
Geocaching – mit GPS zum Geheimversteck
Irgendeine Holzplattform mit Blick auf irgendein schönes Naturschutzgebiet. Irgendwo in irgendeinem nördlichsten (und schönsten) Bundesland. Hier muss er sein, der kleine geheime Schatz, an dieser Holzkonstruktion versteckt. Die Koordinaten stimmen zumindest. Irgendwie.
Warum so vage? Der sogenannte Cacher hat es – ebenso wie der scheue Bodenbrüter – nicht gern, wenn sein Nest – äähm Versteck – verraten wird. Schließlich hat er mit der Aufopferung eines Brutvogels eine kleine Plastikdose in die Natur entlassen. Hat sie platziert und getarnt, hat sie mit einem kleinen Logbuch versehen und meist auch mit einem Stift. Hat ihre GPS-Koordinaten ermittelt und sie dann auf einer Internetplattform zur Jagd freigegeben.
Eine moderne Form der Schnitzeljagd quasi. Nur dass man nicht wie in Kindertagen eine Holzkiste mit diesen zahnziehenden Süßigkeiten in Goldtaler-Form findet, die eigentlich niemand so wirklich mag, die sich aber aus optischen Gründen auf Geburtstagsfeiern mit Schatzsuche durchgesetzt haben. Sondern man stößt auf alle möglichen Formen von Plastikdosen: Alte Brausetablettenröhrchen, Frischhaltedosen etc – Hauptsache wasserdicht und ohne Naschkram.
Auch hier, an genau dieser Plattform soll eine sein. Ich umschleiche die Holzkonstruktion wie ein Hund, der vorhat, sich hinzulegen. Zu sehen: Viel Natur, viel Holz, kein Cache. Ein paar Sitzbänke sehen vielversprechend aus. Unter ihnen wird gern mal eine Dose angebracht. So dass Touristen sich beinahe darauf setzen, ohne zu wissen, dass sich unter ihnen ein kleiner Geheimschatz befindet. Der Cacher findet so etwas lustig. Zum Glück hat sich an diesem ebenso grauen wie kalten Tag niemand sonst in diese Einsamkeit gewagt. Sonst hätte er ein etwas merkwürdiges Schauspiel der Cacher-Natur erleben können. Da setzt sich jemand auf eine Holzbank, beugt sich vor und linst einmal drunter, nur um sich auf die Bank direkt daneben zu setzen und auch noch einmal unter diese zu gucken. Bis er alle Bänke einmal “besessen” hat. Nur um dann wieder um die Plattform herumzulaufen. Denn unter den Bänken war nichts.
So einfach wird einem die Suche nun auch wieder nicht gemacht. Nachdem man sich auf einer Internet-Landkarte so in etwa herausgesucht hat, wo man hinmöchte, geht die eigentliche Suche erst los. Über eine App auf dem Smartphone, ein GPS-Gerät oder ein Navi nähert man sich dem Ziel. Immer mehr stimmen die Koordinaten auf dem Gerät mit denen aus dem Internet überein – dort findet man dann das Versteck.
Nur offenbar diesmal nicht, denke ich, als ich jeden Spalt der Plattform proktologisch untersucht habe und auch schon mit gelegentlichem arachnophobischen Schaudern unter der Plattform herumgetastet habe. Ein Metallträger erregt meine Aufmerksamkeit. Magnetisch sind die Caches auch gerne mal. Dazu legt der Besitzer Dose einen Magneten auf die Tupperware und umwickelt sie mit dreilagigem Panzertape.
Vor der Plattform knieend ergibt die nähere Untersuchung des Metalls zwar nichts, bietet aber den Blick auf weißes Plastik im Holzparadies. Ein Fremdkörper - wie eine Barbiepuppe in der Waldorf-Kita. Der kann unmöglich eben schon da gewesen sein, dann hätte ich ihn doch schon längst entdeckt bei der Inspektion. Der Haken nur: Die Dose hängt mitten unter dem Fußboden der Plattform, etwa fünf Armlängen entfernt. Die Holzkonstruktion ist aber nur höchstens 20 Zentimeter hoch und ich bin keine fünfarmige Flunder. Mein erster spontaner Gedanke lautet: Hä?
Doch ich habe ja eine sehr genaue Ortskenntnis. An einer Seite ist die Plattform etwas höher über dem Boden. Und wenn man genauer hinsieht, sieht man dort auch komische Spuren im Sand unter dem Holz. Trotzdem bietet der Spalt nicht genug Platz zum Krabbeln. Die einzige Möglichkeit ist es, sich auf dem Rücken fast bis zum Versteck zu robben. Auf kaltem – zum Glück trockenem – Sand.
Spätestens hier würden Cacher mit Reichlichkeitsfimmel aufgeben. Doch die meisten sind nerdig by nature und lassen sich eine erspähte Dose nicht mehr entgehen. Und so folgt auf das Bankbücken noch das Rückenrobben als sportliche Übung. Da die Plattform zu niedrig ist, um sich mit angewinkelten Knien weiterzuschieben, muss man die Schulterblätter quasi als Beine nutzen. Und so schlängele ich mich mit immer einer Handbreit Luft über der Nase so weit vor, dass ich die Dose ertasten kann. Ihr Schraubverschlussdeckel ist am Holz befestigt und man kann sie mit ein paar Windungen losdrehen. Ich zupfe den Log-Zettel heraus, auf dem man sich quasi als Fund-Beleg verewigt. Ansonsten ist die Dose leer. Ich taste nach dem Stift in der Jackentasche, den man als erfahrener Cacher immer dabei hat. Dabei haben sollte. Mist, er muss noch im Rucksack sein. Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Schulterblättern haben…
Kurz-Infos
- Zum Geocachen braucht man ein GPS-fähiges Gerät und möglichst einen Internet-Zugang
- Mehr Infos auf www.geocaching.com