ABC im Einsatz

Alarm! Mit sechs Fahrzeugen rücken wir aus. Die Lage ist noch nicht klar und so muss ich mir als Einsatzleiterin vor Ort erst einmal einen Überblick verschaffen. Aber was gehört hier zum Szenario und was ist nur zufällig da? Der orangene Bully etwa? Ne – scheint nur geparkt. Später stellt sich allerdings heraus, dass der Wagen durchaus zur Übung gehört…

Es ist der letzte Abend des ABC-Lehrganges. Diesmal sollen wir in der Praxis beweisen, wieviel von der Theorie hängen geblieben ist. Am eindrucksvollsten sind dabei die Fehler – ihre Konsequenzen werde ich wohl so schnell nicht mehr vergessen. Wie etwa jener mit dem Bully. Er hat am Heck eine kleine orangene Plackete, die auf Gefahrgut hinweist. Allerdings in exakt der Farbe des Bullys, wodurch ich das übersehen habe. Auf der Seitentür klebt zudem ein Warnschild, dass radioaktives Material der Gefahrenstufe drei geladen sei. Doch hinter dem Lenkrad sitzt noch der verunfallte Fahrer. Was ist zu tun? Den Mann unter Atemschutz so schnell wie möglich bergen, danach eine Sperrzone einrichten und den Löschzug Gefahrgut (LZG) für alles Weitere alarmieren.

Etwas weiter ist ein Gefahrguttransporter mit einem Pkw auf einer Brücke zusammengestoßen. Der Einsatzort der zweiten Gruppe. Flüssigkeit läuft aus dem Lkw in den Fluss – eine dritte Gruppe macht sich auf und baut mit der Feuerwehrleiter, einer Plastikplane, vier Pflöcken und zwei Feuerwehrleinen eine Ölsperre.

An der Unfallstelle auf der Brücke schickt die Gruppenführerin unterdessen zwei Atemschützer vor, um eine der verunfallten Personen zu retten. Kaum sind die drei zurück, geht der nächste Trupp los und rettet die zweite Person aus der Unfallstelle. Dabei passiert der nächste Fehler: Zwar hält sich die Gruppe in ausreichendem Abstand zur Unfallstelle auf, doch wurde vergessen, eine deutlich sichtbare Sperre und eine Dekontaminationszone einzurichten. Darum laufen die, die bis zur Unfallstelle vorgerückt waren und eventuell mit Giftstoffen in Berührung kamen, nun zwischen denen, die noch nichts abbekommen haben – und könnten diese im ernstfall ebenfalls kontaminieren. Deutlich sichtbare Zonen müssen also in jedem Fall als erstes eingerichtet werden…

Ein dritter Trupp rückt nun an der Unfallstelle vor. Er soll erkunden, was für Stoffe der Lkw geladen hat – und was da ausläuft. Als er zurückkommt, hat einer der beiden nasse Stiefel, wie die Ausbilderin bemerkt. An einem Tag ohne Regen. Er muss also durch kontaminiertes Gras gelaufen sein. Ein weiterer Fehler, aus dem ich lerne, dass jene, die aus einer Gefahrenzone zurückkommen immer von Kopf bis Fuß ganz genau in Augenschein genommen werden müssen.

Als nun Dank des Gefahrgutbestimmungsbuches die Stoffe ermittelt sind, ist klar, dass der LZG alarmiert werden muss. Für die örtliche Feuerwehr bleibt nur noch die Absicherung der Unfallstelle.

Am Ende sind die Ausbilder mit uns zufrieden. Wir haben unsere Sache gut gemacht. Trotz einiger Fehler. Und ich bin total beeindruckt davon, was es in einer solchen Gefahrenlage alles zu bedenken gilt. Etwa auch, dass auslaufende Flüssigkeiten nicht einfach mit einem x-beliebigen Behältnis aufgefangen werden dürfen, da sie damit reagieren könnten, sondern nur mit Plastikwannen…

Nach C und A kommt B

C und A haben wir theoretisch abgehakt – bleibt B, also biologisch. Da gilt es vor allem zu vermeiden, dass Feuerwehrleute sich während eines Einsatzes mit Krankheitserregern infizieren. Also etwa bei einer technischen Hilfe, bei einem Unfall-Einsatz, wo der Verunfallte an einer ansteckenden Krankheit wie Hepatitis oder AIDS leiden könnte oder der Transporter entsprechende Blutproben geladen hat.

Wie auch bei A und C gibt es bei den B-Stoffen verschiedene Gefahrengruppen. Sie richten sich nach der sogenannten Pathogenität, also danach, wie ansteckend ein Virus beziehungsweise Bakterium ist. Wichtig sind zudem die Kriterien der Übertragbarkeit, des Risikos für Menschen beziehungsweise Tiere und die Behandlungsmöglichkeiten. Gruppe 1 ist ungefährlich, hier können Feuerwehrleute in normaler Einsatzkleidung arbeiten. Gruppe 2 erfordert besondere Schutzkleidung und Atemschutz – in diese Gruppe fällt etwa der HI-Virus. Und Gruppe 3 braucht zudem einen Fachberater, hier geht es dann um so ein Teufelszeug wie den Ebola-Virus.

Das allein ist schon keine schöne Vorstellung. Doch die Feuerwehr wird auch hinzugerufen, wenn ein Anschlag mit biologischen Stoffen befürchtet wird – etwa mit dem Milzbranderreger Antrax, wie es erst kürzlich in den USA vorkam. Das allerdings ist sehr selten. Häufiger kommt es da schon vor, dass Kampfstoffe aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg gefunden werden. Dies können biologische wie chemische Stoffe sein – und damit schließt sich der Kreis zum C.

Chemische Kampfstoffe durchdringen die Kleidung, sie wirken unter anderem auf die Atemwege und oftmals geben sie sich erst zu erkennen, wenn eine Rettung nicht mehr möglich ist. Das wiederum macht die halbverwitterten Funde vor allem an Nord- und Ostsee um so gefährlicher. Denn anders als bei einem Gefahrguttransport sind diese Stoffe nicht deutlich gekennzeichnet. Sie lassen sich nur über ihr Aussehen, ihren Geruch oder ihre Wirkung identifizieren. Wie hautschädigende Stoffe etwa, die schillernde Tropfen oder Flecken unterschiedlicher Farbe bilden und nach Merrettich, Zwiebel oder Senf riechen. Oder die lungenschädigenden – sie verbreiten eine modrig-süßen Geruch. Nervengifte hingegen sind nicht wahrnehmbar. Sie geben sich erst zu erkennen, wenn sie schon auf den Körper einwirken.

So viel zur Theorie. Und damit ist der Kurs auch schon fast abgeschlossen. Was noch fehlt, ist die Praxis – sie kommt in der Abschlussprüfung dran…

 

Die atomare Gefahr

Wer an atomare Unfälle denkt, denkt häufig in großen Dimensionen – Fukushima oder ein Castor-Unfall etwa. Mir zumindest geht das so. Atom war für mich eigentlich immer gleichzusetzen mit Atomkraftwerken. Dabei kommt Atomares in unserem täglichen Leben wirklich häufig vor und es gibt neben den AKWs noch so viele andere – wenn auch deutlich kleinere – atomare Gefahrenquellen, die zu einem Problem werden und einen Feuerwehreinsatz erforderlich machen können.

So gibt es Medikamente – unter anderem für die Strahlentherapie – die auf atomaren Stoffen basieren, Messgeräte, die nur mit solchen Stoffen funktionieren, Röntgenapparate, aber eben auch Atomtechniken bis hin zum Atomkraftwerk. Entsprechend häufig werden atomare Stoffe, zum Teil in ganz kleinen Mengen, auf Schleswig-Holsteins Straßen transportiert. Was aber, wenn ein solches Fahrzeug verunfallt oder es in der Radiologie eines Krankenhauses zu brennen beginnt?

Zunächst einmal ist radioaktive Strahlung etwas ganz Normales. Sie existiert unter anderem als Erd- oder kosmische Strahlung, wir nehmen sie über das Essen in uns auf oder etwa beim Rauchen. Für Menschen ist eine tägliche Strahlenbelastung von 2,4 Millisievert völlig normal und ungefährlich. Körperlich spüren lässt sich atomare Strahlung ab einem Sievert – dann allerdings auch gleich mit starken unmittelbaren und heftigen langfristigen Nebenwirkungen wie etwa Krebs. Soviel zur Einordnung der Messwerte, die für die Arbeit mit atomaren Stoffen entscheidend sind.

Außerdem sind nicht alle radioaktiven Stoffe gleich gefährlich. So gibt es jene, die eine sogenannte Alpha-Strahlung aussenden. Diese reicht nur 20 Zentimeter weit und ist mit einem Blatt Papier oder normaler Feuerwehr-Einsatzkleidung gut abzuhalten; um sie nicht einzuatmen, sollte zudem Atemschutz getragen werden. Beta-Strahlung ist schon deutlich stärker. Sie reicht etwa zehn Meter weit, kann aber von vier Millimeter dickem Alu oder 15 Seiten Papier abgehalten werden. Bei einem Einsatz mit solcher Strahlung sollte ein Schutzanzug angelegt werden. Und schließlich sind da die wirklich gefährlichen Stoffe wie Uran und Plutonium, die Gamma-Strahlen aussenden. Diese reichen theroretisch unendlich weit, und man kann sich vor ihnen nur mit Blei schützen.

So viel zur Theorie. Und in der Praxis? Wenn eine Wehr zu einem Unfall mit einem Fahrzeug kommt, dessen Kennzeichung auf radioaktives Material hinweist, muss sie diesen zunächst – wie auch bei den chemischen Stoffen – bestimmen. Dann ist schon einmal klar, um welchen Strahlungstyp es sich handelt, welcher Abstand einzuhalten ist und ob die Wehr den Einsatz alleine bewältigen kann oder den Löschzug Gefahrgut (LZG) hinzurufen muss. Grundsätzlich sollte dieser 50 Meter betragen – was bei Alpha- und Betastrahlen ja schon ausreicht, um nicht kontaminiert zu werden – näher sollte nur herangehen, wer Schutzkleidung und Atemschutz trägt. Zudem sollte sich dort niemand lange aufhalten.

Die zumutbaren Grenzwerte für einen Einsatz mit atomaren Stoffen sind übrigens gesetzlich festgelegt: Sind Sachwerte in Gefahr, dürfen Feuerwehrleute im Einsatz maximal 15 Millisievert abbekommen. Spezielle Messgeräte stoßen nach Erreichen dieses Wertes einen Alarm aus. Muss zudem eine Schadensausweitung verhindert werden, sind, einmal im Jahr, 100 Millisievert zulässig. Dadurch steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken, um das 0,000000001-Fache an. Und gilt es Menschen zu retten, dürfen – einmal im Leben einer Einsatzkraft – 250 Millisievert auf diese einwirken. Das aber ist, so der Kursleiter, in Deutschland noch nie vorgekommen.

Alles in allem klingt das schon beruhigend. Ich hoffe dennoch, niemals einen solchen Einsatz machen zu müssen!

3500 gefährliche Stoffe

Die Masse ist beeindruckend: Rund 3500 gefährliche Stoffe sind derzeit im Umlauf. Und häufig auf Deutschlands Straßen anzutreffen. Nicht immer in großen Mengen, bisweilen sind es sogar nur kleine Fläschchen, die in Pkws transportiert werden. Es gibt aber auch Lkws, die randvoll mit hochgiftigen Gasen sind; außen abgetapt, damit auch ja nichts entweicht, fahren sie über unsere Autobahnen. Auch hier im Norden. So lange sie alle rollen, Pkws wie Lkws, – besteht keine Gefahr. Aber sollten sie einmal in den Graben rutschen oder in einen schweren Unfall verwickelt sein…

Wenn es dann kracht, gilt es schnell zu handeln. Doch wie? Eine erste Informationshilfe über die richtigen Maßnahmen am Einsatzort sind die Gefahrentafeln, die über eine Nummer den beförderten Stoff kenntlich machen. Anhand dieser Nummer kann die Wehr, die als erste vor Ort ist, in einem speziellen Nachschlagewerk nicht nur sehen, um welchen Stoff es sich handelt, sondern zugleich, wie sie sich ihm nähern darf und wie doll der Bereich gesichert beziehungsweise abgesperrt werden muss. Reicht etwa Atemschutz aus, oder muss ein Chemikalienschutzanzug angelegt werden – dann ist auch der Löschzug Gefahrgut (LZG) zu alarmieren. Darf Wasser eingesetzt werden oder würde dies zu einer starken chemischen Reaktion führen? Reicht eine 50-Meter Sicherheitszone um das verunfallte Fahrzeug herum oder braucht es gar eine Ein-Kilometer-Zone, die geräumt oder evakuiert werden muss?

Das besagte Nachschlagewerk ist faszinierend effizient und ersetzt am Einsatzort mit seiner Stärke von knapp zwei Zentimetern in DIN A-5 ein Kompendium von gut einem Regalmeter in DIN A-4. Dennoch lohnt es sich auch nach der Identifizierung und Erkenntnis über die ersten Maßnahmen noch einmal etwa beim LZG nachzufragen – und genau zu lesen. Wenn etwa der Fahrer eines verunfallten Lkws sagt, er habe Natriumchlorid geladen, ist das “d” mehr als entscheidend. Denn dann ist es schlichtes Speisesalz, und das ist völlig ungefährlich. NatriumchloriT, also mit “t” hingegen ist in höchstem Maße giftig und ätzend.

Das ABC der Gefahren

Es klingt erst einmal nicht so, als würde eine kleine Dorfwehr wie die meine jemals mit solchen Themen zu tun haben: Einsätze mit atomaren, biologischen und chemischen Gefahren. Bei uns? Bestimmt nicht.

Dabei kann es in der Tat ganz schnell dazu kommen, etwa, wenn eine Röntgenpraxis brennt, ein Gefahrguttransport auf der Kreisstraße verunglückt, eine Biogasanlage brennt – oder schlicht bei einem Autounfall. Dann zum Beispiel droht eine biologische Gefahr, schließlich könnte die verunfallte Person an einer ansteckenden Krankheit wie AIDS oder Hepatitis leiden…

Für all diese Gefahren beim Einsatz soll der Kurs “ABC-Modul I” sensibilisieren. Es geht nicht so sehr darum, Gefahrgutkennzeichnungen auswendig zu lernen; dafür gibt es Nachschlagewerke, die im Zweifel zuverlässiger sind. Sondern darum, erst einmal zu erkennen, dass eine besondere Gefahrensituation besteht und wie darauf zu reagieren ist. Kann ich mich zum Beispiel dem bewusstlosen Fahrer eines im Graben gelandeten Kesselwagens mit Gefahrgutkennzeichnung nähern oder nicht? Ist in einem solchen Fall der Tanklastzug nicht beschädigt, besteht natürlich auch kein Grund, dem Mann nicht zu helfen. Tritt hingegen etwas aus, muss der Stoff bestimmt werden, eventuell eine Absperrung gegen die weitere Ausbreitung errichtet werden, vielleicht gar der Löschzug Gefahrgut zur Unterstützung herbeigerufen werden. Denn oftmals – Gefahrgüter sind in drei Gefahrenstufen unterteilt – darf der betroffene Bereich nur mit einer Sonderaussrüstung betreten werden.

In jedem Fall gilt es, eine Inkorporation, also die Aufnahme gefährlicher Stoffe in den Körper (über Körperöffnungen oder die Haut), eine Kontamination, also Verunreinigung mit ABC-Stoffen oder eine Kontaminationsverschleppung, zum Beispiel durch das Breittreten giftiger Stoffe, zu verhindern.

Auf dem Bock eines 7,5-Tonners

Eine Weile ist es auf dieser Seite recht ruhig gewesen – wer sich darüber wundert: Es gab verschiedene Gründe. Vornehmlich organisatorische. Schade. Denn es ist in der Zeit durchaus viel passiert.

So hat meine Wehr etwa ein neues Einsatzfahrzeug bekommen – ein Staffel-LF 6/10 -, das schon vor der öffentlichen Indienststellung drei Einsätze fahren musste. Von ihnen kann und konnte ich hier leider nicht berichten, da ich gerade schwanger bin, also nicht live dabei war.

Dafür aber kann ich euch erzählen, was es bedeutet, ein solches Gefährt sicher zum Einsatzort zu fahren. Denn ich mache gerade eine Art Zusatzführerschein für unseren 7,5-Tonner. Lkw-Fahrern dürfte das nur ein müdes Lächeln entlocken. Mir allerdings hat es in den ersten zwei von vier Praxisstunden sehr viel Spaß gemacht!

Beeindruckend, wie breit ein solches Auto ist. Vor allem auf den kleinen Straßen Schleswig-Holsteins, die mit ihren drei Metern oftmals genau der Spurbreite des Fahrzeugs entsprechen – ohne Außenspiegel. Dafür galt es zunächst einmal, ein Gefühl zu entwickeln. Zudem ist die Sicht in einem solchen Gefährt vor allem von toten Winkeln geprägt – auch das richtig abzuschätzen musste und muss ich erst lernen. Schade nur, dass zu einer solchen Übung nicht auch das Fahren mit Blaulicht gehört … ;-)

Erschreckend

Es gibt Einsätze, die mag ich mir nicht einmal vorstellen. Gestern habe ich eine Vorstellung von einem solchen möglichen Einsatz bekommen. Die Atemschutzgeräteträger einiger Gemeinden hatten sich bei einem Pflegeheim eingefunden. Es gab dort schon mehrfach Übungen – die auch so einige Probleme ans Licht förderten – und nun sollte eine Begehung weitere Klarheit bringen.

Die erste Erkenntnis: Drehleitern können dort nicht eingesetzt werden. Das bedeutet, dass die alten, zum Teil bettlägrigen und/oder schwer verwirrten Menschen über Steckleitern aus den Fenstern gerettet werden müssen.

Im Innenbreich dann erwartete uns das reinste Labyrinth. Da fiel schon bei guter Sicht die Orientierung schwer. Wie soll das erst werden, wenn vor lauter Rauch die Hand vor den Augen nicht mehr zu sehen sein wird? Zudem die Brandschutzvorrichtungen in dem Gebäude eher zu wünschen übrig lassen. Auch wenn der Betreiber bereits nachrüstet. Es gibt verschlossene Türen zu Hauf (da die Dementen ja nicht weglaufen dürfen), enge Gänge, verwinkelte Holztreppen. Ganz abgesehen von acht Fluchtmasken für 57 Bewohner, einen Raum für die Druckbefüllung von Sauerstoffflaschen – aber keine entsprechenden Feuerlöscher – und zahlreiche Flaschen mit brennbaren Materialien in der Werkstatt des Hausmeisters…

In der Nachbesprechung teilte uns der Wehrführer der zuständigen Ortswehr dann nicht nur mit, dass die Feuerwehr auf eigene Kosten nun Fluchtschutzhauben für die Bewohner nachrüsten werde, da der private Träger diese Investition nicht stemmen könne. Zudem machte der Mann uns keinerlei Illusionen: Er habe das Brandszenario gemeinsam mit einem Fachmann mehrfach durchgespielt. Wenn alles gutgeht und wir von der Feuerwehr alles richtig machen, dann können wir mit etwas Glück 40 Prozent der Bewohner retten. 40 Prozent! Und das ist mit den Brandschutzbestimmungen vereinbar – da das alte Gemäuer nicht viel mehr zulässt. Und das Heim sonst geschlossen werden müsste. Darum kann ich nach der gestrigen Begehung nur sagen: Bei der Wahl eines Pflegeheimes sollten man immer auch die Flucht aus Selbigem im Auge haben.

Immer diese Nachbarn

20.15 Uhr – noch eine Viertel Stunde und ich bin zu Hause. Feierabend. Da klingelt plötzlich mein Handy. Feueralarm. Also kein Feierabend. Stattdessen ziehe ich mich schnell um und fahre den anderen zum Einsatzort hinterher.

Als ich dort ankomme, machen sich die Kameraden schon wieder auf den Rückweg. Fehlalarm. Ein Mann hatte am Nachmitag im Garten etwas verbrannt. Mit starker Rauchentwicklung. Am Abend jedenfalls hat das Zeug immer noch gequalmt. Und da hat eine Nachbarin dann die Feuerwehr wegen “starker Rauchentwicklung” alarmiert. Von Garten und Abfällen hat sie allerdings nichts gesagt… Viel Adrenalin für nichts. Schließlich waren wegen des befürchteten Wohnhausbrandes drei Wehren alarmiert worden. Wer das wohl bezahlt?

 

Keine Frage der Höhe

Bei der Truppmann-Ausbildung mussten wir uns aus vier Metern Höhe abseilen. Einigen machte das so viel Spaß, dass wir mehr wollten. Jetzt gab es mehr: Abseilen aus dem vierten Stock, also aus ungefähr 15 Metern Höhe. Inklusive Balkonen in der Wand. Immer an der Wand lang funktioniert da nicht.

Mit immer an der Wand lang meine ich eine Technik, bei der man sich zunächst mit den Füßen an der Wand so weit abseilt, dass der Kopf unter den an der Wand stehenden Füßen liegt. In diesem Winkel seilt man sich dann bis zum Boden ab, wobei man bequem die Wand rückwärts heruntergehen kann.

Das, wie gesagt, funktionierte diesmal nicht – schließlich waren aufgrund der Balkone “Löcher” in der Wand. Stattdessen sind wir also über die Balustrade geklettert und haben uns dann mehr oder weniger schnell abgeseilt, also selbst heruntergelassen.

In einem zweiten Versuch wollten einige von uns dann probieren, sich mit den Füßen an der Wand abzustützen, dann von der Wand abzustoßen, dabei Seil zu geben und so über das Loch hinwegzuschwingen. Mir ist das nicht so gut gelungen. Aber egal, klasse war es trotzdem. Und unter dem Strich muss ich sagen, es macht eigentlich keinen Unterschied, ob ich mich aus vier oder 15 Metern Höhe abseile.

Schnitzeljagd á la Feuerwehr

Zum Schluss wurde es dann doch noch mal gut. Bei der Abschlussprüfung für den Funker-Lehrgang mussten wir eine Orientierungsfahrt absolvieren. Das ist wie eine Schnitzeljagd – mit Einsatzzentrale, Feuerwehrautos, Funk, Karten und Koordinaten.

Ich saß in der Zentrale und musste die anderen über Funk von einem Ziel zum nächsten dirigieren, indem ich ihnen zwei dreistellige Koordinaten gab, mit denen sie den Zielpunkt auf der Karte suchen mussten. Daneben gab es einige Sonderaufgaben.

Endlich konnten wir einmal richtig funken – und nicht nur theoretisch darüber reden. Wir konnten Fehler machen und daraus lernen – und prompt machte es Spaß.

Vielleicht wäre die Einführung des Digitalfunks, der den Analogfunk aus dem Jahre 1960 kommendes Jahr (oder jedenfalls sehr bald) ablösen soll, ja eine gute Gelegenheit, bei der Funkausbildung auch mal ein paar Neuerungen einzuführen? Wäre super! Zumal ALLE, die ich bei der Feuerwehr bisher kennen gelernt habe, alte wie junge Hasen, über diesen Lehrgang eher fluchen. Weil er so dröge und theoretisch ist. Was kein Vorwurf an den Ausbilder sein soll, denn der hält sich ja nur an die Vorschriften… Aber etwas mehr Praxis wär schon toll!