Erschreckend

Es gibt Einsätze, die mag ich mir nicht einmal vorstellen. Gestern habe ich eine Vorstellung von einem solchen möglichen Einsatz bekommen. Die Atemschutzgeräteträger einiger Gemeinden hatten sich bei einem Pflegeheim eingefunden. Es gab dort schon mehrfach Übungen – die auch so einige Probleme ans Licht förderten – und nun sollte eine Begehung weitere Klarheit bringen.

Die erste Erkenntnis: Drehleitern können dort nicht eingesetzt werden. Das bedeutet, dass die alten, zum Teil bettlägrigen und/oder schwer verwirrten Menschen über Steckleitern aus den Fenstern gerettet werden müssen.

Im Innenbreich dann erwartete uns das reinste Labyrinth. Da fiel schon bei guter Sicht die Orientierung schwer. Wie soll das erst werden, wenn vor lauter Rauch die Hand vor den Augen nicht mehr zu sehen sein wird? Zudem die Brandschutzvorrichtungen in dem Gebäude eher zu wünschen übrig lassen. Auch wenn der Betreiber bereits nachrüstet. Es gibt verschlossene Türen zu Hauf (da die Dementen ja nicht weglaufen dürfen), enge Gänge, verwinkelte Holztreppen. Ganz abgesehen von acht Fluchtmasken für 57 Bewohner, einen Raum für die Druckbefüllung von Sauerstoffflaschen – aber keine entsprechenden Feuerlöscher – und zahlreiche Flaschen mit brennbaren Materialien in der Werkstatt des Hausmeisters…

In der Nachbesprechung teilte uns der Wehrführer der zuständigen Ortswehr dann nicht nur mit, dass die Feuerwehr auf eigene Kosten nun Fluchtschutzhauben für die Bewohner nachrüsten werde, da der private Träger diese Investition nicht stemmen könne. Zudem machte der Mann uns keinerlei Illusionen: Er habe das Brandszenario gemeinsam mit einem Fachmann mehrfach durchgespielt. Wenn alles gutgeht und wir von der Feuerwehr alles richtig machen, dann können wir mit etwas Glück 40 Prozent der Bewohner retten. 40 Prozent! Und das ist mit den Brandschutzbestimmungen vereinbar – da das alte Gemäuer nicht viel mehr zulässt. Und das Heim sonst geschlossen werden müsste. Darum kann ich nach der gestrigen Begehung nur sagen: Bei der Wahl eines Pflegeheimes sollten man immer auch die Flucht aus Selbigem im Auge haben.

Immer diese Nachbarn

20.15 Uhr – noch eine Viertel Stunde und ich bin zu Hause. Feierabend. Da klingelt plötzlich mein Handy. Feueralarm. Also kein Feierabend. Stattdessen ziehe ich mich schnell um und fahre den anderen zum Einsatzort hinterher.

Als ich dort ankomme, machen sich die Kameraden schon wieder auf den Rückweg. Fehlalarm. Ein Mann hatte am Nachmitag im Garten etwas verbrannt. Mit starker Rauchentwicklung. Am Abend jedenfalls hat das Zeug immer noch gequalmt. Und da hat eine Nachbarin dann die Feuerwehr wegen “starker Rauchentwicklung” alarmiert. Von Garten und Abfällen hat sie allerdings nichts gesagt… Viel Adrenalin für nichts. Schließlich waren wegen des befürchteten Wohnhausbrandes drei Wehren alarmiert worden. Wer das wohl bezahlt?

 

Keine Frage der Höhe

Bei der Truppmann-Ausbildung mussten wir uns aus vier Metern Höhe abseilen. Einigen machte das so viel Spaß, dass wir mehr wollten. Jetzt gab es mehr: Abseilen aus dem vierten Stock, also aus ungefähr 15 Metern Höhe. Inklusive Balkonen in der Wand. Immer an der Wand lang funktioniert da nicht.

Mit immer an der Wand lang meine ich eine Technik, bei der man sich zunächst mit den Füßen an der Wand so weit abseilt, dass der Kopf unter den an der Wand stehenden Füßen liegt. In diesem Winkel seilt man sich dann bis zum Boden ab, wobei man bequem die Wand rückwärts heruntergehen kann.

Das, wie gesagt, funktionierte diesmal nicht – schließlich waren aufgrund der Balkone “Löcher” in der Wand. Stattdessen sind wir also über die Balustrade geklettert und haben uns dann mehr oder weniger schnell abgeseilt, also selbst heruntergelassen.

In einem zweiten Versuch wollten einige von uns dann probieren, sich mit den Füßen an der Wand abzustützen, dann von der Wand abzustoßen, dabei Seil zu geben und so über das Loch hinwegzuschwingen. Mir ist das nicht so gut gelungen. Aber egal, klasse war es trotzdem. Und unter dem Strich muss ich sagen, es macht eigentlich keinen Unterschied, ob ich mich aus vier oder 15 Metern Höhe abseile.

Schnitzeljagd á la Feuerwehr

Zum Schluss wurde es dann doch noch mal gut. Bei der Abschlussprüfung für den Funker-Lehrgang mussten wir eine Orientierungsfahrt absolvieren. Das ist wie eine Schnitzeljagd – mit Einsatzzentrale, Feuerwehrautos, Funk, Karten und Koordinaten.

Ich saß in der Zentrale und musste die anderen über Funk von einem Ziel zum nächsten dirigieren, indem ich ihnen zwei dreistellige Koordinaten gab, mit denen sie den Zielpunkt auf der Karte suchen mussten. Daneben gab es einige Sonderaufgaben.

Endlich konnten wir einmal richtig funken – und nicht nur theoretisch darüber reden. Wir konnten Fehler machen und daraus lernen – und prompt machte es Spaß.

Vielleicht wäre die Einführung des Digitalfunks, der den Analogfunk aus dem Jahre 1960 kommendes Jahr (oder jedenfalls sehr bald) ablösen soll, ja eine gute Gelegenheit, bei der Funkausbildung auch mal ein paar Neuerungen einzuführen? Wäre super! Zumal ALLE, die ich bei der Feuerwehr bisher kennen gelernt habe, alte wie junge Hasen, über diesen Lehrgang eher fluchen. Weil er so dröge und theoretisch ist. Was kein Vorwurf an den Ausbilder sein soll, denn der hält sich ja nur an die Vorschriften… Aber etwas mehr Praxis wär schon toll!

Regeln des Funks

Das mit dem Funken ist ganz einfach – wird allerdings durch ein paar widrige Umstände erschwert. So kann etwa immer nur einer sprechen; für alle anderen ist dann die Leitung blockiert. Das bedeutet bei einem Einsatz, dass alle strikte Funkdisziplin einhalten müssen, damit nicht alles in einem Datenkuddelmuddel endet.

Erste Grundregel hierbei ist, dass der, der etwas will, den, mit dem er oder sie sprechen will, mit ihrem Funkrufnamen anruft, um sich dann mit einem “von” und dem eigenen Funkrufnamen zu erkennen zu geben sowie die Anfrage mit einem “Kommen” abzuschließen. Dieses “Kommen” signalisiert allen anderen, die womöglich gerade funken möchten, dass sie warten müssen, bis die beiden Funkenden ihr Gespräch beendet haben, was sie – logisch – mit einem “Ende” deutlich machen.

Funkrufnamen verraten übrigens viel über die Funkende:. Zunächst kommt ein Codewort, dass deutlich macht, wer da spricht, also Feuerwehr, Rettung, Polizei oder ähnliche. Bei der Feuerwehr heißt dieses “Florian”. Dann kommt der Kreis zu dem die Wehr gehört, in diesem Fall “Schleswig”, dann eine Kennzahl für das zuständige Amt, dann eine weitere für das im Einsatz befindliche Fahrzeug und schließlich eine für die Nummer des Fahrzeuges, sollte es davon in dem Amt mehrere geben. Also Florian-Schleswig-12-34-5 (wobei diese Zahlen jetzt ein reines Beispiel sind!) Auf diese Weise lässt sich genau die Wehr identifizieren und das Fahrzeug, dass sich von dieser Wehr meldet.

Ansonsten gilt: So kurz wie möglich, so umfassend wie nötig. Alles muss sehr klar und präzise sein. Korrekturen etwa werden mit einem “Ich berichtige” eingeführt, Fragen mit “Frage” und so weiter.

Alles ziemlich sinnvoll, ziemlich logisch, in der Theorie aber auch ein verdammt trockener Kram!

 

Eine Frage der Frequenz

Nach der Praxis nun die Theorie: Funken. Da gibt es leider nicht so viele praktische Übungen wie beim Atemschutz – aber es muss natürlich auch sein. Und natürlich müssen wir auch wissen, was wir da tun, damit die Kommunikation im Ernstfall auch klappt. 16 Unterrichtsstunden sind hierfür vorgeschrieben.

Gestern ging es um die unterschiedlichen Geräte, die uns zum Funken so zur Verfügung stehen: 2-Meter-Band-Geräte für den Nahbereich, 4-Meter-Band für die Ferne. Es ging um Relais-Stationen und Funk-Kanäle (Frequenzen). Der Feuerwehr stehen beim 2-Meter-Bank-Funk vier zur Verfügung, beim 4-Meter-Band sind es zwei.

Die von Polizei, Rettung, THW, Feuerwehr und Co genutzte Funktechnik stammt übrigens noch aus dem Jahre 1960. Ab dem kommenden Jahr soll aber alles besser werden. Dann kommt der Digitalfunk, heißt es. (Was genau dann besser wird, wurde uns allerdings nicht erzählt.) Wie auch immer. Ich kann nur hoffen, dass es in diesem Stil nicht die nächsten Übungstermine weitergeht. Denn DAS ist wirklich trocken.

Geschafft

So. Es ist vollbracht: Auf meinem Helm prankt ein schwarzes “A”. Damit werden bei der Feuerwehr Atemschutzgeräteträger gekennzeichnet.

Gestern hatten wir Prüfung – und alle haben bestanden. Zunächst mussten wir unser theoretisches Wissen unter Beweis stellen. Aber das war nicht allzu schwer. Danach ging es in die Strecke. Einzeln mussten wir eine Einsatzkurzprüfung am Atemschutzgerät durchführen, also schauen, ob alles daran intakt ist, und hierbei die ein oder andere Frage zum Gerät beantworten. Anschließend Sport, dann Strecke, dann wieder Sport – fertig :-)

Das Spannende an der Strecke war, dass sie den Käfig diesmal umgebaut hatten. Faszinierend, wieviele Streckenmöglichkeiten diese Konstruktion erlaubt. Naja, jedenfalls bin ich mit meiner Kameradin als zweiter Trupp reingegangen. Doch der Trupp vor uns hatte sich verfranzt. Er fand zunächst einen Durchgang einfach nicht, wodurch es zum Stau kam. Wir haben es uns also erst einmal gemütlich gemacht. War eine witzige Situation – wir saßen da wie nach einem Lagerfeuer, in der Dunkelheit, in einem Käfig, auf dem Boden und warteten, dass wir weitergehen, beziehungsweise krabbeln durften. Wir waren ganz entspannt, aber die vor uns hat es gestresst, dass wir da saßen. Naja. schließlich ging es dann doch weiter. Wir mussten zwar noch einmal mehr warten und auch beim Sport stauten wir uns vor den Geräten, aber egal. Wir hatten ja genug Luft und waren darum einfach nur ein bisschen länger unterwegs.

Aber wie man dabei schwitzt!!!! Meine Klamotten waren komplett durch. Ok, die Schutzkleidung nicht, aber die war von Innen nass. Das T-Shirt, das ich trug, aber hätte ich auswringen können. Hab gleich erstmal einen Liter Wasser getrunken. ging weg wie nix :-)

Also: Der Kurs ist vorbei, ich habe mein A. Und ich kann jedem nur empfehlen, sich daran mal auszuprobieren. Denn das macht einfach einen riesigen Spaß!

Mittwoch geht es dann auch gleich weiter: Funken. Eigentlich hätten wir den Kurs ja vor dem Atemschutzgerätelehrgang machen müssen, aber es gab da koordinatorische Probleme in der Zentrale. Also ziehen wir jetzt nach.

Auf alle Fälle gesund

Gesagt haben sie es uns vom ersten Tag an: Wer sich nicht absolut topfit fühlt, soll keine Übung oder Einsatz unter Atemschutz machen. Aber wann ist man nicht mehr topfit? Wenn der Magen drückt?

Ich jedenfalls dachte, es ginge trotzdem, bin also rein in die Übungsstrecke. Beim Sport vorweg wurde mir speiübel, und ich musste abbrechen. Ich habe dann etwas gewartet und wollte unbedingt noch mal rein. Es ging zunächst auch ganz gut, doch das Magendrücken kam in Wellen und so wurde mir dann unterwegs auch wieder übel. In der Übungsstrecke kein Problem. Beim Einsatz aber…

Ich bin dennoch froh, dass die Ausbilder mich diese Erfahrung haben machen lassen. Denn jetzt weiß ich: Ich darf wirklich nur etwas unter Atemschutz machen, wenn ich topfit bin. Und das schließt auch die Wehwehchen ein, die ich im Alltag nur allzugerne übergehe.

Was für ein Spaß!

Bin ich pervers veranlagt?

Ich habe mich gestern in eine etwa 15 Kilo schwere Ausrüstung gezwängt – wenn die man nicht noch mehr wiegt -, um anschließend unter Atemschutz zunächst auf einem Laufband und einer Endlosleiter etwas Sport zu machen. Dann habe ich mich in einen komplett dunklen, eingenebelten Raum mit 100 Grad heißen Hitzequellen begeben, wo ich mit einem Partner zusammen durch einen Irrgarten gekrabbelt bin und zwischendurch die Flasche mit der Atemluft ab- und wieder angeschnallt habe. Nur, um dann noch einmal die Sportstrecke zu durchlaufen.

Anschließend war ich völlig durchgeschwitzt. Doch der Abend war noch nicht zu Ende. Stattdessen haben wir ein wenig den Ernstfall geprobt: Vier Leute und nur drei funktionierende Flaschen mit Atemluft. Was tun? Durchwechseln, wobei jeder mal eine Weile die Luft anhalten, also ohne Flasche sein muss. Einmal wurde es direkt ein wenig knapp, weil der vor mir länger brauchte als geplant. Ich überlegte schon, mir die Maske abzureißen, doch dann hat es geklappt. Außerdem dürfte ich die Maske im Ernstfall ja auch nicht abnehmen, denn dann wären da anstelle frischer Atemluft nur giftige Rauchgase.

Tja, und was soll ich sagen oder vielmehr schreiben? Es hat eine riesigen Spaß gemacht! Zunächst dachte ich ja, ich wäre einfach nur voller Adrenalin und darum euphorisiert. Aber nein, ich finde es heute – einen Tag später und ohne Adrenalin – immer noch klasse und freue mich schon auf den erneuten Gang durch die Strecke. Diesmal inklusive Funkverkehr. Also: Bin ich pervers veranlagt?

Ab in den Käfig

Wenn es brennt und Feuerwehrleute unter Atemschutz in ein Gebäude vorrücken müssen, sehen sie in der Regel wenig bis gar nichts, müssen sich aber in einem unbekannten Terrain bewegen. Um dies zu üben ging es gestern das erste Mal in den Käfig. Das ist eine Art Irrgarten über zwei Ebenen, in dem wir uns bei Dunkelheit und unter Atemschutz zurecht finden mussten.

Zuvor aber sollten wir eine Weile aufs Laufband, zehn Meter auf einer Leiter erklimmen und an eine Armkurbel – ebenfalls unter Atemschutz. Da merkte ich bereits, dass Atemschutz vor allem eine Kopfsache ist. Denn die Armkurbel ging mir gehörig auf die Nerven. Ich fand sie anstrengend und doof. Aber ich musste ja – und plötzlich wurde mir die Maske zu eng… Doch sofort dachte ich: “Was soll die Panik? Du hast die ganze Zeit ruhig geatmet, kriegst wunderbar und ausreichend Luft, es ist auch nichts zu eng. Nur diese Kurbel ist doof” – da war die Zeit auch schon abgelaufen. Und ich war wieder ruhig.

Enge ist in der Tat bisweilen ein Thema für mich. Entsprechend blöd war es, als ich im Käfig durch eine Röhre sollte und prompt in ihr stecken blieb, da ich das Druckmessgerät der Atemluftflasche unter mir eingeklemmt hatte und das Gummi mich nun am Weiterrutschen hinderte. Aber der Kamerad, mit dem ich die Strecke absolvierte, zog mich raus, und dann war auch alles wieder gut. Mehr als das: Ich vergaß im Grunde die Maske und alles andere und konzentrierte mich nur noch auf die Strecke. Im Nachhinein hat es wirklich Spaß gemacht.

Im zweiten Teil des Abends lernten wir, wie man bei Null Sicht einen Raum nach einer Person durchsucht. Dabei geht man nicht aufrecht durch den Raum, sondern in einer Art Kriech-Krabbel-Gang, bei dem ein Bein vorgestreckt wird und man auf dem anderen kniet. Sehr anstrengend. Und da man dann auch noch systematisch jeden Winkel des Raumes absuchen muss, ist diese Form der Suche verdammt zeitintensiv. Im Grunde müsste man den Gesuchten, wenn man ihn endlich gefunden hat, fast schon liegenlassen, weil die Atemluft für den Rückweg mit dem Vermissten im Gepäck kaum mehr ausreicht. Und wenn man sich dann überlegt, dass dieses Problem über eine Wärmebildkamera auf einfachste Weise zu lösen wäre, dann fragt man sich, wieso die nicht auf jedem Feuerwehrfahrzeug Pflicht ist. Klar, die Dinger sind teuer. Aber das sind Schlauch und Pumpe auch. Und wie diese retten diese Kameras Leben!