Die Zauberkiste für eilige Köche

Es ist Mittwochmorgen, zehn Uhr. “Ding dong dong” macht die Tür. Der Paketpostbote steht da. Und bringt ein Versprechen: Drei Mahlzeiten und einen Nachtisch für vier bis fünf WG-Bewohner, alles tipptopp bereit zum Loskochen. Kochzauber heißt das Versprechen, beziehungsweise die Firma, die den Kochspaß anbietet. Dann schauen wir mal, was in der Kiste ist.

Kochzauber KisteDas sieht doch schon mal gut aus. Rezeptkarten, Gewürztütchen und jede Menge Grünzeug. Unter dem Rhabarber versteckt sich außer dem Brokkoli noch viel mehr Gemüse und eine Kühltüte mit Hähnchenbrust und Schweinefilet. Jetzt aber schnell zur Arbeit. Denn gekocht wird erst abends – ganz ohne Einkaufsstress.

Nach Feierabend treffen sich fünf Menschen. Drei Hobby-Köchinnen, die es kurios mögen. Ein Teenager – hungrig, aber krüsch. Und ein Mann, der vor allem satt werden will – ohne Kinkerlitzchen!

Es geht los mit dem dem ersten Fleischgericht: Hähnchenbrust…

… oh nein, nicht einfach nur schnöde Hähnchenbrust! Die bunt-praktische Rezeptkarte verspricht uns ”Feine Wellenbandnudeln an sahnigem Brokkoli-Hähnchen“. Und das in nur 30 Minuten. Tatsächlich, die Zubereitung gelingt fix und ohne Probleme – Brokkoli und Nudeln werden in Salzwasser gekocht, die Hähnchenbrüste scharf angebraten. Mit Hähnchengewürz, Sahne und sogar Mandeln, die später auf dem Fleisch verteilt werden, hat uns der Paketdienst bestens versorgt. Nur Butter, Öl und Brühe müssen wir aus der Hausapotheke zusteuern. Im Grunde wird das Geflügel mit Sahne und Co lediglich ablöscht – den Rest macht der Backofen.

Haehnchen1fertig

 

Klasse, so haben wir jetzt die Zeit, unser zweites Hauptgericht genauer unter die Lupe zu nehmen. Es trägt den stilvollen Namen “Aromatische Bärlauch-Polenta mit Kräuterseitlingen, Möhren und Frühlingszwiebeln” und verspricht vegetarischen Genuss in ebenfalls nur 30 Minuten.

Mal schauen – frische Kräuterseitlinge, Möhren, Frühlingszwiebeln, Polentagries und sogar hausgemachtes Bärlauchpesto sind in unserer Kiste zu finden. Das ist ja wie Weihnachten! Nur Milch, Salz, Pfeffer, Brühe und Butter sind nicht dabei. Macht nix. Dass wir ein paar Kleinigkeiten im Haus haben sollten, wurde uns ein paar Tage vor Lieferung per Mail mitgeteilt.

Das Gemüse ist im Null-Komma-Nichts geschnippelt und angebraten.

PolentafertigUnd trotz erst fröhlich überschäumender Milch gelingt unsere Bärlauchpolenta auf Anhieb. Schaut gut aus!

Dann können wir uns ja jetzt getrost dem Sahnehäubchen zuwenden – unserem Dessert.

 

Gebackener Rhabarber-Crumble - hört sich schon mal gut an. Wer nicht weiß, wie man Rhabarber schält, lernt es mit einem mitgelieferten Kärtchen. Mehl, Zucker und Butter haben wir zu Hause und die Haferflocken und der Zimt, die in den Teig gehören, wurden mitgeliefert. Ebenso eine riesige Bio-Orange. Und weil Crumble so etwas Feines ist, gibt es hier das Rezept in voller Länge:

Zutaten: 800g Rhabarber, eine unbehandelte Orange, 160g Zucker, 130g weiche Butter, 140g Mehl, 1g Zimt, 70g zarte Haferflocken

Zubereitung: Rhabarber waschen, schälen, in mundgerechte Stücke schneiden und in eine Auflaufform geben. Die Orange waschen, Schale abreiben und den Saft auspressen. Nun den Rhabarber mit etwas Orangenschale, -saft und 20g Zucker mischen.

Die Butter, den restlichen Zucker, Mehl, Zimt und Haferflocken in einer Schüssel zu Streuseln verkneten und über den Rhabarber verteilen.

Der Crumble braucht bei 200 Grad (Umluft) im vorgeheizten Backofen  zirka 40 Minuten.

Zeit für die beiden Hauptgerichte, die eigentlich für zwei Mahlzeiten gedacht sind.  Aber wir sind ja auch verdammt hungrig…

Also werden das Hähnchengericht und die Polenta gleichzeitig aufgetischt. Gleich gibt es Verteilungskämpfe um die vier Hähnchenbrüste. Aber Kinder, es ist doch genug für alle da…

Teller1fertig

Teller2fertig

Und das stimmt wirklich. 500 Gramm Nudeln, reichlich Brokkoli und lecker Soße zum Hähnchen reichen auf jeden Fall für vier. Für fünf wäre es schon knapp… Aber da ist ja auch noch die Polenta – und das Dessert.

Und wie schmeckt’s? Der Teenager schlingt Fleisch und Nudeln mit der Sahnesoße herunter – und ist glücklich. Brokkoli? Muss nicht. Polenta? Lass mal!

Der Mann probiert alles – und ist begeistert. Leckeres Essen, für das man nicht einkaufen gehen muss, das in 30 Minuten fix und fertig ist – und dann auch noch so lecker! Das bekommt drei Michelin-Sterne (wobei er nie verstanden hat, warum Essen mit Autoreifen-Sternen belohnt wird).

Polenta? Ist normalerweise nicht unbedingt meine erste Wahl. Aber diese hier ist wirklich lecker und durch das Bärlauchpesto raffiniert gewürzt. Das al dente gebratene Pilz-Karotten-Frühlingszwiebel-Gemüse passt nicht nur geschmacklich gut dazu, sondern macht auch optisch was her.

Jetzt sind wir alle pappsatt. Aber Nachtisch geht immer. Und der bekommt von allen kuriosen Essern ausgesprochen viel Lob. 

Voilà! Nachtisch1-1fertigMmh…

Jetzt ist nur noch ein Gericht übrig: “Zarte Medaillons vom Schweinefilet an cremigem Kartoffel-Fenchel-Stampf und Paprika-Zuckerschoten-Gemüse”

Das muss bis zum nächsten Tag warten. Dann stehen nur noch eine Hobbyköchin und der Teenager in der Küche. Machen wir also die Hälfte. Ob das mal gut geht? Die Hälfte sind nur 100 Gramm Fleisch pro Nase. Kartoffelbrei mag der Teenager nicht, Fenchel isst er nomalerweise nicht und die Zuckerschoten sind ihm völlig fremd. Wenigstens Paprika geht immer…

Kartoffeln schälen, Gemüse putzen, Filet braten, stampfen, dünsten, servieren. Und?

Gericht 3 fertig “Super!” sagt der Teenager. Der Fenchel macht nämlich den Kartoffelbrei schön frisch – den machen wir jetzt nur noch so. Und das Gemüse will er jetzt täglich auf dem Tisch haben. Das Fleisch reicht auch, weil die Zutaten so reichlich sind. Gibt’s also alles am nächsten Tag noch einmal.

 

Unser Fazit: Die Kurios-Köchinnen beklagen allenfalls die ungewohnte Leichtigkeit des Kochens mit der zauberhaften Kiste. Das dürfte für die meisten Nutzer eines solchen Angebots aber gerade der Reiz sein. Der Preis von 64 Euro bedeutet bei vier Essern rund fünf Euro pro Kopf für ein Gericht, ein Nachtisch ist auch dabei. Man kann billiger kochen, aber für eine so schnelle wie ausgewogene Ernährung finden wir das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht schlecht.

Wer Lust hat, so eine Kiste auszuprobieren, kann sie bei www.kochzauber.de bestellen. Es gibt aber auch ähnliche Angebote, zum Beispiel bei www.hellofresh.de, die wie der Kochzauber auch deutschlandweit liefern. Nur in Ballungsgebieten, also auch im Großraum Hamburg liefern zum Beispiel www.kommtessen.de und www.schlemmertuete.de.

 

Geschmacksexplosion: Das frutarische Ostermenü

Was für ein Eiergemetzel! Nun haben wir genug gesündigt und bereiten ein Ostermenü zu, das so vegan ist, dass sogar Frutarier mitessen können. Ihr wisst nicht, was Frutarier sind? Dann empfehle ich den Film “Notting Hill” mit Hugh Grant und Julia Roberts. Bevor Hugh – alias Buchhändler William Thacker – mit Julia – alias Filmstar Anna Scott – anbändelt, wollen seine Freunde ihn verkuppeln. Er trifft einige Kandidatinnen, darunter die Frutarierin Kesiah.

Sie erklärt das Frutariertum: “Wir glauben Gemüse und Früchte besitzen eine Seele (…). Wir essen nur Dinge, die von allein von den Bäumen und Sträuchern runterfallen, weil nur die richtig tot sind.” Darauf William: “Ahh, alles klar… so ist das also… also diese Möhren hier…” Kesiah: “… sind ermordet worden!” William: “Ermordet… die armen Möhren, das ist ja bestialisch!” Und isst er fortan nur noch Äpfel und Birnen? Nein, William wird lieber mit Anna Scott glücklich.

Wir geben Kesiah noch eine Chance. Eine kleine Recherche ergibt, dass der Speiseplan gar nicht so begrenzt ist, wie anfangs gedacht. Früchte, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse, sogar pflanzliche Öle und Honig sind drin. Und weil Wein ja auch irgendwie Obst ist, empfehlen wir Roten oder Weißen zum Fünf-Gänge-Menü – aber bitte fruchtig. Ein wenig Hilfe holen wir uns wieder aus Rose Elliots internationalem vegetarischen Kochbuch (Christianverlag, antiquarisch).

Also beginnen unser Ostermenü mit Hummus

Eine Dose Kichererbsen, 2 Esslöffel Zitronensaft, 1 Esslöffel Tahina (Sesampaste), 3 Esslöffel Olivenöl, Salz und Pfeffer werden püriert. Noch einmal mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Wir träufeln noch etwas Olivenöl drüber und streuen schwarzen Sesam drüber. Dazu gibt’s Baguette und Oliven.

Mmh, wer glaubt, dass Frutarier grundsätzlich unter Mangelerscheinungen leiden, wundert sich jetzt schon, dass er nach der ersten Vorspeise ein wenig gesättigt ist. Es geht fruchtig weiter.

 

 

Zweiter Gang: Avocado auf Himbeersoße

Die Soße kann gut vorbereitet werden: Für vier Portionen nehme ich 400 g Himbeeren (frisch oder aufgetaut), püriere sie und streiche sie durch ein Sieb in den Kochtopf. 3 bis 4 Esslöffel Honig dazugeben (ganz strenge Frutarier lassen ihn weg, denn hier werden Tiere ausgebeutet!). Aufkochen, eine Minute köcheln lassen, dann abkühlen. Mit etwas Weißweinessig, einigen Löffeln Olivenöl, Salz und viel Pfeffer abschmecken.

Die Avocado – eine halbe pro Person – muss frisch auf den Tisch – halbiert, entkernt und vorsichtig geschält. Dann in Scheiben geschnitten auf der Himbeersoße anrichten und rosa Pfeffer drüber streuen.

GESCHMACKSEXPLOSION.

Ich werde Frutarier!

 

Pasta mit roter Linsensoße - Der nächste Gang ist ein Klassiker bei uns zu Hause 

300 g rote Linsen in Olivenöl anschwitzen, 1/2 Teelöffel Zimt zugeben, kurz mitdünsten. Eine Dose gehackte Tomaten und 1/2 Liter Wasser hinzufügen, aufkochen und alles zusammen rund 20 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dazu 400 g grüne Tagliatelle kochen.

Wer hat jetzt noch Angst vor Mangelerscheinungen bei frutarischer Lebensweise?

Das vitaminreiche Dessert: Obstsalat

Obstsalat kann eigentlich jeder. Diesmal gebe ich ihm einen kleinen, alkoholischen Kick für mehr frutarische Lebensfreude. Ich mische ein paar klein geschnittene Äpfel, Bananen, AnanasMelone und Feigen. Eine Zitrone und drei Orangen auspressen und den Saft mit Honig vermischen. Dann noch einen guten Schuss Cointreau dazu.

Alles vermischen und gut durchziehen lassen (gern über Nacht). Pinienkerne rösten und vorm Servieren drüberstreuen.

 

 

 

 

Was noch so vom Baum fällt: Kaffee, Kokos, Kekse

Und jetzt noch einen Espresso. Dazu gibt es Kekse und Trockenfrüchte. Kekse ohne Ei, Milch und Butter? Ja, gibt es im Bioladen. Da haben wir Dinkel-Kokos-Leckerli gefunden, die aus Dinkelschrot, Reissirup, Palmöl, Kokosflocken und Wasser gebacken sind. Dazu passt auch vergorenes Fallobst, also ein Birnenbrand zum Beispiel. Eine runde Sache.

Für immer Frutarier?

Hungrig bleiben muss der Frutarier an Ostern also nicht. Aber trotz der fünf Gänge habe ich jetzt Lust auf ein Stück Käse – und ein Osterei.

Adieu, du bunte, vitaminreiche Frutarierwelt. Ich habe in dir geschlemmt, bin aber nicht überzeugt, dass die Zwiebelernte Mord ist.

Sind das Teeeier – oder ist das Kunst?

Für die Chinesen sind Teeeier das, was für uns die Bratwurst ist. Sie kaufen sie gern am Straßenrand und snacken sie im Gehen. Fast überall köcheln sie im Reich der Mitte vor sich hin und verströmen den Duft von Sternanis, Schwarzen Tee, Zimt und natürlich Ei. Im Grunde ist das Teeei nichts anderes als ein hartgekochtes Ei, das nach dem Kochen leicht angeklopft wird, sodass sich kleine Risse bilden, in die das Aroma von Tee, Sojasauce und Gewürzen einziehen kann. Gepellt offenbart es ein marmoriertes Muster – genau richtig für ein kurioses Osternest.

Was wir brauchen: pro Person ein frisches Ei, 1 Esslöffel Schwarzen Tee, 1 Stange Zimt, etwas Sternanis, 2 Esslöffel dunkle Sojasauce, Salz, Zucker

Die Eier werden zehn Minuten gekocht und dann abgeschreckt. Sobald sie abgekühlt sind, wird vorsichtig mit einem Teelöffel von allen Seiten die Schale angeschlagen. Nun werden die hartgekochten Eier in einen Topf mit Wasser gegeben – sodass sie gerade abgedeckt sind. Jetzt kommen die restlichen Zutaten hinzu. Das Ganze köchelt dann eine Stunde vor sich hin.

Nun heißt es, pellen und staunen. Die Eier sehen wie ein kleines Kunstwerk aus. Sie sind ein geschmackliches Erlebnis – ausgesprochen aromatisch. So intensiv, dass ich – ehrlich gestanden – nicht mehr als eins davon essen würde. Trotzdem, ich würd sie jederzeit wieder machen.

Morgen präsentiert uns Ina ein Ostermenü der ganz besonderen Art. Seid gespannt!

Pochiert auf Türkisch

Unser vierter Eierstichstreich: Pochierte Eier auf Knoblauch-Joghurt. Diese für Westreuropäer kurios anmutende Eierspeise wird von Istanbul über Ankara bis hin nach Anatolien geschätzt und geliebt. Aber Vorsicht, egal, ob in der Türkei, Frankreich oder Österreich – pochierte Eier sind immer eine kleine Herausforderung. Oft gelingen sie erst beim zweiten oder dritten Mal.

Für vier Frühstücker brauchen wir eine halbe Tasse Essig, zwei Knoblauchzehen, 250 Gramm cremiger Joghurt, 4 frische Eier, zwei Esslöffel Butter und zwei Teelöffel Paprikapulver (je nach Geschmack scharfer Rosenpaprika oder die edelsüße Variante).

Zunächst in einem großen, flachen Topf reichlich Wasser zum Kochen bringen und es mit dem Essig und viel Salz würzen. In der Zwischenzeit werden die Knoblauchzehen geschält und mit Salz in einer Presse zerdrückt. Dann wird der Knoblauch mit dem Joghurt vermengt und auf einen großen Teller gegeben. Wer möchte, kann unter den Joghurt auch etwas Minze und einen Spritzer Limettensaft mischen – das gibt der ganzen Geschichte eine delikate Frische.

Sobald das Wasser kocht, den Herd runterstellen und wenn es nur noch köchelt, die Eier aufschlagen (das Eigelb darf nicht verletzt werden) und nacheinander ganz vorsichtig ins Essigwasser gleiten lassen. Einige wirbeln dafür mit einem Holzlöffel einen Strudel auf, damit die Eimasse nicht auseinanderdriftet, andere benutzen eine Schöpfkelle. Jetzt so lange pochieren bis das Eiweiß hart ist (3 bis 5 Minuten). Die Eier mit einem Schaumlöffel aus dem Wasser nehmen und auf dem Joghurt drapieren. Nun die Butter in einer Pfanne zerlassen und das Paprikapulver darin zirka zwei Minuten unter Rühren braten, sodass sie am Ende über die Eier und den Joghurt gegossen werden kann.

Die Eier sollten sofort nach dem Kochen serviert werden, denn kalt schmecken sie nicht mehr. Dieses Gericht sieht zwar etwas merkwürdig aus, schmeckt aber umso besser. Ich fand’s besonders lecker, getoastetes Weißbrot gleichzeitig in das flüssige Eigelb (mit Meersalz bestreut) und den Joghurt zu tunken. Und gesund ist das Ganze auch noch!

Morgen geht’s chinesischen Teeeiern an den Kragen.

Schottische Eier – warm verpackt

Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Wer hat nur diese Redewendung erfunden? Wer kulinarisch gern auf Reisen geht, weiß doch, dass Eier so verschieden sein können.

Die Schottischen Eier zum Beispiel sind eine Variante, mit denen man die Berge von bunt gefärbten Ostereiern abbauen kann – und die auf Salat angerichtet ein hübsches Abendessen ergibt.

Die Schotten ziehen den Eiern ein warmes Kleid an. Aus Hack oder Wurstbrät. Und es gibt sogar eine vegetarische Variante mit würzigem Linsenpüree – gefunden in Rose Elliots “Das internationale vegetarische Kochbuch” (Christian Verlag, antiquarisch). Das müssen wir probieren. Die Herausforderung dabei: Die eingepackten Eier werden frittiert!

Der Kontrast von braunen Linsen, Eiweiß und Eigelb macht die Schottischen Eier zu einem ansehnlichen vegetarischen Snack. (ir)

Dafür koche ich 150 Gramm Linsen weich. Dann hacke ich eine große Zwiebel und brate sie in Öl 10 Minuten an. Die Zwiebel zu den Linsen hinzufügen, dazu eine zerdrückte Knoblauchzehe, 1 Esslöffel gehackte Petersilie, 1/2 Teelöffel getrocknete Kräuter, 1 Esslöffel Sojasoße und Salz und Pfeffer. Die Linsenmischung grob pürieren.

Ich stelle drei Teller bereit – mit verquirltem Ei, Mehl mit etwas Salz und Pfeffer vermischt und mit Semmelbröseln.

Vier hart gekochte Eier werden nun ins verquirlte Ei getaucht, dann in die Linsenmischung eingepackt und nacheinander noch einmal im Mehl, im Ei und in den Semmelbröseln gewendet.

Jetzt wird’s heiß: Das Frittierfett in Fritteuse oder Topf soll auf 160 Grad Celsius erwärmt werden. Darin werden die eingepackten Eier goldbraun frittiert. Wenn das Fett nicht heiß genug ist, bleibt der Mantel weich. Die letzte Eier-Semmelbröselschicht darf auch nicht fehlen – sonst zerfällt alles. Die Eier gut abtropfen und halbiert mit Salat anrichten.

Das ist lecker – und macht vier Menschen satt!

Omelett im Kolonialstil

Wir eiern einmal um die Welt. Unsere zweite Station ist einfach, aber doch exotisch. Ravinder Bhogal, Britin mit indischen Eltern, hat in ihrem Buch “Love to cook” das Beste aus beiden Welten vereint.

Ihr Masala-Omelett ist ein tolles, schnelles Osterfrühstück.

Für ein Omelett hacke ich 1 kleine Tomate, 1/2 kleine rote Zwiebel, brate beides in 1 Esslöffel Pflanzenöl  an, füge 1 Teelöffel Kreuzkümmel und 1/2 Teelöffel Garam Masala hinzu. Ich verrühre 2 Eier mit Meersalz, Pfeffer und einem Hauch Cayennepfeffer, gebe es in die Pfanne, streue noch 1 Esslöffel gehacktes Koriandergrün darüber und brate das Omelett goldbraun.

Im Original nimmt Bhogal eine grüne Chilischote statt des Cayenne und lässt auf dem Herd nur die Unterseite stocken. Danach stellt sie die Pfanne unter den Grill. Auch gut, aber energieintensiv im Backofengrill…

Morgen bleiben wir in Great Britain und servieren Schottische Eier.

 

 

Jüdische Wachteleier – nicht ganz koscher

Die Zeit bis Ostern verkürzen wir auf Koch kurios mit einem Ausblick, was wir zum Fest mit all den Eiern machen können, die in unsere Nester gelegt werden. Die Rezepte dafür haben wir in aller Welt gesucht.

Unser Eiertanz fängt klein an. Die gesprenkelten Minieier von der Wachtel machen sich gut im Salat. Dafür reisen wir kulinarisch nach Israel. In einem jüdischen Kochbuch (Komet-Verlag, antiquarisch) entdecke ich den Salat von eingelegten Wachteleiern mit Oliven und Nüssen.


Diese jüdischen Eier brauchen ein paar Tage. Zuerst werden 20 Wachteleier in fünf Minuten hart gekocht und gepellt. Dann vermische ich 250 g weißen Balsamico-Essig, 1 Tl Salz, 1 geschälte halbierte Zwiebel, 1 Lorbeerblatt, 1-2 Teelöffel frischen Rosmarin (oder Thymianblättchen wie im Originalrezept) und 1 Teelöffel Pfefferkörner, erhitze es in einem kleinen Topf und lasse es abkühlen. Der Sud wird über die Eier gegossen. Eventuell mit heißem Wasser auffüllen. Das Glas gut verschließen und für drei Tage in den Kühlschrank stellen – nicht länger!

Für den Salat wähle ich Feldsalat, nehme dazu 1/2 Tasse gehackte Haselnüsse und ebenso viele Oliven – am besten in Öl eingelegte Kalamata, aber keine sauer eingelegten. Auch die Vinaigrette sollte nicht viel Säure haben, denn davon haben die Eier genug. Deshalb vermische ich 1-2 Esslöffel fruchtigen Pfirsichessig, 1 Teelöffel Honig, 4 Esslöffel Olivenöl und Pfeffer aus der Mühle.

Eine tolle Oster-Vorspeise – aber nur für Christen. Denn der Salat entspricht zwar eigentlich den religiösen Vorschriften der jüdischen Küche. Aber in diesen steht auch, dass in der Zeit des Pessachfests keine gesäuerten Lebensmittel gegessen werden dürfen. Und Pessach beginnt morgen. Also sind wir hier nicht ganz koscher. Aber unsere jüdischen Leser können auch schon nächste Woche mit der Wachteleierei beginnen.

Morgen gibt’s ein schnelles, aber exotisches Omelett.

Eiertanz um die Welt

Ostern ohne Eier ist wie Ikea ohne Köttbullar. Wie Tee ohne Köm. Wie Michel ohne Lönneberga – oder Hamburg. Wie Ernie ohne Bert. Mit anderen Worten: undenkbar.

Widmen wir in der Karwoche unsere Aufmerksamkeit also dem Ei. Es ist ja eigentlich allgegenwärtig. Quietschbunt steht es auf dem Laufband im Supermarkt. Mit Marzipan, Nougat, Kirschwasser oder Eierlikör (!) füllen es die Chocolatiers.

Dabei ist das Ei an sich doch schon ein kleines kulinarisches Wunderwerk, das in jeder Küche weltweit gekocht, aufgeschäumt, pochiert, gebraten, verrührt, eingelegt oder sogar roh serviert wird. Da ist die kuriose Küche doch nicht weit! Also ran an den Speck das Ei – in einer fünfteiligen Folge von Eiern aus aller Welt.

Morgen geht’s los!

Aquavit-Kartoffeln

Vor ein paar Tagen habe ich etwas wahllos durch die TV-Landschaft gezappt und blieb bei einem Kanal namens Bon Gusto hängen. Dort werden Tag und Nacht so viele Kochsendungen gezeigt, dass einem ganz schwindlig wird vor lauter guten Ratschlägen. Leider weiß ich nicht mehr, wie die Sendung hieß, die gerade lief, aber irgendwie fesselte sie mich. Ein gut gelaunter Koch stand auf dem Oberdeck eines Segelschiffes und plauderte vor sich hin, während es vor ihm aus den Töpfen dampfte. Er erzählte von einem Gericht aus seiner dänischen Heimat, das seine Mutter gern kochte, wenn sie wenig Zeit hatte. Hauptzutaten: Kartoffeln und Aquavit. Das Aroma sei unbeschreiblich, erklärte der stets lächelnde Medien-Küchenchef. Und das Ganze funktioniert so:

Kartoffeln gut waschen und mit Schale in Salzwasser kochen (Linda und Belana sind zum Beispiel leckere Sorten). Nach zirka 20 Minuten abgießen, den Topf mit den Kartoffeln wieder auf die heiße Platte stellen und dann – jetzt kommt der Clou – mit einem großen Schuss Aquavit ablöschen. Es zischt ordentlich, der Alkohol verdampft, aber das Aroma vom skandinavischen Kümmelschnaps bleibt. Gleich darauf werden auf die Erdäpfel gesalzene Butterflöckchen verteilt, die langsam vor sich hinschmelzen.

Foto: Wagner

Dazu isst man in Dänemark gern Lachs oder Hering und frisches Mischbrot.

Ich muss schon sagen – recht hat der Mann: Diese Kartoffeln bekamen mit einem klitzekleinen Trick richtig Charakter. Klug, diese Dänen. Vielleicht zappe ich jetzt doch wieder öfter in der Weltgeschichte herum…

 

Grundlagenforschung: Geflügelfond für den Vorratskeller

Eingeweckt: Was Oma noch wusste, entdecken wir neu.

“Der Fond ist natürlich selbst gemacht!”, flötet der Hobbykoch in der x-ten Kochshow.

Mal ganz ehrlich: Nicht mal in den Tiefkühltruhen unserer Mütter lagern die Unmengen von selbst gekochten Brühen von Huhn, Kalb oder Gemüse, die man für all diese Kochshows bräuchte. Und wenn die Hobbyköche so viel Zeit hätten, dass sie ständig eine Brühe auf dem Herd köcheln lassen, könnten sie sich wohl kaum die teuren Rinder-, Lamm- und Wildfilets leisten, die da auf den Tisch kommen. Sollen wir also daran glauben?

Versuchen wir, dem Geheimnis des selbst gemachten Fonds auf die Schliche zu kommen. Die Salz-Fett-Glutamat-Würfel, die noch jede Suppe versalzen, habe ich schon lange aus dem Vorratsschrank verbannt. Stattdessen stehen gekaufte Fonds im Keller. Doch ob ich ein Risotto mit dem Supermarkt-Geflügelfond oder mit Wasser koche, macht wenig Unterschied. Vielleicht geht das wirklich besser… Also ran an den Hühnerspeck!

Beim ersten Versuch empfiehlt mir die nette Fleischverkäuferin, statt des Suppenhuhns doch lieber ganze Hühnerbrüste und -schenkel zu nehmen. Das sei einfacher, und hinterher hätte ich gutes Fleisch. Sie mache dann immer Hähnchenpizza, das finden die Kinder toll. Also greife ich zu: Zwei große Hühnerbrüste mit Haut und Knochen, dazu vier Schenkel. Und tatsächlich: Am Ende ist so viel Fleisch über, dass wir tagelang Suppe und Sandwiches damit essen müssen. Die restliche Brühe friere ich ein – und verstopfe so unser Gefrierfach.

Zweiter Versuch, diesmal mit einem richtigen Suppenhuhn. Schön ist es nicht, so ein mageres altes Ding. Ab in den Topf (10-Liter-) mit diesen Zutaten: 1 Suppenhuhn, 2 Stangen Lauch, geputzt und in Stücke geschnitten,1 Möhre, geschält und in Stücke geschnitten, 2 Zwiebeln, ungeschält, 1/2 Sellerie, geschält und in große Stücke geschnitten, 5 Gewürznelken, 1 El Pfefferkörner, 2 El Korianderkörner, 1 Bund Petersilie, einige Zweige Rosmarin, 1 Stück IngwerSalz und gut 6 Liter Wasser

Aufkochen, Hitze reduzieren und dann drei bis vier Stunden halb offen köcheln lassen. Ab und zu schäume ich mit einem Löffel ab. Dann gieße ich den Fond durch einen mit einem sauberen Geschirrtuch ausgelegten Durchschlag in einen 5-Liter-Topf. Passt gut, da der Fond schon reduziert ist. Abkühlen lassen, Fett abschöpfen.

In der Zwischenzeit habe ich das Hühnerfleisch abgelöst. Viel gibt das alte Huhn nicht her, aber es reicht, um schnell eine kleine Suppe zu machen. Dafür nehme ich etwas von der Brühe, füge schnell kochende Nudeln und Frühlingszwiebel-Ringe hinzu, koche es auf, schmecke es mit Salz und Pfeffer, etwas Ingwer, Koriander und frischer Petersilie ab und gebe zum Schluss das klein geschnittene Fleisch mit hinein. Mmh, lecker!

Wohin jetzt mit der restlichen Brühe? Diesmal wird eingekocht. Dafür nehme ich einige Weckgläser und sterilisiere sie (mit kochendem Wasser, siehe www.weck.de).

Jedes Glas bekommt ein eigenes Huhn: Damit der Vorratskeller überschaubar bleibt.

Danach folge ich aber einem Tipp aus dem chefkoch.de-Forum: Ich koche die Brühe auf, fülle sie heiß in die Gläser, verschließe sie mit Gummiringen, Deckel und Klammern. Dann kommen sie in den auf 150 Grad vorgeheizten Ofen in ein Wasserbad. 15 Minuten. Laut Forumsbeitrag hält das mindestens ein Jahr. Ab in den Keller damit!

Fazit: wenig Arbeit + stundenlanges Köcheln = 1 leckere Hühnersuppe, 4 Halbliter-Gläser Fond und noch ein Rest, der in die Gefriertruhe wandert. Macht 6 x Kochen mit gutem Fond. Liebe Hobbyköche, Ihr seid rehabilitiert. Es ist machbar!