schon mit gelegentlichem arachnophobischen Schaudern unter der Plattform herumgetastet habe. Ein Metallträger erregt meine Aufmerksamkeit. Magnetisch sind die Caches auch gerne mal. Dazu legt der Besitzer Dose einen Magneten auf die Tupperware und umwickelt sie mit dreilagigem Panzertape.

Vor der Plattform knieend ergibt die nähere Untersuchung des Metalls zwar nichts, bietet aber den Blick auf weißes Plastik im Holzparadies. Ein Fremdkörper - wie eine Barbiepuppe in der Waldorf-Kita. Der kann unmöglich eben schon da gewesen sein, dann hätte ich ihn doch schon längst entdeckt bei der Inspektion. Der Haken nur: Die Dose hängt mitten unter dem Fußboden der Plattform, etwa fünf Armlängen entfernt. Die Holzkonstruktion ist aber nur höchstens 20 Zentimeter hoch und ich bin keine fünfarmige Flunder. Mein erster spontaner Gedanke lautet: Hä?

Doch ich habe ja eine sehr genaue Ortskenntnis. An einer Seite ist die Plattform etwas höher über dem Boden. Und wenn man genauer hinsieht, sieht man dort auch komische Spuren im Sand unter dem Holz. Trotzdem bietet der Spalt nicht genug Platz zum Krabbeln. Die einzige Möglichkeit ist es, sich auf dem Rücken fast bis zum Versteck zu robben. Auf kaltem – zum Glück trockenem – Sand.

Spätestens hier würden Cacher mit Reichlichkeitsfimmel aufgeben. Doch die meisten sind nerdig by nature und lassen sich eine erspähte Dose nicht mehr entgehen. Und so folgt auf das Bankbücken noch das Rückenrobben als sportliche Übung. Da die Plattform zu niedrig ist, um sich mit angewinkelten Knien weiterzuschieben, muss man die Schulterblätter quasi als Beine nutzen. Und so schlängele ich mich mit immer einer Handbreit Luft über der Nase so weit vor, dass ich die Dose ertasten kann. Ihr Schraubverschlussdeckel ist am Holz befestigt und man kann sie mit ein paar Windungen losdrehen. Ich zupfe den Log-Zettel heraus, auf dem man sich quasi als Fund-Beleg verewigt. Ansonsten ist die Dose leer. Ich taste nach dem Stift in der Jackentasche, den man als erfahrener Cacher immer dabei hat. Dabei haben sollte. Mist, er muss noch im Rucksack sein. Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Schulterblättern haben…

Kurz-Infos

  • Zum Geocachen braucht man ein GPS-fähiges Gerät und möglichst einen Internet-Zugang
  • Mehr Infos auf www.geocaching.com

Gans nah an Sylt

Deichwanderung zwischen dänischer Grenze und Hindenburgdamm

Leuchtend blau hebt sich die Rückenwolle vom Bodenfeudelweiß des dicken Schafes ab, das ein wenig windschief am Deich steht. Saftig grün ist der Deich, silber glitzert die Nordsee. Eine weiße Fähre schleicht von Römö nach Sylt. Wenn das graue Nebeldickicht sich lichtet, spielt die Küstenlandschaft zwischen dem Hindenburgdamm und der dänischen Grenze ihre Farbpalette in kühlem Herbstlicht aus.

Während auf Sylt Touristen zwischen Hotels und Postkartenständern umherschlurfen, ist nördlichste Streifen des Festlands nahezu unbesucht. Ein wuschelbärtiger Mann stiert durch ein schwarzweißes Teleobjektiv auf die schwarzweißen Gänse, die sich im Rickelsbüller Koog zum Flashmob versammelt haben. Eine wettergegerbte Dame mit Strickstirnband schleift ein paar Nordic-Walking-Stöcke kratzend über den Weg. Ansonsten hat sich niemand an den Deich verirrt.

Doch, wir. Wir erkunden die Strecke vom nördlichsten Punkt an der deutschen Festlandküste aus. Ein großer Parkplatz mit Infotafelhäuschen zeugt von Spuren touristischen Lebens. Leider kann man die Expedition am Meer nur auf dem Weg nach Süden starten. In Richtung Norden steht ein Zaun und dahinter beginnt Dänemark, beginnt das abgesperrte Naturschutzgebiet, das man nur mit feudelweißer Rückenwolle beteten darf.

Wir erklimmen den Gebirgszug namens Deich und haben die Wanderstrecke auch schon überblickt. Rechts und links des Deichs hat der Friese ein wenig unbeholfen Wege aus Teer mit groben Löchern angelegt, die von Schafen und Gänsen in mühevoller Kleinarbeit verfüllt werden. Auf dem Grat des Deichs haben Schafe einen idyllischen Pfad mit hervorragendem Ausblick ausgearbeitet. Links: Der Koog mit See und Salzwiesen voller Vögel. Ein Kaninchen schreckt auf und wetzt mit angelegten Ohren über einen Grasdamm zwischen den Feuchtgebieten. In der Ferne drehen sich Windräder. Rechts: Das Grün der Landgewinnung mit – was sonst – Scharen von Gänsen darauf. Dahinter die Nordsee (heute beehrt sie uns mit ihrer Anwesenheit) und in der Ferne Sylt.

Mit diesen herrlichen Ausblicken wandern wir am Deich entlang. Immer näher kommen wir dem Hindenburgdamm, auf dem die Züge in Richtung Sylt rauschen. Schon aus der Ferne hört man sie.

Der Weg am Deich endet, wie er begonnen hat: Mit einem Zaun und einer Herde Schafe. Ein Schäfer kommt im schwarzen Geländewagen angekurvt, lehnt sich aus dem Seitenfenster und zählt die Tiere. Mit ihrer unendlichen Gelassenheit stehen sie vor dem Gatter zu den Schienen und kauen ihr grünes Gras. Ein blauer Syltzug rauscht vorbei, tosend, lärmend, wegabschneidend. Wer die Wanderung fortsetzen möchte, muss auf dem Weg entlang der Schienen ins Landesinnere gehen. In Richtung Sylt oder am Deich entlang geht es nicht weiter. Wir drehen um, denn die Runde über das Festland ist uns zu weit. Und auch ohne zu zählen vermuten wir, dass dort weniger Schafe stehen.

 

 

Kurz-Infos:

  • Streckenlänge: etwa acht Kilometer
  • Schwierigkeit: leicht (Teer und Gras, etwas Steigung)
  • Alternativ: Einmal um den Rickelsbüller Koog (etwa 13 Kilometer)
  • Anfahrt: Mit dem Auto bis nach Neudorf, dann die K68 Richtung Dänemark
  • Verpflegung: Picknick sollte selbst mitgebracht werden. Das (einzige!) Café Zollhaus hat an Werktagen geschlossen.
  • Alternativ: Auch als Jogging- oder Radstrecke möglich. Für Inliner ist der Teer zu schlecht.
  Outdoor im Norden auf einer größeren Karte anzeigen 

 

Gassigehen mit dem Schweinehund – Runde 3

Tapetenwechsel im Laufwald

Er hat sich mal wieder völlig überraschend angeschlichen. Wie nur sollte man jemals damit rechnen, das es *ausgerechnet* Mitte/Ende Oktober Herbst wird. Na gut, die Vögel sind schon seit einiger Zeit dabei, ihre V-Formationen zu proben wie eine Römische Legion im Asterix-Comic. Die Bäume legen die Mode-Farbe Grün ab, ziehen feuriges Rot, leuchtendes gelb, erdiges Braun – und schließlich einen Hauch von Nichts vor. Die Pilze spießen wie Szene-Cafés aus dem Boden. Und die Jogger tragen Mützen, Handschuhe und eine spritzige Schlamm-Patina am Hosensaum.

Wenn sie denn laufen.

 

Es gibt viele Gründe, das Laufen genau jetzt einzustellen. Ewige Dunkelheit, glitschiger Matsch und diese Kälte! Dem nie um Ausreden verlegenen Schweinehund behagt das Joggen kaum noch.

Doch es gibt viel mehr Gründe, das Laufen genau jetzt nicht aufzugeben: Der Lieblingslaufwald wird jetzt nie langweilig. Das satte Grün hat man sich doch irgendwann satt gesehen und freut sich, wenn die Blätter gelb hinabrieseln wie Konfetti. Wenn leichter Bodennebel gespenstisch über der Lichtung wabert. Wenn eine letzte sture Seerose ebenso tapfer wie rosa auf dem Teich blüht. Und wenn der aufgeweichte Boden bei jedem Schritt schmatzt und gluckert.

Ein weiterer Grund für den Herbstlauf: Wer jetzt weiter macht, hält vielleicht sogar den Winter über durch und muss dann im Frühjahr nicht schon wieder anfangen mit dem Neuanfang. Es wäre doch zu nervig, wenn man sich dann schon wieder durch die ganzen halb aufgewärmten Artikel zu “Weg mit dem Winterspeck” und ”Nur noch x Monate bis zur Bikini-Figur” quälen müsste. Oder: “So werden sie ruckzuck Ihre Pfunde los!”. Aaarrgh! Lieber ruckzuck losrennen. Genau jetzt.

Villen, Wälle und Wasservögel

Eine Runde um den Einfelder See in Neumünster

Die Möwen sehen alle aus, als ob sie die Meisterschaften im Pfahlsitzen austragen. Jede lungert beharrlich auf ihrem Holzpflock im Einfelder See, lässt sich vom Regenschauer abduschen und vom Wind zerzausen. Das anthrazitfarbene Wasser kräuselt sich um die Ringe herum, die die dicken Tropfen hinterlassen. Das graumelierte T-Shirt eines Joggers klebt durchnässt an der Haut.

Etwa acht Kilometer muss man zurücklegen, um den Einfelder See bei Neumünster einmal zu umrunden – und man kann sich an einem solch wechselhaften Nachmittag sicher sein, dass man mindestens einmal tropfnass wird. Zum Glück perlt das meiste an Schirm und dicker Regenjacke ab.

Wir starten am hochgelegenen Seeparkplatz an der Kieler Straße, von dem aus man schon einmal einen groben Überblick über das Gewässer bekommt. Eine steile Treppe führt zum Badestrand herunter. 1989 haben sich hier einige Künstler zusammen getan und Steinskulpturen aufgestellt. Die harten Brocken erinnern an Segelboote und Wale.

Wir gehen links herum an den vielen Bootshäusern vorbei. Der Kanuclub, der Segelverein und der Ruderclub reihen sich hier aneinander. Dazwischen sind immer wieder kleine Plantschbuchten mit Spielplätzen oder Möglichkeiten, das Surfbrett zu wässern.

Die Westcoast des Sees gehört hingegen den Vögeln. Die Villen Einfelds enden hier und die Top-Immobilien bestehen aus mühevoll zusammensteckten und guanoimprägnierten Stöcken und Federschmuck. Durch Bäume und Schilf wird immer wieder der Blick auf den See frei, auf harrende Möwen oder auf Gänse im Tiefflug.

Auf der anderen Seite des Wanderwegs sind weite Felder und Obstbäume zu sehen. Die historische Wallburg “Margarethenschanze” wurde von Eichen eingenommen. Der Ringwall zeugt davon, dass lange bevor Neumünster gegründet wurde, hier schon eine Burg zwischen Sumpf und See stand.

Die Runde geht idyllisch weiter bis zum Dörflein Mühbrook, das sich mitten zwischen den Einfelder und den Bordesholmer See gepflanzt hat. Der Weg zurück zum führt wieder an Wäldern und Villen vorbei, bis man wieder an den Badestrand gelangt. Gebadet – so muss ich gestehen – haben wir nicht. Aber geduscht.

Kurz-Infos:

  • Streckenlänge: etwa acht Kilometer
  • Schwierigkeit: leicht (Sandwege oder Teer ohne nennenswerte Steigungen)
  • Anfahrt: Mit dem Auto aus Neumünster die Kieler Straße hinunter; per Bahn bis zum Bahnhof Einfeld
  • Stopps: Cafés in Mühbrook und beim Badestrand
  • Alternativ: Auch als Jogging- oder Radstrecke möglich.
  Outdoor im Norden auf einer größeren Karte anzeigen 

 

 

 

Ferkel in Fango

Schietwetter-Spaziergang im Erlebniswald Trappenkamp

Der Platz ist so aufgeweicht, dass selbst ein Kreisligaspiel ausgefallen wäre. Knöcheltief sabscht der Morast. Zumindest dort, wo keine Pfützen sind. Da nämlich ist er noch tiefer. Offenbar um das Thema Matsch noch weiter zu vertiefen, wird der Nieselregen immer wieder durch einen ordentlichen Schauer unterbrochen. Ein Schietwettertag, wie er im Buche steht. Ein Tag also, um sich mit dampfendem Tee und einem guten Buch zu verkriechen. Ein Tag, um die Sitzkuhle im Sofa in mühevoller Kleinarbeit auszuformen. Oder eben ein Tag, um die frisch imprägnierten Wanderschuhe zu schnüren, die Kapuze weit ins Gesicht zu ziehen und bei einem Waldspaziergang dem Regen-Stakkato auf dem Schirm zu lauschen.

Die Wildschweine im Erlebniswald Trappenkamp nutzen den Regentag, um ihre Matschlöcher auf ihrer Lichtung in mühevoller Kleinarbeit zu bearbeiten. Über eine glitschige Holzbrücke kommt man zum Gehege, lüpft kurz die Pforte und schleicht von den schwer beschäftigten Schweinen unbeobachtet rüber zu einem großen Holz-Unterstand, von dem aus man die Rotte bei ihrem Fango-Bad beobachten kann.

Ein junges Tier quiekt, hebt den Schwanz und rennt wie eine besengte Sau über den Matschplatz. Ein anderes hinterher. Eben war die leicht steinige Matschkuhle unter dem Laubbaum noch Grund, sich gegenseitig zu stupsen, anzugrunzen und zu drängeln, jetzt ist das Schlammareal weiter hinten der aktuelle “Place to be”. Wieder stupsen sich die Tiere. Bis ein Trendsetter ein weiteres, noch viel besseres Loch entdeckt.

Beim Regenspaziergang durch den Erlebniswald Trappenkamp bietet der Schweineschlamm eine Reminiszenz an Woodstock. Die Damwildlichtung hingegen erinnert an eine etwas verstaubte Gemäldegalerie, setzt doch der Hirsch ausgerechnet auf der sattgrünen Lichtung zum Röhren an.

Der Regen trübt die Waldrunde nur ein wenig. Die Vögel sind überraschend ruhig, die Burma-Schlingen des Hochseilparcours tropfen trübe vor sich hin, doch die Waldwege sind voller Kindergruppen in bunten Regenjacken und Spaziergängern mit knalligen Schirmen. Einige Schüler rennen mit weichen Vogelfedern in der Hand aus der Hütte der Falknerei und steichen sich mit dem Flaum über die nieselnassen Wangen. Besonders der riesige Abenteuerspielplatz mit seiner Tobe-Holzburg, den langen Rutschen und den Marterpfählen ist selbst an diesem grauen Schmuddelnachmittag bunt und voller Leben.

Kurz-Infos:

  • Streckenlänge: etwa vier Kilometer
  • Schwierigkeit: leicht (Sandwege ohne nennenswerte Steigungen)
  • Anfahrt: Von der A21 die Abfahrt Daldorf nehmen und den Schildern folgen
  • Stopps: Unterstände bei Damwild und Wildschweinen, Spielplatz
  • Alternativ: Auch als Jogging- oder Radstrecke möglich.
 Outdoor im Norden auf einer größeren Karte anzeigen